Pizzeria Maxvorstadt "Bei Mario" Groß, größer, Mario

Ob es in der Pizzeria "Bei Mario" in der Maxvorstadt die besten Pizzen der Stadt gibt, ist umstritten. Die größten sind es allemal.

Von Lisa Sonnabend

Es hat nur für einen Urlaub an der Adria gereicht. Die Pizzeria "Bei Mario" in der Adalbertstraße will, dass sich die Gäste wie in den Ferien in Italien fühlen. Doch ein Ambiente wie in der hügeligen Toskana oder in den einsamen Marken kommt in dem Lokal mit dunkler Holzvertäfelung und kitschigen Venedig-Bildern nicht auf.

Pizza Mario, Maxvorstadt

Der Besitzer Mario Gargiulo, heute 74 Jahre alt, brachte 1959 als erster die Pizza nach München.

(Foto: Foto: sonn)

Die Einrichtung bei Mario wirkt ein wenig beliebig - wie in einem der aneinandergereiten Touristenlokale in Rimini oder Jesolo an der Adria. Der Raum ist quadratisch, der neapoletanische Holzofen ist schon in die Jahre gekommen und die weiße Tischdecke hat kleine Flecken. Und auch die Kellner geben sich wie an der Adria ein wenig antriebslos, wenn sie die Bestellung der Gäste aufnehmen. Doch das ist nur der erste Anschein, das Essen bei Mario schmeckt nämlich wirklich wie in Italien - zumindest manche Gerichte.

Der Besitzer Mario Gargiulo, heute 74 Jahre alt, brachte 1959 als erster die Pizza nach München, von Sorrento am Golf von Neapel verschlug es ihn nach München. 1966 gründete er das Lokal in der Adalbertstraße. "Bei Mario" gilt heute als die älteste Pizzeria Münchens.

Die Pizza bestimmt die Speisekarte. 26 Sorten stehen zur Auswahl - von Margherita über Funghi bis Quattro Stagioni. Viele meinen, Mario backe die beste und größte Pizza der Stadt. Das mit der Größe ist unbestritten. Die Kartons, in denen man die Pizza zum Mitnehmen in die Hand gedrückt bekommt, sind größer als bei gewöhnlichen Heimservices. Und wenn die Kellner die Teller zurück in die Küche tragen, ist meist kaum die Hälfte des Teigfladens aufgegessen.

Doch beim Geschmack scheiden sich die Geister. Während die einen den Teig bei Mario loben, ist er uns zu dick. Und auch der reichliche Belag macht uns eher zu schaffen, als dass er uns erfreut. Die Pizza ist mit so viel Käse belegt, dass beim Anheben der Teig die Last nicht tragen kann und der Belag auf den Teller rutscht.

Beim folgenden Besuch hielten wir uns mit den Augen in der Pizza freien Zone der Speisekarte auf. Aus der reichlichen Auswahl, die von Risotto über Pasta bis zu zahlreichen Fleisch- und Fischgerichten reicht, entschieden wir uns für Saltimboca (16,50 Euro) und Seezunge (20,90 Euro). Dazu jeweils ein Viertel-Liter Chardonnay und Pinot Grigio (je 4,10 Euro). Den Chardonnay können wir nicht ans Herz legen, den Pinot Grigio dagegen empfehlen.

Während wir der Seezunge entgegenfieberten, konnte der Kellner unsere Freude nicht erwidern: Ein wenig mürrisch schleppte er einen Beistelltisch heran, kurze Zeit später erschien er mit dem Fisch. Mit ausholenden Bewegungen tranchierte er das üppige Tier vor unseren Augen - durchaus geschickt, aber mit wenig Enthusiasmus. Nur neun Gräten erwischte er nicht, zählten wir nach dem Aufessen. Die Seezunge schmeckte vorzüglich: Mit den Adjektiven frisch, intensiv und reichlich lässt sie sich treffend beschreiben. Garniert war sie mit einer Zitronensoße, die gut zum Fisch passte, ohne sich in den Vordergrund zu drängeln.

Als Beilage, die in dem Restaurant täglich variiert, gab es bei unserem Besuch Kartoffeln und Gemüse. Es hätte von beidem ruhig ein wenig mehr sein können und gesünder, sprich weniger fetttriefend. Aber geschmeckt hat es.

Auch das Saltimbocca wurde von der Tagesbeilage begleitet. Das Kalbsfleisch war zart und sein Geschmack vermischte sich angenehm mit dem von Salbei und Parmaschinken. Nur eine Idee zu salzig war der Schinken. Mehr als eine Nuance daneben, allerdings die Soße. Wir sind geneigt, dem Wirt zu unterstellen, es habe sich um eine Fertigsoße gehandelt. Zumindest schmeckte sie nach Einheitsbrei, wir zogen vor, sie abzukratzen. Schade.

Die Desserts ließen zum Abschluss die schlechte Soße, die grimmigen Kellner und das Touristenhochburg-Ambiente vergessen. Die Creme Caramel (4,50 Euro) schmeckte nach Zimt, was uns positiv überraschte, und die Panna Cotta (4,50 Euro) wabberte, was das Zeug hielt, wenn man sie mit dem Löffel anstupste, und sie schmeckte, als hätte der Koch sie für seine Angebetete zubereitet und sich besonders viel Mühe gegeben. Italien, wir kommen!

Pizzeria Bei Mario, Adalbertstr. 15, 80799 München, Telefon: 089 - 28 00 460, geöffnet täglich von 11:30 bis 0:30 Uhr, www.ristorante-bei-mario.de.