Bar Zephyr Künstler hinterm Tresen

Die Drinks hier heißen "Fliegender Teppich", "Flash Dance" oder "Lost Christmas". Wer bei der Auswahl nicht weiß, was er in der Bar Zephyr bestellen soll, ordert einfach einen "Drink mit Gin" und bekommt dann vielleicht einen ausgefallenen Cocktail mit Blutorangen - gemixt vom Chef persönlich.

Von Beate Wild

Unscheinbar wirkt sie von außen. Es gibt kein Schild mit dem Namen, nur das Wort "Bar" und zwei rote Markisen. Doch die Zephyr Bar braucht keine große Reklame, die Gäste kommen auch so zuhauf. Denn hier geht man nicht einfach mit Freunden etwas trinken. Hierher verschlägt es einen, wenn man sich den Freuden großartiger Drinks hingeben will.

Auf der Internetseite der Bar steht der Spruch "Trinken ist ein Bedürfnis - Genießen eine Kunst". Das trifft das Konzept der Zephyr Bar ganz gut. Ernest Hemingway wäre vermutlich hingerissen und würde sich dort am Tresen einen Stammplatz sichern.

In dem kleinen Lokal in der Baaderstraße gibt es Kreationen, die heißen "Fliegender Teppich", "Flash Dance" oder "Lost Christmas". Hinterm Tresen werkeln der Boss Alex Schmaltz und der vielfach preisgekrönte Barmann Lukas Motejzik. Die Zusammenstellungen der Drinks sind innovativ und außergewöhnlich. "Choice" etwa, ein Wodka Sour, den man wahlweise mit Apfel-Vanille oder Waldbeer-Kardamom-Chutney bestellen kann. Serviert wird er in einem kleinen Einweckglas. Oder "Größenwahn", eine Mischung aus Wodka, Johannisbeere und Gingerbeer, besonders beliebt bei Frauen.

Wenn man nicht genau weiß, was man will, kann man dem Barkeeper Lukas einfach nur sagen: "Ein Drink mit Gin." Dann nickt er verständnisvoll, fragt noch nach der Geschmacksrichtung und mixt dann einen wunderbar cremigen Cocktail mit Blutorangen. Das Tolle am Zephyr ist zudem, dass sich die Männer hinterm Tresen richtig viel Zeit nehmen zum Zubereiten der Getränke. Mag der Laden noch so voll sein, sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Freilich gibt es unter den Gästen auch ein paar Ignoranten, die einfach nur ein schnödes Bier ordern, aber man kann ja keinen zu seinem Glück zwingen. Und die Preise der Cocktails, die zwischen acht und elf Euro liegen, findet auch nicht jedermann günstig, doch man bekommt für sein Geld richtig gute Qualität.

Schlicht ist das Zephyr übrigens nicht nur von außen. Die Wände innen sind schlammgrau gestrichen. Das Einzige was heraussticht, sind die runden, beleuchteten Tischplatten und die illuminierte Wand mit den Alkoholflaschen hinterm Tresen. So konzentriert man sich automatisch auf den eigentlichen Zweck des Besuchs, dem Genuss von Drinks.

Das Publikum ist angenehm bunt gemischt. Da gibt es hübsche, aufgebrezelte Blondinen, lässige Männercliquen, verliebte Pärchen und einsame Wölfe. Und neulich auch einen eingefleischten Löwenfan, der sich wohl zufällig ins Paradies der Cocktails verirrt hatte. Mit flammenden Reden über seinen Lieblingsverein, der ihm jedoch stets nur Kummer bereite, unterhielt er die anderen Gäste vorzüglich und hatte am Ende des Abends ein paar neue Freunde gewonnen. Das Zephyr ist eben immer gut für eine Überraschung, nicht nur bei den Drinks.