Bar Mellow Eine Kneipe wie eine WG

Das Mellow wirkt wie eine Mischung aus WG und den Partyräumen einer Pfarrei.

(Foto: Florian Peljak)

Kreischgrüne Weißbiergläser und ein Jägermeister-Zapfhahn auf der Theke: Das Mellow wirkt wie eine Studentenkneipe aus den Neunzigern. Wieso man im Jahr 2014 trotzdem gerne in die Bar in der Dachauer Straße geht.

Von Philipp Crone

Es muss eine städtische Richtlinie zur Einrichtung neuer Bars geben. Den Eindruck kann zumindest bekommen, wer sich in den vergangenen Jahren die Mehrzahl der Neueröffnungen angesehen hat. Lässige Loungemöbel, klare und simple Designerräume. Viele so uniform, dass man sie wunderbar verwechseln kann. Insofern macht das Mellow in der Dachauer Straße eine Ausnahme.

Hier würde niemand glauben, dass diese Bar im Dezember 2013 eröffnet hat. Sie könnte als typische Studentenkneipe auch schon seit 20 Jahren existieren. Und wer an dem von Hecken umfassten kleinen Biergarten vorbei hineingeht in einen Raum, den selbst der wohlwollende Gast nicht als modern bezeichnen würde, stellt sich die Frage: Wie zeitgemäß muss eine Bar aussehen, damit man im Jahr 2014 gerne hingeht? Und was ist wichtiger: die gute Optik des Raumes oder die gute Laune des Personals?

Funktion geht klar vor Aussehen

Das Mellow wirkt wie eine Mischung aus WG und den Partyräumen einer Pfarrei, hier geht Funktion ganz klar vor Aussehen. Laminatboden, an den gelb gestrichenen Wänden hängt ein Plakat von Led Zeppelin, ein gelbes "Panther crossing"-Warnschild aus Australien, ein Auto-Poster. Die Möbel sind so zusammengewürfelt, wie sich das für eine ordentliche Wohngemeinschaft gehört: ikeahafte Holzstühle, ein einsamer Kleiderständer in der Ecke, Achtziger-Barhocker. Aber diese WG hat andererseits auch, wie jede, die etwas auf sich hält, ein paar Überraschungen parat, mit denen man Kommilitonen beeindrucken kann.

Impressionen aus der WG-Kneipe

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Eine grell beleuchtete Bar zum Beispiel, die Weißbiergläser sind kreischgrün und rosa ausgeleuchtet, der Jägermeister-Zapfhahn steht auf der Theke. Und dann das Prunkstück: die Musiklounge. Im Separee hängen E-Gitarren an der Wand, die einem auch hier in Smiley-Gelb entgegengrinsen. Hier greifen die beiden Studenten, die gerade noch ihr Franziskaner und Augustiner ausgetrunken haben (2,90 Euro) zu, bevor sie die Piña Colada (5,90) bestellen.

Sie schrammeln ein paar Zeppelin-Riffs, bis sie das Gefühl haben, mit dem Auto von Sydney nach Cairns zu cruisen. Da trifft man vielleicht ähnlich fröhliche Bedienungen wie hier, die mit hochansteckender Lust ihrer Arbeit nachgehen, sodass selbst die zwei älteren Herren in der Ecke lächeln, die den Altersdurchschnitt so extrem anheben.

Sonst hocken bei Spaghetti Bolognese (5,30) oder Chili con Carne (4,50) - was man in der WG eben so anbietet - die Studenten und -tinnen von der Hochschule gegenüber. Im Garten liegen Utensilien für Selbstgedrehte auf den Tischen, man lehnt sich knirschend in die Korbstühle zurück und hört dem Mitbewohner oder der vorbeirauschenden Trambahn zu.

Mellow bedeutet im Englischen entspannt, lieblich, reif, angeheitert oder auch voll. Wie man sich in einer WG eben so fühlt.