Bauarbeiten im S-Bahn-Tunnel München schaut in die Röhre

Der S-Bahn-Tunnel wird wegen Bauarbeiten gesperrt - und das an mehreren Wochenenden. Fahrgastverbände und Einzelhändler üben nun heftige Kritik und werfen der Bahn vor, viel zu leichtfertig die Stammstrecke dichtzumachen.

Von Marco Völklein

Die geplanten Sperrungen des S-Bahn-Tunnels an mehreren Wochenenden in diesem Jahr treffen bei Fahrgastverbänden und Einzelhändlern auf heftige Kritik. Die Deutsche Bahn als Betreiberin des Münchner S-Bahn-Netzes gehe "viel zu leichtfertig" mit Sperrungen um, findet etwa Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn. Auf den Strecken der U-Bahn, die von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) betrieben wird, müssten auch immer mal wieder Bauarbeiten vorgenommen werden - "dort allerdings halten sich die Sperrungen in Grenzen", sagt Barth.

Zudem sei der Ersatzverkehr mit Bussen, den die Deutsche Bahn anbiete, "alles andere als zufriedenstellend". So bemängelt er unter anderem, dass die Fahrgäste in den Ersatzbussen keine Fahrscheine kaufen können.

Auf heftige Kritik stoßen die Pläne der Bahn auch bei Vertretern des Einzelhandels. "Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass Bauarbeiten nötig sind", sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. "Wir profitieren auch von einem gut ausgebauten Nahverkehr." Dennoch seien vor allem die geplanten Wochenend-Sperrungen im Spätherbst vom 11. Oktober bis 9. Dezember nicht akzeptabel.

Denn just die beiden Dezember-Wochenenden liegen bereits mitten in der Vorweihnachtszeit - und gerade da brummt bei vielen Händlern das Geschäft. "Aber eben nur, wenn die Läden in der Innenstadt gut erreichbar sind", sagt Ohlmann. Ein Pendelverkehr mit einigen S-Bahnen zwischen Ostbahnhof und Pasing sei daher "als Minimallösung dringend erforderlich".

Ob die Bahn einen solchen Pendelverkehr anbieten wird, ist derzeit noch offen. Die für die Bauarbeiten zuständigen Bahn-Töchter und die S-Bahn-Betreibergesellschaft, ebenfalls eine Tochter der Deutschen Bahn, klären derzeit noch die Details für die Ersatzfahrpläne an den Sperr-Wochenenden. Fest steht bislang nur, dass insbesondere vom 2. August bis zum 26. August, jeweils von Freitagabend 22.45 Uhr bis Montagfrüh 4.45 Uhr, keine S-Bahnen durch den Innenstadttunnel wird fahren können. Hauptgrund dafür ist der geplante Umbau der Station an der Donnersbergerbrücke, zudem will die Bahn die bereits im vergangenen Jahr begonnenen Arbeiten an Brandschutzvorrichtungen in den Tunnelbahnhöfen fortsetzen.

Im vergangenen Sommer hatte die Bahn bereits an sieben aufeinanderfolgenden Wochenenden die Trasse unter der Innenstadt gesperrt. Dutzende Busse sorgten dafür, dass die Fahrgäste dennoch zu den Haltepunkten in der Innenstadt gelangten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten am ersten Wochenende lief der Ersatzverkehr relativ reibungslos, lobt Andreas Nagel von der "Aktion Münchner Fahrgäste" die Bahn.

Dennoch ist auch er mit den Planungen für die Sperrungen in diesem Jahr unzufrieden. Auch er fordert wie Pro-Bahn-Vertreter Barth den Pendelverkehr im Herbst - "alles, was technisch möglich ist, muss auch gefahren werden", sagt Nagel. Zudem sieht er den Freistaat gefordert, endlich den seit langem diskutierten Zwischenhalt an der Poccistraße einzurichten. Ein provisorischer Zwischenstopp würde den Fahrgästen die Möglichkeit bieten, dort auf die U-Bahn umzusteigen und in die Innenstadt zu gelangen, sagen Nagel und Barth unisono. Auch die Münchner CSU fordert eine zusätzliche Haltemöglichkeit an der Poccistraße schon seit langem.

Besonders vertrackt ist die Situation in diesem Jahr zudem, weil die MVG auf der Trambahnlinie 19 zwischen Willibaldplatz und dem Pasinger Zentrum seit Anfang Dezember 2012 die Fahrgäste ebenfalls in Ersatzbusse zwingt. Weil künftig die 19er-Tram direkt zum Pasinger Bahnhof fahren soll, verlegen in diesem Jahr Arbeiter in der Bäckerstraße neue Gleise und schließen diese in der Landsberger Straße an das bestehende Tramnetz an. Voraussichtlich noch bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 sind deshalb im Münchner Westen Ersatzbusse statt Trambahnen unterwegs.

Bei den Stammstreckensperrungen im vergangenen Jahr hätten aber viele Fahrgäste die 19er gerne als Ausweichmöglichkeit genutzt, sagt Barth. Dies sei heuer nur noch unter erschwerten Bedingungen möglich. Er befürchtet, dass viele Fahrgäste an den Wochenenden mit Sperrungen "ganz auf den öffentlichen Nahverkehr verzichten werden" und auf das Auto umsteigen. Oder gleich ganz die Innenstadt meiden - was wiederum bei den Händlern für Verdruss sorgen dürfte, wie Handelsvertreter Ohlmann befürchtet.