Bilder einer Stadt Bonjour, München

Arm, reich, hässlich, urban - München hat viele Gesichter. In einer Sommerserie zeigen SZ-Fotografen ihren besonderen Blick auf das Leben an der Isar. Folge 6: Wo München aussieht wie Paris. Ein Streifzug mit Baskenmütze - von Catherina Hess

Von Jutta Czeguhn

Da war diese berühmte Schwarz-Weiß-Fotografie von Willy Ronis: Ein kleiner Junge saust mit einem Baguette unterm Arm die Straße entlang und platzt fast vor Glück. Die heitere Leichtigkeit, die ruhige Poesie dieses Moments aus dem Leben der kleinen Leute von Paris, das alles hat Catherina Hess immer schon angesprochen. Das alte Paris, wie es in den Bildern der großen Fotografen wie Cartier-Bresson, Brassaï oder Kertész herausgrüßt. Schöne Klischees, das weiß Hess, ein wenig verbraucht und vergilbt, aber in der heutigen lauten, brutalen Zeit auch bitter nötig. Kleine Ableger dieser Paris-Illusion lassen sich überall auf der Welt finden, ist Catherina Hess überzeugt. Kinderleicht war die Suche in München, wo die Fotografin nur der Baskenmütze von Léon folgen musste, der für sie ein Boulangerie mit echtem, duftenden Baguette entdeckte oder die Boule-Kugeln im Hofgarten klacken ließ. Léon kann auch einen Springschatten werfen, der selbst einen Henri Cartier-Bresson verzückt hätte. Und die Isar sieht, im weichen Pariser Licht betrachtet, fast aus wie die Seine, bien sûr.