Bar "Färber" Anstoßen in der Auslage

Trotz voyeuristischer Panoramascheiben wirkt sie einladend: Die neue Bar "Färber" hat in der Klenzestraße eröffnet. Das unaufgeregte, aber durchdachte Innere macht die Bar zu einem Magneten für Vorbeiziehende. Die Gäste? Nicht zu jung, nicht zu alt und nicht zu hipp.

Von Philipp Crone

Panoramascheiben sind für eine Bar normalerweise gar nicht gut. Wer von draußen reinsehen kann, wird ein leeres Lokal - und jedes Lokal ist am Anfang des Abends zunächst leer - eher nicht betreten. Wer will schon alleine am Tresen sitzen? Das Färber, vom Wirt Roland Färber vor wenigen Tagen in der Klenzestraße 47 eröffnet, hat zwei Panoramascheiben. Doch die stören hier ausnahmsweise nicht. Denn das, was drinnen zu sehen ist, wirkt so verlockend, dass es völlig egal ist, ob nun zwei, zwanzig oder zweihundert Gäste anwesend sind.

Es beginnt schon mit der Beleuchtung. Die ist mittlerweile in der Barbranche eine entscheidende Größe für Erfolg und Misserfolg, für die Frage, ob sich der Gast wohlfühlt oder nicht. Im Färber sind die dunklen, braun gemusterten Wände und die Decke erleuchtet mit dem warmen Licht dezent gedimmter Glühbirnen, und mit einer langen Lichtleiste, die sich an einer Wand entlang erstreckt. Es gibt einige Tische, doch zumeist verbringt man die Zeit in dieser Bar mehr oder weniger stehend. An Stehtischen oder am Tresen.

Der Wirt besitzt aus der Lizard Lounge in der Corneliusstraße jahrelange Barerfahrung, und die ist hier durchaus zu spüren. Färber hat das Färber so eingerichtet, dass einem zunächst einmal wenig auffällt. Auf den zweiten Blick sind Details zu entdecken, die dem Ort eine eigene Note geben. Da ist ein glitzerndes, in die Wand eingelassenes Kreuz zu sehen, das Glück bringen soll; auch ein goldgerahmtes Porträt einer halb bekleideten und eines einer unbekleideten Dame hängt in den Ecken, und das Unisex-Waschbecken vor den Toiletten ist mit kleinen Kieselsteinen bedeckt.

Unaufgeregt und durchdacht. So wirkt das Lokal. Ein angenehmer Kontrast zu manchem Konzept-Club in der näheren Glockenbach-Umgebung. Hier gibt es kein Bar-Gimmick wie zum Beispiel eine grimmig bewachte Tür, eine monströse Gin-Auswahl oder den teuersten Wodka, stattdessen werden einfach alle Anforderungen an einen eleganten Ort zum Anstoßen und Treffen erfüllt. Der Hugo (5,20 Euro) hat auf seinen Minzblättern einen Hauch Puderzucker, der Moscow Mule (8,20 Euro) ist ebenso zärtlich dekoriert wie der Bombay Crushed (8,20 Euro). Unter einer 40 Jahre alten Sputnik-Lampe steht hinter der Bar eine wuchtige Espressomaschine, für den Kaffee, der an den Wochenenden nachmittags zum Kuchen angeboten wird.

Zum normalen Glenlivet-Whisky, einem seltenen Plantation-Rum oder ganz üblichen Hellen kann man im Färber kleine Snacks bestellen, eine Kürbissuppe (4,80 Euro) oder das Steaksandwich (7,80 Euro). Die Gäste, meist nicht zu jung, nicht zu alt und nicht zu hipp, genießen Einrichtung und Atmosphäre. Und wer draußen vorbeigeht, wenn es am frühen Abend noch nicht so voll ist, der blickt nur flüchtig rein, bleibt dann aber stehen, um sich das Ambiente in der Auslage noch einmal ganz genau anzusehen.