Bettler in München Mit Krücken auf Mitleidstour

Wundersame Heilung: Als eine zivile Polizeistreife einen gehbehinderten Bettler kontrollieren wollte, sprintete dieser davon - ohne Krücke.

Von Susi Wimmer

Eine wundersame "Heilung" ist am Wochenende einem Bettler am Straßenrand widerfahren: Mit gekrümmten Beinen, die Krücken neben sich liegend, hockte er in der Fußgängerzone. Als ihn eine zivile Polizeistreife kontrollieren wollte, sprang der "Behinderte" plötzlich auf und sprintete in bemerkenswertem Tempo davon. Doch die beiden Beamten waren schneller.

Pünktlich zur Adventszeit reisen die Bettlerbanden gen München

"In diesem Jahr scheint das die neue Masche der organisierten Bettlerbanden zu sein", sagt Polizeisprecher Andreas Ruch und meint damit die Mitleidstour mit der Verkrüppelung. Waren es im letzten Jahr noch kleine Hunde oder Kinder, die neben den Bettlern hockten, so täuschen die Bettler in diesem Jahr schwere körperliche Behinderungen vor.

Pünktlich zur Adventszeit reisen die Bettlerbanden gen München. Laut Polizei stammen die Männer und Frauen vorwiegend aus Rumänien und der Slowakei. Sie schlafen in Autos - oder momentan in einer Unterführung bei der Bavaria - und gehen tagsüber in der Innenstadt betteln. Meist sei ein besser situierter Aufseher dabei, der das erbettelte Geld einkassiere und die Akteure mit geringen Beträgen abspeise. "Aber diese organisierte Struktur zu beweisen, ist uns bislang noch nicht gelungen", sagt Ruch.

Das Einzige, was die Polizei tun könne, sei, den Betrügern das Leben schwer zu machen: Durch Kontrollen und Erhebung von Sicherheitsleistungen. Auch im Sinne der Münchner Bettler, die sich über die "Konkurrenz" aus dem Osten beschweren. Der "gehbehinderte" Sprinter war übrigens ein 28-jähriger Rumäne. Er war vor kurzem in Nürnberg mit vier "Kollegen" aufgegriffen worden. In ihrem Auto lagen fünf Paar Krücken - von den Männern war keiner behindert.