Bestechung bei Sicherheitsfirma Geld oder Luxusauto gegen Auftrag

Securitas stellt Sicherheitspersonal und beauftragt Subunternehmen mit Aufträgen: Dabei ist Schmiergeld geflossen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)
  • Ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Securitas hat am Montag vor dem Landgericht München gestanden, über Jahre hinweg gegen Schmiergeld Aufträge an Subunternehmer verteilt zu haben.
  • Insgesamt hat er sich mit 210 000 Euro bestechen lassen, so der Vorwurf.
  • Securitas ist mit etwa 1400 Mitarbeitern in München vertreten und stellt Sicherheitspersonal für die Wiesn, den Flughafen, die Bahn oder auch für die Justiz.
Von Christian Rost

Ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Securitas hat über Jahre hinweg von Subunternehmern Schmiergeld im Gegenzug für Aufträge verlangt - sein Anteil soll sich auf zehn Prozent des Rechnungsbetrages belaufen haben. Der 44-jährige Siegfried S. gestand am Montag am Landgericht München I, dass er sich mit insgesamt 210 000 Euro hatte bestechen lassen. Zudem hatte er als Vorstandsmitglied bei der "Unterstützungseinrichtung der ehemaligen Münchner Wach- und Schließgesellschaft" in die Kasse gegriffen. 54 400 Euro zweigte der hochverschuldete S. für sich ab.

Die Firma Securitas - ein schwedischer Konzern mit einer Holding in Düsseldorf - informierte im Juni 2014 selbst die Justiz, nachdem sich ein benachteiligter Subunternehmer darüber beschwert hatte, dass es bei der Auftragsvergabe in München zu Unregelmäßigkeiten komme: Der Subunternehmer war nicht bereit, Bestechungsgelder zu zahlen und verlor daraufhin einen bereits erteilten Auftrag. Anfang Juli 2014 ließ die Staatsanwaltschaft dann 13 Objekte in München und Umgebung durchsuchen, auch die Villa des 44-jährigen Angeklagten in Berg am Starnberger See. S. kam in Untersuchungshaft und räumte alsbald in einen Brief an den Vorsitzenden Richter der 6. Strafkammer, Hans-Joachim Eckert, ein, dass die Bestechlichkeitsvorwürfe zumindest zu einem Teil zuträfen. Vor Gericht wiederholte er das Geständnis. Demnach hatte er sich von vier kleineren Sicherheitsfirmen schmieren lassen, die an Aufträge von Securitas kommen wollten.

Securitas stellt das Sicherheitspersonal für die Wiesn und den Flughafen

Securitas ist mit etwa 1400 Mitarbeitern in München vertreten und stellt Sicherheitspersonal für die Wiesn, den Flughafen, die Bahn oder auch für die Justiz. Im Jahr 2013 beauftragte die Firma 40 Subunternehmer - dafür wurden rund 9,6 Millionen Euro gezahlt. Bei einem Teil der Auftragsvergaben kam es zu Unregelmäßigkeiten. Als es zum Beispiel um den Bewachungsauftrag für das Amtsgericht in Dachau ging, soll laut Anklage ebenfalls Schmiergeld an Siegfried S. geflossen sein.

Er war im Raum München in der dritten Hierarchiestufe als Supervisor bei Securitas beschäftigt. Im Nebenberuf betrieb er eine Autovermietung, die aber nur Schulden anhäufte: 200 000 Euro waren es nach Angaben des Angeklagten zuletzt. Und die Schulden waren auch sein Motiv, bei Auftragsvergaben im Zeitraum von August 2008 bis Juni 2014 die Hand aufzuhalten. Wie die Staatsanwaltschaft ihm weiter vorhielt, soll er anstatt Geld auch Autos von den Subunternehmern für sich gefordert haben. In einem Fall habe er einen Lamborghini verlangt - die monatlichen Leasingraten in Höhe von 2700 Euro zahlte dann eine kleine Sicherheitsfirma im Gegenzug für einen neuen Auftrag. Es war nicht das einzige Luxusauto, das sich S. vor die Tür stellen ließ. Kurz vor seiner Festnahme soll er noch mit einem Bentley unterwegs gewesen sein. Um an Geld zu kommen, plünderte er auch die Kasse der "Unterstützungseinrichtung der ehemaligen Münchner Wach- und Schließgesellschaft". Er war zweiter Vorsitzender des Vereins und hatte Kontovollmacht. 2400 Euro hat er dem Verein wieder zurückgezahlt.

Die Staatsanwaltschaft war davon ausgegangen, dass sich S. mit sogar mehr als 800 000 Euro hatte schmieren lassen. Nachdem er ein Teilgeständnis ablegte, ließ das Gericht die übrigen Vorwürfe fallen und sicherte ihm in einem Deal eine Haftstrafe zwischen dreieinhalb und vier Jahren zu. Am 3. Juni soll das Urteil fallen. Gegen die Subunternehmer, die S. bestochen haben, laufen die Verfahren noch.