Betrug mit dem Enkeltrick Teure Masche für Senioren

"Hallo Gerlinde, rat mal wer dran ist": Die Münchner Polizei klärt mit einer Kampagne über eine beliebte Masche von Betrügern auf - den Enkeltrick. Die Zahl der Fälle ist innerhalb eines Jahres von 53 auf 624 gestiegen, der Schaden liegt bei gut einer Million Euro.

Von Florian Fuchs

Es ist ein Verbrechen, bei dem die Dunkelziffer hoch ist, weil die Opfer oft gar nicht zur Polizei gehen. Sie schämen sich, dass sie auf so einen blöden Trick hereingefallen sind, einem wildfremden Menschen am Telefon geglaubt haben, dass er ihr Neffe oder ihr Enkel ist und ihm mehrere zehntausend Euro gegeben haben. Und obwohl der Trick auf den ersten Blick so leicht zu durchschauen ist, sind die Zahl der Delikte und der dadurch entstandene Schaden "explosionsartig" gestiegen, wie Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sagt.

53 Fälle von Enkeltrickbetrügereien verzeichnete die Münchner Polizei im Jahr 2011, in diesem Jahr waren es bereits 624 Fälle mit mehr als einer Million Euro Schaden. Das Bayerische Innenministerium und das Münchner Polizeipräsidium wollen deshalb eine Informationskampagne starten, die vor allem die betroffene Opfergruppe der Senioren über die Masche der Betrüger aufklären soll.

Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete die Entwicklung am Montag als "dramatisch" und präsentierte auch Zahlen für Bayern, wonach sich der Schaden im Freistaat von 2011 auf 2012 auf drei Millionen Euro verfünffacht hat.

Die Täter gehen immer nach einer ähnlichen Methode vor: Sie suchen in Telefonbüchern gezielt nach früher beliebten, weiblichen Vornamen wie Gerlinde, Ingeborg oder Hildegard und hoffen, telefonisch an Seniorinnen zu gelangen, die sie leicht überrumpeln können. Dann täuschen sie einen Notfall vor und bitten die Opfer, ihren lieben Verwandten mit mehreren zehntausend Euro aus der Patsche zu helfen.

"Hallo Gerlinde, rat mal, wer dran ist"

Die Täter rufen meist aus Osteuropa an, in München übernehmen es dann sogenannte "Läufer", das Geld von den Opfern abzuholen. "Es ist für uns wahnsinnig schwierig, an die Hintermänner zu gelangen, weil das gut organisierte, sehr professionell vorgehende Banden sind", sagt Polizeipräsident Schmidbauer. Zahlreiche Senioren seien bereits sensibilisiert, so seien in diesem Jahr bei den 624 versuchten Betrugsfällen nur 38 Opfer tatsächlich auf die Masche hereingefallen. Da die Dunkelziffer nach Ansicht der Polizei aber sehr hoch und der Schaden bei erfolgreichen Taten meist sehr groß sei, geht die Polizei nun in die Offensive.

"Hallo Gerlinde, rat mal, wer dran ist", lautet die Aktion, die bis zum Sonntag in München läuft. In zahlreichen Werbespots im Fernsehen und an U-Bahnhöfen sowie an Ständen in Einkaufszentren will die Polizei über den Trickbetrug aufklären. In Arztpraxen und bei Banken liegen Broschüren aus und an Senioren werden Aufkleber verteilt, die man ans Telefon kleben kann und die vor Enkeltrickbetrug warnen.

Um der drastisch gestiegenen Zahl der Delikte beizukommen und die Banden zu zerschlagen, hat das Polizeipräsidium die zuständige Ermittlungsgruppe um zehn Mann verstärkt. Und auch Banken organisieren vermehrt interne Schulungen für Mitarbeiter, die auf Senioren achten sollen, die auf einen Schlag viel Geld abheben wollen. Bisher, teilt die Polizei mit, sei es gelungen, sieben Täter festzunehmen.