Bauprojekt Konzerthaus-Wettbewerb: Bauamt lehnt Braunfels erneut ab

Gegen die erneute Ablehnung will sich Stephan Braunfels wehren.

(Foto: Catherina Hess)
  • Das Staatliche Bauamt will den Architekten Stephan Braunfels auch nach einer erneuten Bewertung seiner Bewerbung nicht für den Wettbewerb für das neue Konzerthaus zulassen.
  • Der Architekt wirft der Behörde vor, sie lasse ihn als eine Art Racheakt nicht an dem Wettbewerb teilnehmen.
  • Er streitet mit dem Freistaat noch um Honorare für den Bau der Pinakothek der Moderne.
Von Christian Krügel

Der Streit zwischen dem Staatlichen Bauamt und Architekt Stephan Braunfels um den Wettbewerb für das neue Konzerthaus geht in die nächste Runde. Denn die Baubehörde will Braunfels auch nach einer neuerlichen Bewertung dessen Bewerbungsunterlagen nicht an dem Großprojekt teilnehmen lassen.

Der Architekt hat daraufhin postwendend erneut juristische Schritte gegen die Entscheidung eingeleitet. Damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass - wie ursprünglich geplant - schon am 18. Mai eine Jury über die Gestaltung des neuen Konzerthauses entscheidet. "Voraussichtlich wird die Sitzung des Preisgerichts zu einem späteren Termin stattfinden", teilte das Bauamt am Mittwoch mit.

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Der 66-jährige Architekt streitet mit dem Bauamt bereits seit Ende des vergangenen Jahres um seine Zulassung zu dem Wettbewerb. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte für das Konzerthaus herausragende Architektur mit herausragender Akustik und zudem einen raschen Planungs- und Baufortschritt gefordert. Deshalb waren im Herbst sechs international bekannte Architekturbüros direkt eingeladen worden, weitere 206 bewarben sich.

Aus diesen wählte das Bauamt 29 aus - nicht aber Stephan Braunfels. Der Architekt hatte sich vor allem durch den Bau der Pinakothek der Moderne und der Parlamentsgebäude in Berlin einen großen Namen gemacht. Dass er nicht zum Zuge kam, habe zwei Gründe, argumentiert Braunfels. Zum einen sei der Kriterienkatalog zur Auswahl der Architektenbüros extrem fragwürdig und manipulativ gewesen, bei ihm seien auch die falschen Referenzprojekte herangezogen worden, eben die Berliner Parlamentsbauten, nicht die Pinakothek.

Zum anderen handle es sich um eine Art Racheakt der Baubehörde, weil er mit dem Freistaat noch um Honorare für den Museumsbau streite. Die zuständige Vergabekammer der Regierung von Oberbayern hatte ihm Ende Januar in weiten Teilen Recht gegeben und eine Neubewertung seiner Bewerbung verlangt.

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Die hat das Staatliche Bauamt nun vorgenommen. Ergebnis: "Der Bewerber wurde nicht nachträglich zugelassen", teilt die Behörde kurz und knapp mit. Stephan Braunfels akzeptiert das nicht und hat erneut die Vergabekammer angerufen. Das Bauamt habe diesmal zwar auch die Pinakothek in seine Bewertung miteinbezogen, ihm aber erneut die nötige Höchstpunktzahl verweigert - wegen fehlender Originalität und Innovation bei seinen Parlamentsbauten. Das sei ein absurder und konstruierter Vorwurf, so Braunfels. Er denke daher nicht daran, klein beizugeben. Eine Entscheidung der Vergabekammer sei vor Ostern nicht zu erwarten.

Damit dürfte Seehofers ehrgeiziger Zeitplan endgültig obsolet sein. Für die teilnehmenden Architekten soll das kein Nachteil sein. Laut Bauamt wurden alle Entwürfe ohne Absenderangaben auf dem Umschlag eingesandt, die Päckchen blieben bislang ungeöffnet. Das Interesse am Projekt scheint ungebrochen zu sein: "Die Anzahl der eingegangen Sendungen lässt darauf schließen, dass sich alle eingeladenen Teilnehmer am Wettbewerb beteiligen", heißt es im Bauamt.