Bar James T. Hunt Trinken wie ein Rennfahrer

James Hunt war ein sexsüchtiger Kettenraucher und Trinker. Eine Bar nach dem ehemaligen Formel-1-Fahrer zu benennen, ist bestimmt nicht die schlechteste Idee. Das James T. Hunt in der Maxvorstadt will jung und hip sein, zieht aber Männer mit aufgestellten Hemdkragen an.

Von Thierry Backes

James Hunt war 1976 mal Formel-1-Weltmeister, in dem Jahr, in dem sein härtester Konkurrent Niki Lauda seinen furchtbaren Unfall am Nürburgring hatte. Dass man sich heute noch an den britischen Piloten erinnert, hat allerdings weniger mit dem Titel zu tun als mit seinem exzessiven Lebensstil. Hunt wird nachgesagt, sich in den Wochen vor dem letzten Rennen jener Saison mit Kokain zugedröhnt und 33 Stewardessen verführt zu haben.

Eine Bar nach einem kettenrauchenden, dem Alkohol nicht abgeneigten Rennfahrer zu benennen, ist weiß Gott nicht die schlechteste Idee. Die Betreiber des Edmoses und des Bob Beaman, Niels Jäger und Sascha Arnold, haben sich also erneut einen Sportler als Namenspatron ausgesucht. Und weil sie den weltbekannten Hürdenläufer Ed Moses schon in einem Wort schreiben und den Dreisprung-Olympiasieger von 1968, Bob Beamon, mit einem "a" statt mit einem "o" am Ende, haben sie Hunt nun auch ein T. untergejubelt.

"James T. Hunt" steht also in Gold vorne an der Glasfront ihres neuen Lokals an der Schellingstraße, das mal ein Antiquariat war und dann ein knappes Jahr lang Bar Antiquariat hieß. Von außen wird die Bar orange angestrahlt, innen sorgen nackte Glühbirnen und Kerzen an den dunklen Wänden für ein angenehm schummriges Licht. Ruhig sitzen kann man in dem überschaubaren Lokal allerdings nur, wenn man früh kommt. Es gibt hier mehr Steh- als Sitzplätze, das James T. Hunt ist eben eine von jenen Bars, die man aufsucht, bevor es zum Tanzen in einen Club geht.

Wer hier einkehrt, fühlt sich auch in den anderen Läden von Jäger und Arnold wohl. Der typische Gast trägt bunte Jeans, auch als Mann weit ausgeschnittene T-Shirts und zerzaustes Haar. Oder er gelt seine Haare nach hinten und trägt einen aufgestellten Hemdkragen, kommt gerne mit ein paar Kumpels und mindestens einer hübschen Frau, bestellt für seine Runde gezielt den teuren Belvedere-Wodka ohne die Karte zu studieren und muss sich dann doch mit Russian Standard zufriedengeben, weil es keinen Belvedere gibt. Egal: Hauptsache, kein billiger Absolut-Wodka.

Studenten in abgerockten Kapuzenpullis findet man trotz Uni-Nähe dagegen nur selten im James T. Hunt, was aber nicht unbedingt an den Preisen liegt. Gut, das Karwendel Hell ist mit 2,50 Euro das 0,25-Liter-Gläschen nicht gerade günstig, aber es geht auch teurer. Die Getränkekarte ist überschaubar, darauf stehen Klassiker wie Gimlet oder Whisky Sour (jeweils 7,50 Euro). Für den Gin Tonic mit ordentlichem Hendrick's Gin und Monaco Tonic zahlt man die mittlerweile üblichen 10,50 Euro.

Die Drinks selbst werden zwar professionell gemixt, die Kristallgläser aber mit Eiswürfeln nur so vollgestopft. Das ist ärgerlich, fühlt man sich - dem etwas schnieken Publikum zum Trotz - dann doch recht schnell wohl in der einen Ecke neben der Napoleon-Figur auf dem Metalltresen. Die Barkeeper sind ja nett, das Ambiente einladend, die meisten Gäste gar nicht so abgehoben, wie man es am Anfang noch gedacht hatte. Niki Lauda soll James Hunt mal den "letzten bunten Hund" der Formel 1 genannt haben. Hunt hätte sich im Hunt sicher wohlgefühlt