Baby-Boom Münchner Kindl

Frohe Botschaft: Baby-Boom in München.

(Foto: dpa)

Die Region erlebt einen Baby-Boom. Für viele werdende Eltern ist inzwischen eine der schwierigsten Fragen, wo der Nachwuchs zur Welt kommen soll. Denn das medizinische Angebot rund um die Geburt ist enorm.

Von Stephan Handel

Die Geburt war eine Katastrophe - in medizinischer, hygienischer wie sozialer Hinsicht. Keine Periduralanästhesie weit und breit und kein Wehenschreiber, die Schwangerschaftsgymnastik bestand aus einem längeren Fußmarsch, weder Homöopathie noch Akupunktur standen zur Verfügung, von Aromatherapie ganz zu schweigen.

Krankenhauskeime waren in Ermangelung eines Krankenhauses eher nicht vorhanden, jedoch sorgten im Geburtsraum anwesende Haustiere gewiss für eine gefährliche Anzahl gesundheitsschädlicher Erreger. Zu allem Überfluss tauchten schließlich auch noch drei Herrschaften dubioser Herkunft auf und überbrachten Gold von allergologisch ungeklärter Schädlichkeit, asthmafördernden Weihrauch und eine Art Baumharz aus gewiss nicht ökologischem Anbau. Es ist, kurz gesagt, ein Wunder, dass die Geburt überhaupt jemand überlebte, damals vor gut 2000 Jahren in Bethlehem.

Gut 15.000 Babys werden jedes Jahr in München geboren, "heuer eher mehr als im vergangenen Jahr", weiß das Statistikamt der Stadt. Ihren Eltern haben die Auswahl aus einer Vielzahl von Möglichkeiten. Ohne Übertreibung lässt sich sagen: aus allem, was die moderne Geburtshilfe so bereithält, von der Hochleistungsmedizin, die auch Kinder ins Leben bringt, die noch vor wenigen Jahren sicher gestorben wären, bis zu den Versprechungen einer "natürlichen" Geburt. Diese Wahlmöglichkeit macht es den Eltern aber nicht leichter.

Die meisten Kinder erblicken das Münchner Licht der Welt als Lampe in einem Kreißsaal der Taxisklinik in Gern - 3283 waren es im vergangenen Jahr, heuer wird es wohl mehr als 3300 geben. Oberärztin Ina Rühl sagt, dass die Mütter bei der ersten Geburt seit einiger Zeit immer älter sind - zwischen 30 und 35 Jahren sind die meisten in der Taxisklinik, was aber wohl auch auf die "sozioökonomische Struktur" in den wohlsituierten Vierteln rund um die Klinik zurückzuführen ist. Oft sind in den Familien auch die Frauen berufstätig und wollen zuerst ihre Karriere vorantreiben, bevor die Entscheidung für ein Kind fällt.

Zum einen gibt es deshalb mehr Mehrlingsgeburten, weil dem unerfülltem Kinderwunsch bei älteren Frauen reproduktionsmedizinisch nachgeholfen wird. Späte Schwangerschaften sind zudem häufiger schwierig, was die Zahl der Kaiserschnitte ebenso erhöht wie die Zahl der Entbindungen, die die Ärzte vorsichtshalber als problematisch einstufen. Am Ende sind sie es oft gar nicht oder bringen eine Komplikation, die den Namen gar nicht verdient: Zwei bis vier Prozent der Babys liegen zwar mit dem Kopf nach unten im Mutterleib, haben sich aber so gedreht, dass sie in die gleiche Richtung schauen wie die Mutter und nicht nach hinten. Das führt dazu, dass sie als erstes nicht den Boden des Kreißsaals erblicken, sondern die Decke. Das ist kein Problem, hat diesen Babys aber den bezaubernden Namen "Sternchengucker" eingebracht.