Berg am Laim Bangen um die Heimat

Die Sportanlagen des FC Phönix in Berg am Laim sind dringend sanierungsbedürftig. Doch ohne Hilfe der Stadt kommt der Verein nicht an die nötigen Kredite. Die Funktionäre hegen den Verdacht, dass sie hingehalten werden

Von Renate Winkler-Schlang, Berg am Laim

Der FC Phönix gilt vielen als ein Stück Heimat, da sind sich der zweite Vorsitzende Michael Adler, Jugendleiter Michael Kaltner und der Baubeauftragte Hanno Schombacher einig mit Ella Prankl, der Wirtin des Vereinsheims an der Langkofelstraße. Und er soll für die rund 600 Mitglieder, 300 davon Kinder und Jugendliche, auch langfristig eine Heimat bleiben. Die Verantwortlichen wollen alles dafür tun, dass sich keiner mehr schämen muss für den Zustand von Rasen und Tennenplatz, die Enge in den Umkleiden.

Dafür braucht der Verein, der neben den Kickern noch eine Gymnastikabteilung hat, aber Hilfe und vor allem ein klares Bekenntnis von der Stadt, deren Mieter er ist. Doch diese hält den FC Phönix seit zwei Jahren hin. Offenbar will sie warten, bis sie weiß, was aus dem Projekt Griechische Schule wird. Die Bauruine grenzt direkt an den Sportplatz.

Als SC Berg am Laim wurde der Verein 1920 gegründet, hatte sein Domizil an der Baumkirchner Straße, nach dem Krieg kam die Umbenennung in "Phönix", nach dem mythischen Vogel, der aus seiner Asche neu entsteht. Gekickt wurde an der Josephsburgstraße; doch dort musste der Verein in den Neunzigerjahren Neubauten weichen, kämpfte mit seinem damaligen Vorsitzenden, dem früheren CSU-Stadtrat Hans Wolfswinkler, um seine Existenz. Die Stadt vermietete dem Verein 1996 die Fläche am Michaelianger, man baute sich mit viel Eigenleistung ein Vereinsheim. Mittlerweile ist alles deutlich in die Jahre gekommen. Es gibt so wenige Umkleiden, dass die Mannschaften ihre Sachen nach dem Umziehen zwischenlagern müssen. Noch schlimmer ist die Situation bei den Außenanlagen: Der Rasen ist zu stark beansprucht, der Tennenplatz entspricht längst nicht mehr heutigen Standards.

Woche für Woche, so erzählen es Adler, Kaltner und Schombacher, seien Anfeindungen von Gästen zu hören, die Verletzungsgefahr beklagen. Spielgruppenleiter des Fußballverbandes schauten sie schief an, wenn sie ein Spiel absagen, weil mal wieder ihr malträtierter Rasen unter Wasser steht. Für gute Spieler sei das nicht anziehend. Doch die Mannschaft in der Bezirksliga könne man nicht nur aus eigenem Nachwuchs zusammenstellen. Andererseits müsse man bereits Kinder abweisen oder ganze Jugendmannschaften hinauskomplimentieren, weil man sie einfach nicht mehr unterbringt. "Und das, obwohl an engagierten Trainern kein Mangel herrschen würde", sagt Kaltner.

Bleiben weiter am Ball: Baubeauftragter Hanno Schombacher, zweiter Vorsitzender Michael Adler und Jugendleiter Michael Kaltner (von links) bemühen sich schon lange darum, dass die Anlage des FC Phönix auf einen modernen Stand gebracht wird. Bisher vergeblich. Sie vermissen den Rückhalt der Stadt.

(Foto: Robert Haas)

Dringend wollen sie aus dem alten Tennenplatz einen Kunstrasenplatz machen, was allein eine Investition von 500 000 Euro erfordere. Hinzu kommen andere Wünsche wie ein besserer Traktor für die Rasenpflege. "Den alten halten wir nur noch mit Pflastern und Gummis zusammen." Viele Rücklagen hat der Verein nicht; der Vorstand ist froh, dass die früheren Schulden getilgt sind, will seinen Mitgliedern aus den umliegenden Sozialwohnungsblocks keinesfalls höhere Beiträge abverlangen. Einen Bankkredit aber bekäme der Verein nur mit der Sicherheit eines Erbpachtvertrags im Rücken, nicht mit dem Mietvertrag, der nur noch fünf Jahre, bis 2023, läuft. "Schon die Vorstandschaft vor uns bemühte sich um einen Erbpachtvertrag", erzählt Michael Adler - und deutet auf einen Stapel mit Korrespondenz-Papieren.

Die Stadt habe ihnen mehrfach erklärt, der Verein müsse ein konkretes Vorhaben als Voraussetzung für Verhandlungen für einen Erbpachtvertrag vorweisen, erzählen die Aktiven. Doch wie, wenn die Bank ohne Vertrag keine Zusage machen mag? "Da beißt sich die Katze in den Schwanz", sagt Adler entnervt. Sinngemäß sagte er das auch bei der Bürgersprechstunde von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), beklagte die mangelnde Transparenz der Zuständigkeiten innerhalb der Stadtverwaltung. Das immerhin führte zu einem runden Tisch. Doch obwohl sich auch der Bezirksausschuss-Vorsitzende Robert Kulzer und Stadträtin Verena Dietl (beide SPD) für den Verein einsetzten, fand sich keine Lösung. Es wurden immer neue Dokumente und Zahlen angefordert, die zu prüfen sich die Stadt ewig Zeit lasse, wie die Vereinsvertreter berichten. Ein neuerliches Treffen hätten deren Vertreter "verschusselt".

Die Phönix-Funktionäre haben nun den Verdacht, dass sie hingehalten werden, bis klar ist, was aus der Griechischen Schule nebenan wird. Dieses Vorhaben hatte für den FC Phönix zunächst wie eine große Chance ausgesehen; man hätte die griechischen Kinder vormittags auf den Platz gelassen, dafür eine Gebühr und abendliche Kapazitäten in deren Turnhalle bekommen. Doch der Bau wurde eingestellt. Jetzt verhandelt die Stadt wieder mit den Griechen. Was auch immer dort für eine Schule entsteht - sie wird Freiflächen brauchen.

Bauruine in der Nachbarschaft: Das brachliegende Projekt Griechische Schule sieht die Vereinsführung als einen Hauptgrund dafür, dass sich nichts bewegt.

(Foto: Robert Haas)

Das gilt auch für die geplante Grundschule an der St.-Veit-Straße. Der FC Phönix sei natürlich kooperationsbereit - wenn man nur endlich wüsste, wie es überhaupt weitergehen soll, sagt Baubeauftragter Schombacher, der auch für die SPD im Bezirksausschuss sitzt. Vorstand Adler hofft immer noch auf einen Erbpachtvertrag. Er könne sich aber auch eine Campus-Lösung mit den Schulen und dem Verein vorstellen. Würde der Phönix-Platz offiziell Schulfreifläche, könnte die Stadt ihn als vorgezogenen Bau herrichten, hofft Adler - allein, es fehlt die Antwort der Stadt.

"Aber wir brauchen eine Heimat", sagt Kaltner, dessen Großvater, der frühere BA-Vorsitzende Hermann Weinhauser (SPD), auch schon dem Verein angehört hat. Sie verstehen nicht, warum die Stadt "sie so hängen lässt", wo der Verein doch weniger Kosten verursacht als andere, die auf einer städtischen Bezirkssportanlage untergekommen sind. "Wir sind dagegen ein Schnäppchen." Für die Umwandlung in eine solche Bezirkssportanlage sei ihr Platz aber offenbar zu klein, das immerhin habe die Stadt ihnen klipp und klar gesagt.

Christina Warta, Sprecherin des Referats für Bildung und Sport, weist darauf hin, dass der FC Phönix das städtische Gelände "zu sehr günstigen Konditionen nutze, einem Cent pro Quadratmeter und Jahr. Der Mietvertrag sei der ausdrückliche Wunsch des Vereins gewesen, um das Gelände exklusiv nutzen zu können: "Würde der Verein eine Bezirkssportanlage nutzen, wäre er nicht alleine auf der Anlage", sagt Warta. Derzeit fänden Gespräche über die künftige Entwicklung des Grundstücks an der Hachinger-Bach-Straße statt. "Solange hierzu keine Entscheidung vorliegt, kann kein längerfristiger Vertrag mit dem FC Phönix geschlossen werden."

Ella Prankl, die Vereinswirtin, spielt nun Lotto: Würde sie gewinnen, versichert sie, würde sie den FC Phönix sponsern.