83 Jahre und kein bisschen leise: Elisabeth Forstner ist die älteste Standl-Frau auf dem Viktualienmarkt. Besser bekannt ist sie als Bäcker-Liesl.
Es ist kurz vor acht Uhr auf dem Viktualienmarkt. Der Stand der Bäckerliesl steht. Frisches Brot, Brezen, Semmel und Gebäck sind in die Regale eingeräumt. Elisabeth Forstner hat Zeit zum Ratschen. Für die älteste Standl-Frau geht der Stress um neun erst richtig los.
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Seit 1950 verkauft die Bäcker-Liesl ihre frische Ware am Viktualienmarkt. (© Foto: Fließ)
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Ohne weitere Aushilfen steht die 83-Jährige mit ihrem Mann Josef fast jeden Tag allein am Stand. "Das geht Hand in Hand." Natürlich gebe es auch mal Reibereien. Wenn die Leute sich nicht anstellen wollen, sondern drängeln. "Da muss ich ihn dann schon mal beruhigen", sagt die kleine Frau mit der großen, runden Brille. Um 6.30 beginnt der Tag der Forstners. Er endet um 18 Uhr. Am Samstag geht es um 5.30 Uhr los. Feierabend um 15 Uhr. Und am Sonntag? "Da habe ich meinen Haushalt zu machen", sagt sie. "Und dann bin ich froh, wenn ich einfach nur daheim bin. Auf meiner Terrasse. Da bin ich am liebsten."
1940 kam die gebürtige Sauerlacherin nach München. In der Schiller-Bäckerei am Bahnhof machte sie ihre Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin. "Ich möchte am Viktualienmarkt einen Stand", sagte sie ganz selbstbewusst, nachdem sie ein paar Jahre in der Bäckerei verkauft hatte. Am 2. Mai 1950 war es dann soweit. Forstner bot das erste Mal ihre Waren auf dem Viktualienmarkt feil. "Ich war die Kleinste und die Jüngste und stand mitten drin in der Konkurrenz", erinnert sich die Bäckerliesl an ihren ersten Stand. Weil sie kaum über den Verkaufstisch sah, stellte sie sich auf ein Podest aus Holz.
Recht viel mehr Erfolg hatte sie auf ihrem Podest allerdings erst mal auch nicht. "Kein Mensch hat mich gehört, wenn ich hinter der Theke hervorgerufen habe." Das erste halbe Jahr sei hart gewesen, erzählt sie. Irgendwann habe sie dann angefangen, sich vor ihren Stand zu stellen, die Leute anzusprechen und ihnen Brot zum Probieren anzubieten. Schließlich sei sie schon immer der Typ Mensch gewesen, der auf die Menschen zugeht. "Man muss Schneid haben", dann ginge das schon.
Ihre Spezialität ist die Bauernkruste
"Freundlich sein und gute Ware haben, das ist außerdem das Wichtigste", sagt sie auch heute noch. Von Anfang an habe sie gutes Brot verkauft. Dunkel und ausgebacken, heute bekannt als ihre Bauernkruste. Das Brot liefert seit 1965 die Bäckerei Schmidt aus der Steinstraße.
Inzwischen kommen die Kunden von allein. "Und von überall her", freut sich Forstner. Von Berlin, vom Bodensee, aus Heidelberg - sogar aus Amerika kommen Bestellungen für die Spezialität der Bäckerliesl. Sie sei immer wieder überrascht, wenn jemand suchend herum irrt, ihren Stand sieht, auf sie zusteuert und ohne zu zögern eine Bauernkruste bestellt. Wie zum Beispiel ein Stammkunde, der gegen halb neun vorbeikommt. Er geht gern zur Bäckerliesl, sagt er. "Die grantelt immer so schön." Manchmal suche er sich extra etwas aus, das schon ausverkauft ist. Nur um Elisabeth Forstner granteln zu hören, erzählt er und grinst.
Von Stammkunden wie ihm leben die Forstners. Bäckereiketten mit Einheitsprodukten zwingen immer mehr kleine Bäcker zum Aufhören, ärgert sich Josef Forstner, der Gatte der Liesl. Und wer wolle das schon: So früh aufstehen, so lange arbeiten? "Die Zeiten sind hektischer geworden. Früher war es noch gemütlicher auf dem Viktualienmarkt." Ans Aufhören denkt seine Frau jedoch nicht.
"Mein Markt ist mir alles."
"Solange es der Himmelsvater erlaubt", wolle sie sich jeden Tag auf den Viktualienmarkt stellen. Sie hätte es noch keine Stunde bereut, ihr halbes Leben im Herzen der Stadt zu stehen. "Mein Markt ist mir alles", sagt sie voller Überzeugung. "Man muss das Gefühl haben: Hier bin ich richtig. Sonst brauche ich so was gar nicht machen."
Und richtig ist sie hier, das weiß die 83-Jährige. Eine Alternative zu München und zum Viktualienmarkt gibt es für sie heute nicht mehr. Auch wenn das Ehepaar dort stets vom Wetter abhängig ist. Wenn es schön ist, brauchen die beiden mehr Ware. Bei Regen ist "schnell mal tote Hose" auf dem Viktualienmarkt.
Doch ihren Stand würde die zierliche, alte Frau nicht mehr gegen eine Bäckerei eintauschen. "Da würde ich mich eingesperrt fühlen", sagt sie empört. Solange sie nur das Freiheitsgefühl behalten kann, das ihr der Stand auf dem Markt gibt, nimmt sie lieber die kalten Winter in Kauf. Mit Eisblumen an den Scheiben. "Aber so kalte Winter gibt es eh nicht mehr."
Auch würde die 83-Jährige ihre Nachbarn vermissen. "Da ist einer für den anderen da." Das wurde auch vor drei Jahren deutlich, als sie die Nachbarn, Kunden und sogar ein Vertreter der Staatskanzlei an ihrem 80. Geburtstag mit einem großen Plakat und Glückwünschen überraschten. "Da war allerhand los, bei mir am Stand", erinnert sich Forstner und lacht über "eines ihrer schönsten Erlebnisse".
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(sueddeutsche.de/wib)
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Es ist immer wieder ein Erlebnis, dort einzukaufen. Wenn "man" keine Zeit hat, werden sogar telefonische Bestellungen angenommen. Und das Bauernkrusten ist einfach hervorragend.
jeden samstag wenn wir unseren Stammtisch im Auge haben holen wir uns das Brot
vorher bei der Liesl, dann machen wir selber schnittlauchbrote oder auf die brotscheiben ganz fein butter drauf und an stinkenden kas.
malzeit & prost ;-)