Bar "Zum Wolf" Gerne randvoll

Randvoll eingeschenkte Halbe im Steinkrug, parlierende Türsteher und manchmal viel Gedränge: Die Kneipe "Zum Wolf" ist mehr als ein Kuriositätenkabinett mit Blues-Untermalung. Hier führt man mit Leidenschaft gute Gespräche.

Von Thomas Anlauf

Manchmal ist der Schlauch verstopft. Dann muss Klaus ran. Er ist nicht jeden Abend im Einsatz, denn in der ersten Wochenhälfte hat es meist genügend Platz im "Wolf" an der Pestalozzistraße. Doch wenn es gen Wochenende geht und womöglich, wie an diesem Freitag, DJ Skipper Tom seine Bluesraritäten aus dem Plattenschrank holt, kann es schon mal eng werden im Schlauch.

So nennt man hier das Nadelöhr zwischen Tresen und Wand. Klaus, der Türsteher, weist dann höflich darauf hin, dass der Laden leider voll ist. Wer draußen bleiben muss, kann dafür trefflich mit ihm über Turandot oder Kriegenburgs Ring-Inszenierung parlieren, schließlich arbeitet der Türsteher eigentlich an der Staatsoper.

Und wenn dann auch noch DJ Skipper Tom auf eine Zigarettenpause den Club verlässt, ist man womöglich schnell in eine Diskussion über globale Finanzmärkte oder die Feinheiten einer Segelregatta verwickelt. Der DJ, der einen schicken Schärenkreuzer am Starnberger See besitzt, verkehrt tagsüber hauptberuflich mit millionenschweren Aktienjongleuren.

Die kleinen Personalien zeigen: "Zum Wolf" ist etwas Besonderes. Dort, wo sich heute selbstverständlich Frauen und zweigeschlechtliche Pärchen ab Mitte dreißig treffen, war früher die streng homosexuelle "Teddy Bar" zu Hause. "Wenn hier zugemacht wurde, ging es direkt rüber ins Pimpernel", sagt Wolfgang Zeilnhofer-Rath, neben Wolfgang Götz ("Valentinstüberl", "Platzhirsch") der zweite Namensgeber des Clubs.

Die dritte im Bunde ist Corinna Götz, die sich um das Inventar des Ladens gekümmert hat. Überhaupt die Einrichtung: Man kommt sich beim Betrachten der Dinge vor, als würde man das Sammelalbum eines ganzen Lebens durchgehen: chinesische Lampions, unzählige Bilder von Blueslegenden vor einer Mustertapete, ein Alpenpanorama, ein Totenkopf, ein E.T.-Plüsch-Alien und ganz viel Nippes - Erinnerungsstücke aller Art ergeben eine kuriose Mischung.

Das wirkt zusammengemixt wie der leicht schwächelnde Aperol Sprizz, der zwar mit 4,50 Euro deutlich günstiger daherkommt wie beispielsweise auf der Via della Scrofa in Rom. Aber von der italienischen 7,50-Euro-Version war die Begleiterin im "Wolf" nach ihrer Auskunft wesentlich beglückter und auch beschwipster. Whiskey gibt es in relativ großer Auswahl, dafür Weißbier zu den beliebten Debreczinern überhaupt nicht. Das Löwenbräu-Helle wird hingegen sogar im Steinkrug über die Theke geschoben. Die Halbe hatte zwar wenig Schaum, dafür Bier bis unter den Rand.

Und damit wäre auch der neue "Wolf" in der Isarvorstadt vielleicht ganz gut beschrieben: gerne randvoll.