Beleuchtung Sixtinische Kapelle Es werde Licht

Wirklich hell erstrahlt die Sixtinische Kapelle im Vatikan nur bei Fototerminen - denn Tageslicht wird ausgesperrt. Üblicherweise empfängt die Besucher dort ein eher düsterer Raum. Das soll sich nun ändern.

Bislang präsentierte sich die Sixtinische Kapelle dem Besucher als ein eher düsterer Raum. Das soll sich ändern. Osram installiert in der Sixtinischen Kapelle eine völlig neuartige LED-Beleuchtung - Vorbild ist das Lenbachhaus.

Von Katja Riedel

Der Papst soll der Erste sein. Der Erste, dem sich eines der größten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte wieder in einem Licht zeigt, wie es einst der Künstler selbst sah: Michelangelo, der sein Werk vor mehr als 500 Jahren an den Auftraggeber, Papst Julius II., übergeben hat. Damals fielen durch die Fenster der Sixtinischen Kapelle noch natürliche Lichtstrahlen, heute sind diese weitgehend abgeschottet - die Fresken sollen vor dem gefährlichen natürlichen Licht geschützt werden. Und das Jüngste Gericht im Gewölbe der Kapelle zeigt sich Besuchern, Konzertbesuchern und selbst den höchsten kirchlichen Würdenträgern im Konklave während einer Papstwahl in sehr sparsamer, 35 Jahre alter Beleuchtung.

Doch dass im menschlichen Auge bei Dämmerlicht die leuchtenden Pigmente ein wenig verblassen, soll ein Ende haben. Am 18. Februar, zum 450. Todestag Michelangelos, wird eine gänzlich neue Beleuchtungstechnik die Sixtinische Kapelle in ein anderes Licht setzen. Die Münchner Firma Osram hat ein Projekt angestoßen, mit vier Partnern aus ganz Europa umgesetzt und mitfinanziert, das echten Lichteinfall durch die Fenster simulieren soll: mit 60 Leuchten, die aus etwa 7000 LEDs bestehen.

"Wir wollten etwas machen, das wirklich anspruchsvoll ist", sagt Martin Reuter, einer der beiden technischen Projektverantwortlichen bei Osram und einer derjenigen, die die Idee entwickelt und damit 2011 einen Wettbewerb der EU namens LED4Art gewonnen hatten. Mit diesem Wettbewerb wollte die Europäische Union die Marktfähigkeit von LED-Technik unter Beweis stellen. Reuter und sein Team suchten nach einem Objekt, bei dem Farbe, Energieeffizienz und Langlebigkeit eine Rolle spielen und das zugleich einen hohen symbolischen Charakter aufweist. "Wir wollten zudem einen Raum haben, bei dem eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Ist-Zustand möglich ist", sagt Reuter.

Dass dies in der Sixtinischen Kapelle der Fall ist, weiß jeder, der sich schon einmal mit den Besuchermassen durch die Gänge der Vatikanischen Museen in die düstere Kapelle gedrückt hat: Dort sieht er dann weit weniger leuchtende Farben, als er sich erhofft hatte. Zudem blenden die bisherigen Lampen die Besucher, die an die Decke blicken. Damit soll nun Schluss sein. Die neuen Leuchten werden verborgen und strahlen über Umwege, wie Himmels- oder Atelierlicht, und zehnmal stärker als bisher. "Mit der erhöhten Helligkeit sind dann auch die Farben exzellent zu erkennen", sagt Projektleiter Reuter. Auch im Vatikan habe man sich daher sofort sehr offen gezeigt für das Projekt. Zu dessen Kosten will Osram nichts sagen, auf einer Projektseite der EU ist von Gesamtausgaben in Höhe von 1,9 Millionen Euro zu lesen, die EU steuert davon 870 000 Euro bei.

Für den Direktor der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci, ist es ein herausragendes Vorhaben, der Respekt vor dem Kunstwerk stehe im Vordergrund, sagt er. "Das Licht soll zurückhaltend bleiben und gleichmäßig, nicht zu stark, nicht zu schwach, und keinen Teil außer Acht lassen an diesem heiligen Ort." Technisch wäre es ein Leichtes, durch die LEDs einzelne Bereiche der Gesamtkomposition, etwa das berühmte Jüngste Gericht, hervorzuheben. Da das Licht aus den verschiedenen Farben der LEDs zusammengemischt wird, ließe sich theoretisch jede einzelne Leuchte in einer anderen Farbtemperatur regeln und die Lichtstärke dimmen. Der Vatikan entschied sich aber dagegen, derartige Akzente zu setzen. Für Paolucci gab die Lichtsituation zu Zeiten Michelangelos den Ausschlag. Damals wurde die Kapelle abends mit Kerzen und Fackeln beleuchtet - "sanft, zitternd, unsicher", sagt der Museumsdirektor. "Das LED-Licht soll das Kerzenlicht nicht imitieren, das wäre lächerlich. Aber es darf trotz seiner technischen Raffinesse nicht in einen Wettbewerb mit Michelangelo treten."

Das Beleuchtungskonzept für die Sixtinische Kapelle ist nun eine Weiterentwicklung des Lichtdesigns, das seit Kurzem im neu eröffneten Lenbachhaus in München installiert ist. Dort gibt es unterschiedliche Beleuchtungen, je nach Epoche, erklärt Martin Reuter von Osram. Dies liegt an der sogenannten Lichttemperatur, die in der Einheit Kelvin angegeben wird. 3000 Kelvin entsprechen einer Halogenlampe, 4000 Kelvin einer leicht bläulichen Bürobeleuchtung, 6000 Kelvin erzeugen ein sehr kühles Licht. Im Lenbachhaus habe die Stadt München ein Spektrum zwischen 3000 und 6000 Kelvin installiert, um unterschiedliche Künstler jeweils ideal zu beleuchten - zum Beispiel moderne Künstler kühler. In der Kapelle ist dieses Spektrum kleiner, es reicht von 5000 bis 6000 Kelvin.

In der Kapelle sparen die Vatikanischen Museen künftig mindestens 60 Prozent Energie ein; bei einer Galabeleuchtung, die für Messen und Konzerte notwendig ist, sollen es laut Osram sogar 90 Prozent sein. Hinzu kommt, dass die Klimaanlage künftig weniger arbeiten muss, weil sich der Raum durch die LEDs weniger aufheizt. "Für den gesamten musealen und klerikalen Bereich dürfte unser neues Beleuchtungssystem insgesamt von höchstem Interesse sein", gibt sich Reuter zuversichtlich. Man hoffe auf Anschlussaufträge, auch aus dem Vatikan, wo die ehemalige Osram-Mutter Siemens ein komplettes Steuerungssystem für Haustechnik installiert hat. Museumsdirektor Paolucci kündigt bereits an, dass als nächste die Werke Raffaels mit LED beleuchtet werden sollen. "Ziel muss sein, die gesamten Vatikanischen Museen umzurüsten", sagt er.