Berufsverkehr aus dem Umland Parkplatznot macht Pendlern das Leben schwer

Die Parkanlage in Fröttmaning wird gerne von München-Besuchern und Pendlern genutzt, die aus dem Norden kommen - und von FC-Bayern-Fans. ¶

(Foto: Alessandra Schellnegger)

In und um München gibt es nur 14 000 Park-and-Ride-Stellplätze. Die sind oft besetzt, sodass viele Pendler mit dem Auto in die Innenstadt fahren. Was man dagegen unternehmen könnte.

Von Andreas Schubert

Bei täglich mehr als 380 000 Einpendlern ist es kein Wunder, dass die ohnehin schon stark belasteten Straßen der Stadt zur Rush Hour dicht sind. Helfen könnte ein gezieltes Parkraummanagement in den Außenbezirken. Um zu verhindern, dass noch mehr Pendler und Besucher mit ihren Autos direkt das Zentrum ansteuern, will die Münchner CSU nun prüfen lassen, ob die Zahl der Park-and-Ride-Parkplätze am Stadtrand und im Umland noch weiter ausgebaut werden kann. So solle der Autoverkehr in der Innenstadt reduziert werden.

Das Auto ist für Pendler in Bayern nach wie vor das wichtigste Fortbewegungsmittel. Fast 65 Prozent nutzen bayernweit den eigenen Wagen auf dem Weg zur Arbeit. Für München dürfte dieser Anteil zwar deutlich geringer ausfallen, eine aktuelle regionale Statistik gibt es nicht. Doch es sind immer noch zu viele, die täglich mit dem Auto die Innenstadt ansteuern. Richtig viel echte Park-and-Ride-Stellplätze gibt es ohnehin nicht.

Mit Gratis-Tickets würde Münchens Nahverkehr zusammenbrechen

Die Verkehrsunternehmen lehnen den Vorstoß aus Berlin vehement ab. Der Oberbürgermeister dagegen bietet München als Modellstadt an. Von Sven Loerzer mehr ...

Die P+R Park & Ride GmbH, eine städtische Gesellschaft, betreut derzeit in München und vor den Toren der Stadt rund 14 000 Pkw-Stellplätze auf insgesamt 38 Anlagen. Das führt dazu, dass ortskundige Pendler ihre Wagen lieber gleich auf öffentlichen Parkplätzen in der Stadt abstellen und sich die maximale Tagesgebühr von sechs Euro leisten.

Billiger ist es freilich, das Auto in einer Park-and-Ride-Anlage abzustellen und mit dem ÖPNV weiterzufahren. Wer eine MVV-Karte hat, zahlt zwischen 50 Cent und 1,50 Euro, mit Dauerkarten wird es noch einmal billiger. Und das Angebot wird angenommen, wie Stefan Reinhold, Prokurist bei der P+R, berichtet. So gut, dass viele Anlagen jeden Tag voll sind. Die ständig besetzte Tiefgarage in Fürstenried West, zum Beispiel, fasst 264 Autos. "Die könnten wir dreifach vermieten", sagt Reinhold. Doch eine Erweiterung ist hier schon mal aus Platzgründen gar nicht möglich.

Zu den ausgebuchten Top Fünf zählt auch das Parkdeck an der Aidenbachstraße mit 188 Plätzen. Dort besteht allerdings die Möglichkeit, auf 400 zu erweitern. Potenziell erweiterbar sind laut Reinhold auch die regelmäßig vollen Anlagen in Trudering (derzeit 214 Plätze) und in Karlsfeld (207 Plätze). Anstelle der Anlage in Neuperlach Süd, deren 295 Stellplätze bei weiten nicht reichen, soll ein Parkhaus mit 700 Stellplätzen errichtet werden.

Am wenigsten belegt sind die Anlagen in Freiham (84 Plätze), Aubing (53 Plätze), Riem (80) und Kieferngarten. Letztere bietet 235 Autos Platz und ist meist nur bei Fußballspielen des FC Bayern belegt. Doch die meisten Fußballfans parken lieber im Parkhaus in Fröttmaning, das es seit 1992 gibt. Deshalb soll das alte Parkhaus in Kieferngarten abgerissen werden, da es "nicht systemrelevant" ist, wie Reinhold es nennt. Die Fröttmaninger Anlage wird gerne von München-Besuchern und Pendlern genutzt, die aus dem Norden kommen.

Wenn gerade kein Fußballspiel ist, dann ist dort unter den 1259 Plätzen laut Reinhold eigentlich immer etwas frei. Eine große Anlage mit derzeit 1000 Plätzen steht auch fernab von München, in Petershausen im Landkreis Dachau. Dort parken laut Reinhold viele Pendler, die aus der Pfaffenhofener Gegend kommen und mit dem Regionalzug weiter nach München fahren. Wegen der großen Nachfrage soll auch diese Anlage deutlich erweitert werden.

Die einzelnen Anlagen sind im Internet unter parkundride.de abrufbar. Dort ist auch eine Prognose über die Belegung der Plätze unter der Woche sowie am Wochenende zu finden. Dass die Kapazitäten für Pendler oft nicht reichen, liegt zum Teil auch daran, dass die Park-and-Ride-Anlagen von vielen genutzt werden, die dort eigentlich gar nicht parken dürften, zum Beispiel Klinik-Besucher in Großhadern. Dabei kontrollieren Mitarbeiter der Parkhäuser die Autos durchaus und lassen sich zum Beispiel bei der Ausfahrt den MVV-Fahrschein zeigen. Wer keinen hat, verletzt ganz offiziell die Nutzungssatzung und muss, wenn er erwischt wird, eine Vertragsstrafe von 30 Euro zahlen. Vielen sei gar nicht bewusst, dass sie nur als MVV-Kunde in den P+R-Anlagen parken dürfen, sagt Reinhold.

Der P+R gehören nicht alle Anlagen selbst. In vielen übernimmt sie nur die Betreuung und erhebt die Parkgebühren. In Hallbergmoos zum Beispiel führt die P+R im Auftrag der Gemeinde Kontrollen durch. Die sollen verhindern, dass Flughafenpassagiere dort ihre Autos abstellen. Außer in Fröttmaning und in der Messestadt Ost gilt eine maximale Parkdauer von 2 4 Stunden. Wer sich nicht daran hält, zahlt 30 Euro Strafe für jeden zusätzlichen Tag. "Wir schauen uns aber alle Einzelfälle an", sagt Reinhold. Manchmal, etwa im Fall einer Panne, drücken die Mitarbeiter auch mal ein Auge zu.

Wie die Auto-Parkstationen sind auch die Bike-and-Ride-Anlagen im Stadtgebiet München zunehmend gefragt. Insgesamt rund 4300 Radl-Stellplätze in zehn Anlagen betreut die P+R, dazu gehören alle öffentlichen Fahrradparkplätze mit Doppelstocktechnik. Die Rad-Parkplätze befinden sich entweder in der Nähe einer Park-and-Ride-Anlage oder werden als eigenständige Einrichtung betrieben. Ihre Nutzung ist kostenlos. Und auch hier gibt es Missbrauch: Ein bis zweimal im Jahr müssen die Mitarbeiter die vielen Schrotträder, die dort einfach stehen gelassen werden, aus den Anlagen entfernen.

"Reine Retortenstädte funktionieren nicht"

Jahr für Jahr ziehen mehr Münchner ins Umland. Das verändert die Kommunen. Noch gäbe es eine Chance, Zuständen wie in London oder Paris entgegenzuwirken, sagt Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler. Von Birgit Kruse (Interview) und Benedict Witzenberger (Grafiken) mehr...