Wachstum der Bevölkerung in München Mia san mehr

In der Stadt München hat die Realität alle Prognosen überholt: Die Region entwickelt sich zu einer der dynamischsten in ganz Europa. Die 1,5-Millionen-Marke dürfte schon bald geknackt sein. Die Gründe, warum München so schnell wächst.

Von Christian Krügel

Unter Statistikern und Bevölkerungsforschern gibt es einen schönen Spruch: "Wenn die Realität und die Prognose nicht zusammenpassen, ist das schlecht für die Realität." In der Stadt München hat die Realität allerdings in den vergangenen zwei Jahren bereits alle Prognosen überholt. Seit der bis dato letzten Vorhersage im Jahr 2009 gibt es etwa 65.000 Münchner mehr. Allein in den ersten neun Monaten des zu Ende gehenden Jahres registrierte die Meldebehörde fast 21.000 Neubürger. Deshalb legte Planungsreferentin Elisabeth Merk Anfang Dezember einen neuen Demografiebericht vor, der Antwort auf wichtige Fragen geben soll.

Wie stark wird München wachsen?

Bereits im Jahr 2014 dürfte die 1,5-Millionen-Einwohner-Marke geknackt sein. In seiner "Planungsprognose" geht das Merk-Referat für die Zeit bis 2030 von einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 0,73 Prozent pro Jahr aus - was allerdings deutlich weniger ist als derzeit. Das würde bedeuten, dass München in 18 Jahren 1,65 Millionen Einwohner hätte, 213 000 mehr als derzeit. Es gibt allerdings auch eine sogenannte Obere Variante, bei der davon ausgegangen wird, dass der jetzige Zuzug zumindest die nächsten Jahre anhält. Dann könnte schon 2020 die Einwohnerzahl bei 1,6 Millionen Menschen liegen, 2030 gäbe es dann fast 1,8 Millionen Münchner.

Warum wird München wachsen?

"Grund für den starken Einwohnerzuwachs sind die seit 2010 einsetzenden hohen Zuwanderungsströme aus den EU-Ländern", schreibt Elisabeth Merk im Vorwort zu ihrem Demografiebericht. Tatsächlich hat die EU-Osterweiterung einerseits, die Euro-Krise andererseits München für viele Menschen aus Süd- und Osteuropa attraktiv gemacht. Der Wanderungsgewinn, also die Differenz zwischen Zu- und Wegzügen, ist in den vergangenen beiden Jahren für Länder wie Spanien, Italien und Griechenland um das Vierfache gestiegen. Im Jahr 2011 sind aus diesen Ländern 4514 Menschen mehr nach München zu- als weggezogen.

Wie viele Kinder werden geboren?

Es gibt bereits heute einen Babyboom in der Region, was wohl zu etwa 15 000 Geburten in diesem Jahr führen wird - deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Deshalb korrigierte das Planungsreferat auch hier seine Prognose von 2009. Denn mehr Zuzug junger Menschen führt zwangsläufig auch zu mehr Kindern. Knapp 17 000 Neugeborene im Jahr 2030 erscheinen heute als nicht mehr unrealistisch, bis dahin könnte es jedes Jahr einen vierstelligen Geburtenüberschuss geben. München wächst also nicht nur durch Zuwanderung, sondern auch ganz natürlich.

Wird München vergreisen?

Der Altersdurchschnitt der Münchner Bevölkerung wird wie im gesamten Bundesgebiet steigen, allerdings nicht so drastisch. Es wird deutlich mehr sehr alte Bürger geben: Im Jahr 2030 dürften im Vergleich zu heute zwischen 30 000 und 36 000 mehr Menschen in München leben, die 75 Jahre und älter sind. Wegen der starken wirtschaftlichen Zuwanderung wird aber auch die Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen deutlich wachsen, nämlich um rund 57 000 auf 433 000.

Wie viele Schüler wird es geben?

Der Bedarf an Plätzen in Kindertagesstätten wird steigen. "Für Kinder im Kindergartenalter sind Zuwächse von zwölf Prozent bis 2030 zu erwarten", heißt es im Demografiebericht der Stadt. Gute Berufsaussichten dürfte haben, wer sich für ein Lehramtsstudium entscheidet: Die Zahl der Schüler könnte in diesem Zeitraum um 17 Prozent ansteigen, bei Jugendlichen im Alter der weiterführenden Schulen und Ausbildung kalkulieren die Statistiker mit einem Zuwachs von 18 Prozent.

Wie sicher sind diese Prognosen?

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Das kann keiner genau sagen - siehe das Statistiker-Sprichwort über Realität und Prognose. Auffallend ist aber, dass die Ergebnisse des städtischen Demografieberichts nicht so sehr von vergleichbaren Wachstumsprognosen abweichen. Das Statistische Landesamt prognostiziert für München etwa zwölf Prozent Wachstum, die Bertelsmann-Stiftung 14,8 Prozent. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumforschung glaubt, dass die Zahl der Münchner nur geringfügig um zwei Prozent steigt, dafür aber der Landkreis München und die Region eine Bevölkerungsexplosion erleben. Hier gehen die Auguren davon aus, dass in den nächsten Jahren viele Städter raus ins Umland wollen. Aber wer weiß das schon.