Bar Südstadt Konzerte, Kicker, Soja

Neu - und doch nicht neu: Seit fast 20 Jahren ist die Südstadt im Schlachthofviertel eine Institution. Nun hat die Kneipe zwei neue Chefinnen. Verändert hat sich vor allem das Essen. Sonst ist vieles so geblieben, wie es war. Und das ist gut so.

Von Anna Fischhaber

Eigentlich sieht alles aus wie immer. Von den Wänden, die mit Zeitungsausschnitten tapeziert sind, blicken Oasis und andere Helden aus den neunziger Jahren auf die Gäste herab. Wer früh genug da war, hat es sich auf einem der alten Sofas bequem gemacht. Und an den Kickern im Nebenraum wird ununterbrochen gekurbelt.

Na gut, das Logo vor der Tür ist neu. Leichter zu finden ist die Südstadt deshalb aber nicht - in diese Ecke der Thalkirchner Straße im Schlachthofviertel verirrt sich kaum Laufkundschaft. Hierher kommen Gäste, die wissen, was sie erwartet. Stammgäste, die die heimelige Wohnzimmeratmosphäre in der Kneipe seit Jahren schätzen.

Das Licht ist gedimmt, das Lokal an diesem Abend voll. Die Gäste bestellen hauptsächlich Bier, meist direkt an der Bar. Oder gleich Südmilch. Gerds beliebten Wunschpunsch nach geheimer Rezeptur, aber garantiert ohne Milch. Gerd selbst gibt es nicht mehr.

Nach fast 20 Jahren ist aus dem Wirt ein Landwirt geworden und aus seiner alten Südstadt eine neue. Auch wenn man ziemlich genau hinschauen muss, um die kleinen Veränderungen in der Kneipe zu bemerken - auf der Toilette etwa. "Wir haben so renoviert, dass niemand merkt, das alles neu ist", sagt Susanne Schreiber. Jahre lang war sie Stammgast in der Südstadt. Im Sommer hat sie gemeinsam mit Christiane Hewelt den Laden übernommen.

Mit Gastronomie kennt sich Schreiber aus, lange hat sie im Kopfeck im Glockenbachviertel gearbeitet. Und ein Hauch Kopfeck, das vor allem für seine bodenständige und bezahlbare vegane Küche bekannt war, ist mit ihr auch in der Südstadt eingezogen. Neben Burgern, Currywurst und Pommes stehen jetzt auch gesündere Gerichte mit viel frischem Gemüse auf der wöchentlich wechselnden Karte.

Aber nicht nur einen neuen Koch, auch ein paar neue DJs haben die Wirtinnen mitgebracht. Außerdem soll es künftig mehr Soul- und Funkkonzerte geben, um ein breiteres Publikum anzusprechen.

Ansonsten ist vieles so geblieben, wie es war in der Südstadt. Und das ist gut so. Es gibt nicht viele Lokale in München, in denen kaum Elektro gespielt wird, es dafür aber einen festen Punkrockabend in der Woche (immer mittwochs) gibt. Lokale, in denen mehr oder weniger bekannte Bands regelmäßig intime Konzerte geben. Lokale, in denen das Helle nur 3,10 Euro kostet und man nachts noch etwas zu Essen bekommt. Lokale, in denen sich Teenager genauso wohlfühlen wie ältere Herren.

Vorausgesetzt natürlich, man ist nicht auf der Suche nach einer schicken Szenebar. Denn das ist die Südstadt auch nach der Renovierung nicht.