Bagida Großes Aufgebot für 110 Islamfeinde

280 Polizisten eskortieren Bagida-Demonstration. Der Unmut über Sperrungen wächst

Von Martin Bernstein

Die Zahl der Teilnehmer an den allmontäglichen Bagida-Demonstrationen wächst seit Wochen nicht mehr. Dafür aber der Unmut bei den von Straßensperrungen und Polizeikontrollen betroffenen Maxvor-städtern. "Trefft euch bei so einer Minderzahl an Personen in der Wirtschaft", schreibt ein erkennbar genervter Anlieger den Bagida-Anhängern auf Facebook ins Stammbuch. Auch beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) beschwerten sich laut Sprecherin Daniela Schlegel schon zahlreiche Anlieger und Geschäftsleute aus den betroffenen Straßen. 110 Islamfeinde waren nach Zählung der Polizei am Montagabend unterwegs - eskortiert von 90 Gegendemonstranten und mehr als 280 Polizisten.

Anders als am Jahresanfang wird der Polizeieinsatz jetzt nicht mehr vom Präsidium geleitet. Am Montag war die Neuhauser Polizeiinspektion verantwortlich. Mit dabei waren Beamte der Einsatzhundertschaft, des Unterstützungskommandos, der Kriminalpolizei und des Staatsschutzes, vor allem aber Verkehrspolizisten.

Die Demonstrationsroute führte diesmal - besonders stauträchtig im Feierabendverkehr - vom Löwenbräukeller über die Nymphenburger Straße zur Maillinger Straße und im Bogen wieder zurück zum Stiglmaierplatz. Dass sich die Strecken immer wieder ändern, erklärt KVR-Sprecherin Schlegel so: Man habe den Anmeldern mehrere wechselnde Routen vorgeschlagen, um die Belastung für einzelne Straßenzüge zu reduzieren. Einzelne "Bayern gegen die Islamisierung des Abendlandes" hatte die neue Marschroute vor Probleme gestellt: "Der Stiglmaierplatz? Musste ich googeln, obwohl ich 15 Jahre in München gelebt habe. Naja, ist direkt bei der Dachauer Straße", schrieb ein Bagida-Sympathisant auf Facebook.

Verwirrung unter den Islamgegnern hatte auch die Ankündigung ausgelöst, Pegida-Gründer Lutz Bachmann werde nach München kommen. Eine Sympathisantin, die auf Facebook danach fragte, bekam die Auskunft: "Jeder Einzelne von uns ist Nichts. Aber zusammen sind wir Alles." Ein anderer schrieb: "Menschen wie Lutz Bachmann, Edward Snowden oder Nelson Mandela haben entscheidende Impulse gegeben. Du darfst jetzt nicht auf Lutz Bachmann warten wie auf das Christkind." Das kommentierte ein Facebook-User sehr trocken so: "Mit anderen Worten, Lutz Bachmann kommt nicht, korrekt?" Es war korrekt. Bachmann sprach lieber in Leipzig vor 800 Anhängern als in München vor 100. Doch noch im Juli soll er kommen - vermutlich am 20. Juli zu einer Kundgebung in der Fußgängerzone.

Wieder auf Seiten der Bagida dabei war am Montag Neonazi Karl-Heinz Statzberger. Ihm hatte das Bündnis gegen Naziterror und Rassismus vergangene Woche vorgeworfen, in der Seidlstraße einen Gegendemonstranten - von der Polizei ungeahndet - angegriffen und geschlagen zu haben. Außerdem soll es in der Dachauer Straße eine Attacke von Neonazis und Hooligans auf Gegendemonstranten gegeben haben. Die Polizei bestätigte diese Vorfälle jedoch nicht. Registriert hatte die Polizei jedoch eine Woche vorher einen Angriff von 15 bis 20 Vermummten auf drei Bagida-Anhänger. Diesmal gerieten laut Polizei Bagidas und Gegendemonstranten nicht aneinander. Ein Bagida-Teilnehmer bekam allerdings Ärger mit der Polizei, weil er die von Nazis und Neonazis verwendete und verbotene Odal-Rune als Tattoo auf der Haut trug.