Von Michael Tibudd

Die Lage schien aussichtslos, die Polizei hatte ihn umzingelt - da wählte ein betrunkener Radfahrer die Isar als Fluchtweg. Und musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden.

Knapp vier Grad Celsius hat das Wasser der Isar in diesen winterlichen Tagen. Nicht, dass man das unbedingt so genau wissen müsste, die Vorstellung, dass der in den Alpen entspringende Fluss schlicht eiskalt ist, bedarf wenig Phantasie. Ein betrunkener 43 Jahre alter Installateur hielt es in der Nacht zum Sonntag dennoch für eine gute Idee, schwimmend vom einen Ufer der Isar zum anderen zu gelangen. Allerdings hatte er auch einen triftigen Grund: Er musste vor der Polizei fliehen, und zwar dringend.

Radfahrer stürzt in die Isar; dpa

Knapp vier Grad Celsius Wassertemperatur hat die Isar - im Bild der Flauchersteg - im Winter. Einen Radfahrer hielt das nicht davon ab, schwimmend vor der Polizei zu flüchten. (© Foto: dpa)

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Gegen 3.30 Uhr war der Mann mit dem Fahrrad auf der Fraunhoferstraße stadtauswärts unterwegs - offenbar nach einer Zechtour, jedenfalls beobachteten zwei Streifenpolizisten, dass er in Schlangenlinien fuhr. Als der Mann den Streifenwagen bemerkte, entschied er sich zur Flucht. Einer der Polizisten folgte ihm zu Fuß in Richtung Reichenbachbrücke, der zweite im Streifenwagen. "So gelang es", heißt es stolz im Polizeibericht, "den Radfahrer an der Isar von zwei Seiten zu umringen".

Allerdings hatten die beiden Beamten da nicht mit dem Wagemut des Installateurs gerechnet. Für den war die Situation nämlich keineswegs ausweglos. An der Reichenbachbrücke sprang er vielmehr vom Fahrrad und lief die Böschung rechts von der Brücke hinab. "Dort sprang er in vollem Lauf in die Isar und versuchte schwimmend das andere Ufer zu erreichen", heißt es von der Polizei.

Glück im Unglück

Durch diesen Aktionismus wurden die Polizisten nun schnell von Verfolgern zu Lebensrettern: Der 27 Jahre alte Beamte im Auto fuhr über die Brücke und eilte zum anderen Ufer. Dort ging er dem Installateur im Wasser entgegen. Der hatte den größten Teil der Isar zwar geschafft. "Aufgrund seiner Alkoholisierung und fehlender Kraft war er allerdings nicht mehr in der Lage, allein das sichere Ufer zu erreichen", teilte die Polizei mit.

Die Beamten ließen den unterkühlten Mann vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus bringen. Zu einem Atemalkoholtest sei er wegen des offensichtlich zu hohen Pegels nicht mehr in der Lage gewesen. Ein genaues Ergebnis soll die Untersuchung einer Blutprobe liefern.

Der Installateur wird in jedem Fall einige Zeit auf seinen Führerschein verzichten müssen. Der wird bei betrunkenen Radfahrern unabhängig vom tatsächlichen Promillewert eingezogen, wenn sie "Ausfallerscheinungen" wie etwa Schlangenlinien zeigen. Unterm Strich hatte der Zecher aber vor allem Glück: Hätte ihn die Strömung nur ein paar Meter flussabwärts getrieben, hätte ihn der Polizist nicht so leicht aus dem Wasser ziehen können. Auf der anderen Seite der Brücke beginnt ein Abwasserkanal - und von dem aus ist es deutlich schwerer, nächtliche Schwimmer zu retten.

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(SZ vom 22.02.2010/mikö)