Interview: Martin Thurau

LMU-Präsident Huber will den Studenten in mehreren Punkten entgegenkommen. Dafür verlangt er die Räumung des Audimax.

SZ: Die bayerischen Besetzer haben bereits angekündigt, sie wollten auch über Weihnachten in den Hörsälen bleiben. Wie gefällt Ihnen diese Aussicht?

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LMU-Präsident Huber im besetzten Audimax der LMU. Den Forderungen der Studenten bringt er viel Verständnis entgegen. (© Foto: ddp)

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Huber: Das würde natürlich zu einer untragbaren Situation führen, weil wir das Audimax als Hörsaal dringend brauchen. Es fallen im Moment fast 20 wichtige Vorlesungen vor allem in den Wirtschaftswissenschaften aus. Wir haben sie bisher meist in andere Räume verlegen können, aber das ist mit praktischen Problemen verbunden, die für viele Studierende eine erhebliche Belastung darstellen. Das kann also kein Dauerzustand sein. Wir haben aber viel Verständnis für die Proteste, da sie reale Probleme an den Hochschulen ansprechen. Wir wollen darum jetzt mit einem konkreten Angebot auf die Studierenden zugehen. Im Gegenzug erwarten wir aber auch, dass sie das Audimax zeitnah wieder freigeben und die Besetzung beenden.

SZ: Unterdessen proben die Besetzer die Politik der Nadelstiche. Am Dienstag störten sie die Sitzung der Erweiterten Hochschulleitung. Können Sie mit solchen Aktionen leben?

Huber: Stören ist vielleicht zu viel gesagt. Die Studierenden waren kurz in der Sitzung, um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen. Das kann ich nachvollziehen, weil ja in vielen Punkten die Interessen der Studenten und der Hochschulen konform gehen. Und in allen Fakultäten besteht sehr viel Sympathie für die Anliegen der Studierenden.

SZ: Die Studenten rücken von ihren Forderungen nicht ab, der Wissenschaftsminister bleibt hart - wo ist da der Spielraum für eine Lösung des Konfliktes?

Huber: Das ist immer so bei Verhandlungen, man muss sich in der Mitte treffen. Wir werden den Studierenden in drei Punkten entgegenkommen: Eine Senatskommission wird die Studienbeiträge bewerten und vorschlagen, wie hoch sie künftig sein sollen. Zudem werden bis Januar für eine Sitzung der Erweiterten Hochschulleitung Vorschläge zur konkreten Verbesserung der Studienbedingungen erarbeitet, das betrifft insbesondere die neuen Bachelorstudiengänge.

SZ: Und eine bessere Ausstattung?

Huber: Ja, wir werden drittens in der Öffentlichkeit deutlich Position beziehen, wir fordern mehr Geld für die Universitäten vor allem in der Lehre. Und wir werden auch die Vorstöße für eine verfasste Studierendenschaft unterstützen. Schon in der gegenwärtigen Situation wäre sie hilfreich, weil wir dann einen klaren Ansprechpartner hätten.

SZ: Können die Studenten sich darauf einlassen? Kommen andernfalls Hausrecht und Polizei zum Zuge?

Huber: Ich gehe davon aus, dass wir in einem vernünftigen Dialog mit den Studierenden zu einer Lösung kommen werden. Für den heutigen Mittwoch haben wir die Studierendenvertretung in die Hochschulleitung eingeladen. Was ich aber auch sagen muss: Als Voraussetzung dafür, dass wir die Besetzung hinnehmen, habe ich immer genannt, dass es keine Gewalt und keine Zerstörung geben darf. Diese Bedingung ist in den vergangenen Tagen mehrmals verletzt worden. Es gibt erhebliche Sachschäden, es wurde ein Hörsaal aufgebrochen und bewusst Feueralarm ausgelöst, die Schmierereien nehmen zu. Solche Entwicklungen sehen wir mit großer Sorge. Wir fürchten, dass der Protest ausfranst und sich radikalisiert.

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