Beerdigung von Ellis Kaut Mit Schalk und Schmerz

Der Pumuckl-Verein nahm mit Blumen und einer Karte Abschied von Ellis Kaut.

(Foto: Robert Haas)

Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut wird in kleinem Kreis auf dem Friedhof in Obermenzing beerdigt. Die berührende Zeremonie hat einige koboldige Momente.

Von Philipp Crone

Die Tochter von Ellis Kaut sieht sich um, als suche sie etwas. Ursula Bagnall steht am Mittwochvormittag vor der Aussegnungshalle auf dem Friedhof Obermenzing und schaut in die Baumwipfel. "Meine Mutter und ich haben uns zuletzt auch über den Tod unterhalten und gelacht", erzählt sie, "und sie sagte: Bei meiner Beerdigung setze ich mich auf einen Birkenast, baumele mit den Beinen, dass die Blätter wackeln und sehe euch zu." Unsichtbar, wie der freche Kobold Pumuckl, den Ellis Kaut 1962 erfunden hat. "Aber ich habe niemanden engagiert, der den Leuten in die Wade kneift." Das muss Bagnall auch nicht, der Pumuckl ist ohnehin fast greifbar anwesend an diesem Tag.

Bagnall lächelt und schaut noch ein wenig in die Bäume, dann begrüßt sie mit ihrem Mann einige Trauergäste der vor zwei Wochen im Alter von 94 Jahren gestorbenen Schriftstellerin. Barbara von Johnson, die Pumuckl-Zeichnerin, nimmt Bagnall lange in den Arm. Kaut und Johnson hatten einmal einen Streit über die Kobold-Figur, "aber vor drei Jahren haben wir den beigelegt", sagt Johnson. "Wir waren eigentlich zwei Freundinnen, die sich mal gekabbelt haben." Christiane Raabe, Leiterin der Bibliothek Blutenburg mit einer eigenen Pumuckl-Abteilung, sagt: "Es ist so schön, dass sich die beiden am Ende wieder vertragen haben."

Vor zwei Wochen ist Ellis Kaut mit 94 Jahren gestorben.

(Foto: Robert Haas)

Hat da Pumuckl für einen Zahlendreher in der Kontonummer gesorgt?

Johnson erzählt, wie viel Hochachtung sie vor Kaut habe, "sie war immer so natürlich". Eine Künstlerin, die von der Muse geküsst worden sei und geantwortet habe. Die Figur, die dabei entstanden ist, der frechfröhliche Kobold, "ist immer da, auch jetzt". Brigitte März, enge Freundin Kauts und ehemalige BR-Moderatorin, erklärt zu Beginn der Trauerfeier, dass der Pumuckl sich einen Streich erlaubt hätte und die Zahlen der Spendenkontonummer, die in der Traueranzeige angegeben war, verdreht hat. Kleine Zettel mit der richtigen Nummer liegen neben dem Kondolenzbuch. Auch Bagnall muss lächeln, als März von dieser kleinen Panne erzählt.

Dann spricht die Moderatorin am Sarg von Kauts bewegtem Leben. Obwohl sie in Stuttgart geboren wurde, sei sie eine echte Münchnerin gewesen. Kaut war 1938 im Alter von 18 Jahren Münchner Kindl und hat den Einzug der Wiesnwirte auf das Oktoberfest angeführt. Bevor sie den Pumuckl erschuf, lernte sie ihren Mann kennen, 1945 kam Tochter Ursula zur Welt. Und bei einem ihrer Winterspaziergänge hat Kaut dann ihrem Lebensgefährten ein paar Mal die schneebedeckten Äste über dem Kopf geschüttelt, bis er sagte: "Ein Pumuckl bist du!" Die Idee war geboren. Es folgten Hörspiele, Fernsehserien, Filme, der Kobold wurde weltbekannt und mit ihm seine Schöpferin, für die es "kein Stillhalten gab", sagt März. Erfinderin und Figur waren sich eben sehr ähnlich, da sind sich die Trauergäste einig.

Ellis Kauts Tochter Ursula Bagnall (Mitte) nimmt am Grab Abschied. Hinter ihr steht Zeichnerin Barbara von Johnson.

(Foto: Robert Haas)

Zum Schluss wird "Ich tanze mit dir in den Himmel" gespielt

Am Ende wird noch ein Walzer eingespielt, zu dem Kaut mit ihrem Mann tanzte, an dem Abend, als sie sich kennenlernten. "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein" ist der Titel, und während die Musik klingt, kann man sich den Pumuckl vorstellen, wie er mit im Raum ist und halb traurig, halb hingerissen mitschunkelt und singt, so schrill und schräg, wie er immer gesungen hat. Mit Schalk und Schmerz.

Am Grab, das mit Blumen und bunten Tüchern geschmückt ist, verabschiedet sich auch Christa Maria Gräfin von Hardenberg, die Witwe von Hans Clarin, der dem Pumuckl seine Stimme gegeben hat. Sie erinnert sich an "eine sehr fröhliche und selbstbewusste Person", die oft bei ihnen zu Besuch gewesen sei. Tita Korytowski, deren Mann die Fernsehfilme produziert hat, spricht von einer "ganz starken Persönlichkeit, nicht immer leicht, aber wenn man den richtigen Ton angeschlagen hat, war es wunderbar mit ihr". März dankt am Grab dem Pumuckl, "der genau in diesem Moment den Regen abgestellt habe".

Auch der Wind hat aufgehört zu wehen. Ahornbäume und Tannen stehen bewegungslos. Und eine Birke, ein paar Meter abseits des Grabes. Ihre Blätter, oben am Wipfel an den ganz dünnen Zweigen, die bewegen sich.

Der Pumuckl bleibt da!

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