Bewerbung um Fußball-EM 2020 München unterwirft sich den Auflagen der Uefa

Werden in der Münchner Arena auch Spiele der Fußball-EM 2020 ausgetragen?

(Foto: Florian Peljak)

"Ein echter Verhandlungsspielraum besteht nicht": Um den Zuschlag für einzelne Spiele der Fußball-Europameisterschaft 2020 zu erhalten, muss München Auflagen der Uefa akzeptieren. Die sind extrem kostspielig, gleichen Knebelverträgen. Trotzdem geht die Stadt ins Rennen - und hofft auf einen Imagegewinn.

Von Dominik Hutter

Jetzt ist München offiziell im Rennen: Bürgermeisterin Christine Strobl hat das sogenannte Bid Book unterschrieben, mit dem sich die Stadt um die Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft 2020 bewirbt. Den aufwendig gestalteten Katalog wollen Sportamts-Chef Thomas Urban und Allianz-Arena-Geschäftsführer Jürgen Muth an diesem Mittwoch persönlich beim DFB in Frankfurt abgeben. Bis im Münchner Norden der Ball rollt, gilt es allerdings noch einige Hürden zu meistern: Zunächst muss sich München gegen den nationalen Mitbewerber Berlin durchsetzen, erst dann geht es auf die europäische Ebene. Dort müssen sich die Bewerber komplett den umfangreichen Vorgaben der Uefa unterwerfen. Was das letztlich kostet, so steht in der nicht-öffentlichen Beschlussvorlage für den Stadtrat, "kann derzeit nicht abschließend eingeschätzt werden".

Unklar ist bislang auch noch, um welche Spiele sich München eigentlich bewirbt: entweder um die beiden Halbfinales und das Endspiel - die deutlich prestigeträchtigere Variante. Oder aber um drei Gruppenspiele plus ein Viertelfinale. Welches Paket anvisiert wird, entscheidet der DFB nach der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2020 am 7. September. Verliert Istanbul gegen Tokio oder Madrid, überlässt der DFB der türkischen Metropole freiwillig das Finale-Paket der Fußball-EM.

An dieser Entscheidung ist München nicht mehr beteiligt - es handelt sich letztlich um eine Bewerbung ins Blaue. Immerhin stehen die Chancen auf einen Zuschlag nicht schlecht. München gilt fußballtechnisch als mindestens ebenbürtig mit Berlin. Die Bundeshauptstadt darf aber bereits das Champions-League-Finale 2015 austragen - da ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass der Stab für die EM deshalb nach München wandert. Dass bei der Europameisterschaft 2020, die erstmals in 13 europäischen Ländern ausgetragen wird, Deutschland komplett außen vor bleibt, hält der DFB für unwahrscheinlich.

Wie schon bei der Olympia-Bewerbung für 2018 muss die Stadt umfangreiche Garantieerklärungen abgeben, die aller Voraussicht nach mehrere Millionen Euro kosten werden. Und die eher Knebelverträgen als einem Abkommen zwischen gleichberechtigten Partnern gleichen. Die von DFB und Uefa erstellten Regelwerke seien "äußerst einseitig" zugunsten der Fußballverbände ausgestaltet, steht in der Beschlussvorlage des städtischen Sportamts. Sie enthielten "erhebliche und umfangreiche Verpflichtungen" - unter anderem muss die Uefa von sämtlichen Haftungsrisiken in puncto Sicherheit freigestellt werden. Dies müsse ein Bewerber wohl schlucken, empfiehlt das Sportamt. "Ein echter Verhandlungsspielraum besteht nicht, soweit die Stadt ihre Bewerbung nicht negativ beeinflussen will". Die aktuellen Forderungen der Uefa gingen weit über die Fifa-Vorgaben für die WM 2006 hinaus. Dafür sei München bei einem Zuschlag eine Aufmerksamkeit sicher, die durchaus mit einer Weltmeisterschaft oder Olympischen Spielen vergleichbar sei.

Nach ersten groben Schätzungen würde die EM die Stadt etwa 7,5 Millionen Euro kosten - noch ohne Inflationsausgleich und bei Berücksichtigung von nur drei Spielen. Allein 2,4 Millionen sind für ein Fanfest im Olympiapark eingeplant, 987 000 Euro kosten die von der Uefa geforderten Gratis-MVV-Tickets für alle Eintrittskartenbesitzer. 2,3 Millionen sind für "freiwillige Aktivitäten" vorgesehen, darunter ein schon vor den Spielen beginnendes Rahmenprogramm. Dieses Geld kann die Stadt wohl nahezu komplett abschreiben. Die Möglichkeiten zur Refinanzierung sind nach Einschätzung des Sportamts "stark limitiert", da sämtliche Vermarktungsrechte bei der Uefa liegen. Letztlich bedeute das drittgrößte Sportereignis der Welt aber einen enormen Imagegewinn für die Fußballmetropole München.