Von Monika Maier-Albang

Eigentlich wollte Josef Fuß gerade Leberkäse essen gehen - da kam ihm ein Maskierter in die Quere.

Josef Fuß will am Mittwochmittag eigentlich so schnell wie möglich heimradeln, schließlich steht schon der Leberkäs auf dem Tisch. Doch als der Rentner gegen 11.30 Uhr an der Raiffeisenbank in der Aubinger Limesstraße vorbeikommt, muss er seine Pläne ändern: Aus der Bank läuft ein maskierter, bewaffneter Mann direkt an seinem Vorderrad vorbei. "Heid is doch ned Fasching, des kann bloß a Einbruch sein", denkt Fuß bei sich - und nimmt die Verfolgung auf.

Renter als Hilfssheriff Bild vergrößern

(© Foto: Polizei)

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Quer über die Straße geht es die Eisenbahnersiedlung hindurch. Der 67-Jährige auf dem Rad hinterher, ein Lastwagenfahrer, der die Szene ebenfalls beobachtet hat, schließt sich der Verfolgungsjagd an. Plötzlich sind die beiden Männer eingehüllt von einer roten Wolke. Ein Farbbeutel, den die Bank zur Markierung von Scheinen und Täter zwischen dem Geld platziert hatte, ist explodiert. Es habe, sagt Fuß, sofort "furchtbar gestunken."

"Als wär' hier der Krieg ausgebrochen"

Trotzdem fährt er weiter, bis der Maskierte plötzlich in einem Haus an der Limesstraße verschwindet. Der Lastwagenfahrer postiert sich an der Vordertür, Josef Fuß läuft zur Rückseite. "Damit der ned übers Fenster wieder raus kann." Passanten haben inzwischen die Polizei verständigt. Binnen kurzer Zeit kreist ein Hubschrauber über dem Haus, etwa 70 Polizisten und das "Sondereinsatzkommando Südbayern" (SEK) rücken an. "Des war, als wär' hier der Krieg ausgebrochen", sagt Fuß.

Der Rentner beschreibt der Polizei den Maskierten: blaue Mütze, blauer Anorak, schätzungsweise 1,80 Meter groß. Die Polizisten vom SEK durchkämmen das Haus, finden den Täter mitsamt den 8200 Euro Beute, nehmen den 30-jährigen Kroaten fest, der einen Schlüssel zum Haus besitzt, hier aber nicht wohnt.

Vielleicht war dieser Einbruch ja nicht sein erster, denkt Fuß. Und auch die Polizei prüft, ob der Mann einen weiteren Überfall in der Aubinger Filiale der Raiffeisenbank zu verantworten hat. Josef Fuß jedenfalls kennt die Bank gut, schließlich ist er selbst Kunde. "Auch wenn ich nur ein paar Euro draufhab", sagt er und erzählt lachend, dass seine Frau schon geschimpft habe, als sie von der Geschichte erfuhr. Dass er hinterher sei, ohne an eine mögliche Gefahr zu denken.

Polizeisprecher Peter Reichl aber erteilt Fuß die Absolution: "Taktisch geschickt" hätten sich die beiden Männer verhalten. Sie hätten den Täter immer mit acht, zehn Metern Abstand verfolgt, ihn nicht angesprochen, nicht versucht, ihn zu stellen. Dann die Sache mit der Wache vor und hinter dem Haus. "Besser kann man's nicht machen." Die Bank hat inzwischen angekündigt, dass sie sich den beiden hilfreichen Männern gegenüber erkenntlich zeigen wolle.

"Ein Kasten Bier wird wohl drin sein", scherzt Fuß. Aber dann möchte er gern wieder etwas Ruhe in sein Zuhause einkehren lassen. Nachdem die Polizei gegangen ist, die Fotografen weg sind und Fuß endlich Zeit zum Essen findet, ist es drei Uhr am Nachmittag. Seine Frau hat den Leberkäs warm gehalten.

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(SZ vom 14.6.2007)