Bestatter in München Der Tod ist sein Leben

Welche Urne darf's denn sein? Alexander Schmid hat verschiedene Ausstellungsstücke im Regal.

(Foto: privat)

Alexander Schmid ist der jüngste Bestatter in München. Der 28-Jährige weiß, welche Särge beliebt sind und wie es ist, jeden Tag auf weinende, trauernde Menschen zu treffen.

Von Jennifer Lichnau

Der Tod ist sein Leben. Friedhöfe dienen ihm für schöne Spaziergänge. Ganz in Schwarz gekleidet, sitzt er auf einer roten Couch. Wenn jemand stirbt, verdient er damit seinen Lebensunterhalt. Alexander Schmid, 28, ist Bestatter, um genauer zu sein: der jüngste Bestatter Münchens. Seine Beine sind übereinander geschlagen, sein ist Blick konzentriert. "Eigentlich bin ich sehr geruchsempfindlich", sagt Alexander und bleibt ganz ernst dabei. Ein Bestattungsunternehmer mit einer empfindlichen Nase? Leichen riechen doch, oder? "Tun sie gar nicht", sagt Alexander. Bequem lehnt er sich zurück in die ledernen Polster.

"Verstorben - muss gleich weg!" - So empfinden das die meisten Menschen

Es geht um den Tod, es geht um Leichen. Darüber spricht keiner gerne. Im Gegenteil, das Thema Tod wird nur sehr behutsam und mit Fingerspitzen angefasst. So, als müsste man eine gerade erlegte, große, haarige Spinne ganz schnell entsorgen und versuchen, ihr dabei ja nicht zu nahezukommen. "Verstorben - muss gleich weg!" Alexander nickt und sagt: "So empfinden das tatsächlich die meisten Menschen."

"Freust du dich, wenn jemand stirbt?"

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Er selbst hat einen anderen Umgang mit dem Thema. "Versorgung", so nennt Alexander es. Dazu gehört das Ankleiden des Toten, ihn in den Sarg einzubetten, Augenklappen einlegen. Augenklappen? "Damit werden die eingefallenen Augäpfel der Leiche verdeckt, so dass die Leiche möglichst natürlich aussieht", erklärt Alexander. Sein Blick ist klar, seine braunen Augen strahlen Ruhe aus. Das ist sehr wichtig, für den Umgang mit Trauernden. "Auf keinen Fall ankommen, die Beratungsmappe auf den Tisch knallen und fragen, welcher Sarg darf es denn sein", sagt Schmid. Die Beine sind jetzt nicht mehr über Kreuz, sondern stehen beide fest auf dem Boden. Er selbst ist nach vorne gerutscht, auf die lederne Kante der Couch. "Also das geht gar nicht", sagt er mit Nachdruck, dann lacht er.

Bestatter? Der Beruf stirbt nicht aus

Wenn er lacht, kommt das ganz unvermittelt und klingt frech. Die Entscheidung, welchen Sarg man wählt, fällt den Angehörigen meist am schwersten. Allein die Vorstellung, dass ein geliebter Mensch in einem Sarg liegen muss, ist vielen unerträglich. "Wichtig ist, die Leute erst mal erzählen zu lassen. Sie befinden sich mitten im Trauerfall. Das ist eine Ausnahmesituation. Viele können da nicht klar denken. Man muss Geduld haben und eine große Portion an Einfühlungsvermögen mitbringen", sagt Alexander und legt seine Stirn in Falten.

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In Bayern gibt es 614 Bestattungsunternehmen, davon befinden sich 19 in München. Der Azubi-Jahrgang 2014 für Bestatter mit insgesamt 48 Berufsschülern hat sich, laut Handwerkskammer, zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen zusammen gesetzt. So erzählt es auch Alexander. Bestatter ist kein reiner Männerberuf, und es ist keinesfalls ein aussterbender Beruf. Die Zahl der Bestattungsunternehmen steigt deutschlandweit.