Bauprojekt Das Warten dauert länger

Vor vier Jahren war hier der erste Spatenstich: In der Waldorfschule in Forstenried lernen längst schon Kinder, doch der Bau der Turnhalle wird sich verzögern.

(Foto: Florian Peljak)

Die Freie Waldorfschule München-Südwest braucht eine neue Turnhalle und einen Theatersaal. Weil aber die Wirtschaft boomt, finden sich kaum Firmen für den Auftrag, der Bau verzögert sich

Von Jürgen Wolfram, Forstenried

Der Ausbau der Freien Waldorfschule München-Südwest wird sich um mehrere Monate verzögern. Darauf hat jetzt Vorstandsmitglied Gernot Rücker Mitglieder, Freunde und Förderer in einem Rundbrief hingewiesen. Der Grund für die Verzögerung liegt bei der Auftragsvergabe. "Wir sind derzeit Opfer der extremen Baukonjunktur", schildert Rücker den Hintergrund der Misere. Es sei schwierig, genügend gute und vor allem auch wirtschaftliche Angebote zu erhalten. "Aber wir werden bauen", versichert er zugleich. Die Waldorfschule hat viel vor an ihrem Standort an der Züricher Straße/Ecke Drygalskiallee: Zunächst sollen dort zur Ergänzung bestehender Einrichtungen eine Turnhalle sowie ein Verwaltungstrakt errichtet werden, später zudem ein Mittel- und Oberstufen-Schulgebäude und ein Theatersaal. Die Gesamtkosten für diese Ergänzungen sind auf 17,9 Millionen Euro veranschlagt. Zeithorizont bis zur Fertigstellung: fünf Jahre.

"Für den ersten Bauabschnitt haben wir die Baugenehmigung, Finanzierung und Förderzusage durch die Regierung von Oberbayern bereits erhalten", berichtet Rücker. Vom Theatersaal abgesehen stehe auch die Finanzierung des zweiten Bauabschnitts. An der Eingabeplanung werde "mit Hochdruck" gearbeitet. Die "dringend benötigten" neuen Räume sollen in anspruchsvoller Ausführung errichtet werden und sich dem bestehenden Ambiente anpassen.

Die Waldorf-Gemeinschaft betreibt am Standort Forstenried bereits eine Schule mit acht Klassen, ein Kinderhaus sowie in Kooperation mit der Genossenschaft für selbstverwaltetes, soziales und nachhaltiges Wohnen (Wogeno) eine Mehrgenerationen-Wohnanlage. An den Erweiterungsplänen hat die gesamte Schulgemeinschaft mitgewirkt. So seien in Workshops mit dem Kollegium "der Feinschliff der Raumgestaltung" erarbeitet und gemeinsam mit den Schülern ein innovatives Konzept für Lernlandschaften innerhalb der Gebäude entworfen worden. "Die Entwicklung dieser Ideen war ein spannender Prozess", erinnert sich Rücker. Man habe aufgrund dieser Vorarbeiten nun eine Planung, mit der alle zufrieden seien.

Sobald die Baumaßnahmen dann endlich anlaufen, sei mit "leichten Einschränkungen im Schulalltag" zu rechnen. Diese zeigten sich unter anderem dadurch, dass die Fläche des Schulhofs verkleinert und die Gartenbaufläche verlagert werden müssen. Am Ende dürfe man sich aber auf eine "selbst gestaltete, individuelle Schule" freuen.

Auch wenn das Warten auf die Turnhalle und den Verwaltungstrakt nun etwas länger dauert - ein weiterer Wunsch der Freien Waldorfschule München-Südwest ist bereits in Erfüllung gegangen: das Zentrum verfügt über eine neue Schulglocke. Die Pläne für den dazugehörigen Glockenturm hatte vor vier Jahren eine Schulklasse entwickelt. Engagierte Eltern organisierten einen Workshop und verarbeiteten gemeinsam mit Schülern Flachs zu einem Läutseil. Das 42-Kilo-Werkstück fertigte Peter Glasbrenner, ein Glockengießer aus Schwäbisch Hall. Nur zu gern würde die Schulgemeinschaft den zügigen Ausbau ihres Zentrums einläuten.