Interview: Cornelia Gockel

Der neue Direktor des Münchner Kunstvereins ist ein Niederländer: Bart van der Heide will Kunst in ihrem kulturellen und historischen Kontext zeigen.

Bart van der Heide, ein 35-jähriger Niederländer, ist der neue Direktor des Kunstvereins München. Im Januar 2010 wird er sein Amt antreten. Als Kunsthistoriker, Kurator und Kritiker hat er Erfahrungen im internationalen Ausstellungsbetrieb und bei namenhaften Institutionen gesammelt.

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Mit nur 35 Jahren hat der Niederländer Bart van der Heide bereits viel internationale Erfahrung als Kunsthistoriker, Kurator und Kritiker. Ab Januar wird er Direktor des Münchner Kunstvereins. (© Foto: Kunstverein)

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SZ: Was sind Ihre Pläne für München?

Bart van der Heide: Der Kunstverein München ist einer der ältesten Kunstvereine in Deutschland. In den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren hat er mit seiner Ausstellungspolitik der wachsenden Internationalisierung im Kunstbetrieb Rechnung getragen. Das möchte ich gern beibehalten. Ausgangspunkt wird die Qualität des Raums sein, der seine Geschichte reflektiert. Zum Beispiel möchte ich gern die Malerei zurückbringen, obwohl ich bisher noch keine derartige Ausstellung kuratiert habe. Der Raum ist wie für die Malerei gemacht. In den ersten 18 Monaten werde ich deshalb Künstler zeigen, die sich mit den klassischen Komponenten, Materialien und Kompositionen in der Kunst auseinandersetzen.

SZ: Was interessiert Sie an der Geschichte des Kunstvereins?

Van der Heide: In der Geschichte des Kunstvereins gab es viele experimentelle Projekte, welche die spezifischen Interessen der jeweiligen Direktoren spiegeln und keine vorgefertigten Antwort geliefert haben. Ich möchte meinen Schwerpunkt zurück auf Ausstellungen in ihrem historischen und kulturellen Kontext legen. Trotzdem möchte ich die experimentelle Richtung, für die der Kunstverein bekannt ist, weiterverfolgen.

SZ: Warum haben Sie sich für die Leitung des Kunstvereins beworben?

Van der Heide: Wenn eine Stelle wie diese ausgeschrieben wird, wäre man verrückt, sich nicht zu bewerben. Der Kunstverein hat international eine sehr gute Reputation und die Karriere von vielen Kuratoren befördert. Der Ort ist spektakulär, das Team ist sehr nett und München eine Stadt, in der ich mich wohl fühle.

SZ: Der Kunstverein muss wegen Renovierungsarbeiten im neuen Jahr einige Zeit schließen. Was planen Sie für diese Zeit?

Van der Heide: Ich bin noch dabei, verschiedene Möglichkeiten auszuloten. Ich sehe die Unterbrechung aber als eine Möglichkeit, in dieser Zeit ein vollkommen anderes Programm zu machen. Ich möchte mich mit der Stadt auseinandersetzen, mit öffentlichen Räumen und mit lokalen Gruppen und Institutionen zusammenarbeiten.

SZ: Welche Vermittlungsangebote wird es geben?

Van der Heide: In erster Linie verstehe ich schon die Ausstellungen selbst als eine Form der Vermittlung. Darüber hinaus möchte ich mit verschiedenen Partnern wie der Kunstakademie oder der Filmhochschule zusammenarbeiten. Es wird Workshops, Vorträge, Kunstführungen und Publikationen geben. Ich möchte alle Möglichkeiten der Kunstvermittlung ausschöpfen.

SZ: Wie werden die ersten Ausstellungen aussehen?

Van der Heide: Ich werde Künstler zeigen, die sich auch konzeptuell mit der Frage des Bildes beschäftigen. Eine der Ersten wird die deutsche Malerin Silke Otto-Knapp sein, die bereits international bekannt ist, aber bisher in Institutionen noch nicht vertreten war. Da sie Malerei als postkonzeptuelle Praxis verfolgt, sehe ich ihre Arbeit eher als eine Art Bilderforschung. Ich bin sehr gespannt, wie sie auf den Raum reagieren wird.

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(SZ vom 14.12.2009/hs)