Bier selbst brauen Pils mit Passionsfrucht

Lemon Grass, Passionsfrucht oder Jalapeño-Chili: Hobby-Brauer können sich ihr Bier nun selbst zu Hause brauen - auch in exotischen Geschmacksrichtungen. Die junge Firma "Braufässchen" bietet 15.000 unterschiedliche Sorten an. Jetzt hoffen die Unternehmer auf einen Start Up Award. Ein Gespräch mit Ignaz Neuhäuser, einem der Gründer.

Von Beate Wild

Das "Braufässchen" ist ein Start-up aus München und eine der jungen Firmen, die für den Start-up-Award der Isarnetz-Webwoche, der am Mittwochabend im Münchner Rathaus verliehen wird, nominiert sind. Über die Webseite von "Braufässchen" kann man seit Juli 2012 Zutaten erwerben, um damit zu Hause sein eigenes Bier zu brauen - in nur sieben Tagen. Aktuell gibt es 15 000 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten. Dabei setzen die jungen Unternehmer vor allem auf exotische Sorten mit außergewöhnlichen Aromen. Ignaz Neuhäuser, einer der Firmengründer, erklärt, was es mit dem neuen Biertrend auf sich hat.

Ignaz Neuhäuser hat ein Ziel: dem Einheitsbier ein Ende zu bereiten. Deswegen bietet sein Unternehmen "Braufässchen" Bier zum Selbstbrauen an.

(Foto: oh)

SZ: Herr Neuhäuser, reicht das normale Helle nicht mehr aus? Muss es denn ein Pils mit Lemon Grass und Passionsfrucht sein? Oder ein Weißbier mit Jalapeño-Chili?

Neuhäuser: Vielen Biertrinkern reicht das herkömmliche Bier wirklich nicht mehr. Dem deutschen Gerstensaft wird ja oft nachgesagt, dass es ein Einheitsbier sei. Ein Helles schmeckt immer wie ein Helles, egal von welcher Brauerei. Für mich ist diese Eintönigkeit auch die Ursache für den Rückgang beim Bierumsatz.

Und dann kamen Sie auf die Idee mit dem Bierbrauen für zu Hause?

Wir sind vier Studenten der TU in Freising und haben uns über das Gründerzentrum kennengelernt. Da wir das normale Bier so langweilig fanden und im Ausland erlebt haben, was es für eine Biervielfalt geben kann, wollten wir für ein bisschen Abwechslung sorgen.

Auf Ihrer Webseite kann sich der Biertrinker, der auf der Suche nach neuen Geschmacksrichtungen ist, Zutaten für exotische Biere bestellen und dann zu Hause alles zusammenmischen?

Genau, der Kunde wählt zunächst die Biersorte aus, also Pils, Weißbier, India Pale Ale oder Dunkles. Dann kann er neben dem Hopfen noch bis zu drei weitere Zutaten bestimmen, mit denen er seine Mischung aufpeppen will.

Da bieten sie ja durchaus Aromen an, die man nicht unbedingt in einem Bier vermuten würde?

Stimmt, etwa Maulbeerbaum, rotes Sandelholz, Anis, Waldmeister oder Honig. Aber in der Zusammensetzung kann das durchaus interessant schmecken. Aber klar, die Geschmäcker sind verschieden.

Mit dem deutschen Reinheitsgebot hat das dann aber nichts mehr zu tun?

Doch, die Qualitätsstandards sind genauso hoch wie bei Bieren, die nach dem Reinheitsgebot gebraut sind. Allerdings lassen wir uns bei der Auswahl der Zutaten nicht einschränken. Unterm Strich ist unser Bier sogar naturbelassener als die Biere aus der Brauerei, weil es weder geklärt, noch gefiltert, oder gar pasteurisiert ist.

Wie lange dauert es, bis der Kunde sein eigenes Bier trinken kann?

Das Gebräu muss fünf Tage bei Zimmertemperatur gären und dann noch zwei Tage im Kühlschrank. Dann ist es trinkfertig.

Und es immer genießbar?

Bier ist ein Naturprodukt. Der Gärprozess unterliegt vielen Einflussfaktoren, wie zum Beispiel der Umgebungstemperatur. Wir haben bei der Entwicklung großen Wert darauf gelegt, diesen Prozess so zuverlässig wie möglich zu gestalten.

Welche Menschen kaufen bei Ihnen ein?

Vor allem internetaffine Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Bei uns bestellen Männer genauso wie Frauen. Besonders die Damen sind begeistert und schreiben uns, wie toll es ist, dass es endlich ein Bier gibt, das auch ihnen schmeckt.

Was erwarten Sie sich von dem Award?

Wir erhoffen uns zahlreiche neue Kontakte zu anderen Start-ups, Institutionen und Unternehmen. Außerdem freuen wir uns auf einen regen Austausch mit anderen Firmen. Und natürlich hoffen wir, mit unserer Geschäftsidee den Start-up-Award zu gewinnen.