Automobilbranche BMW will Werkverträge reduzieren

BMW will Werkverträge reduzieren.

(Foto: dpa)

Gewerkschaften kritisieren, dass Werkverträge mittlerweile auch für Kernaufgaben in Unternehmen vergeben werden, um Löhne zu drücken. Der Autokonzern BMW will nun offenbar gegen das Mehrklassensystem in der eigenen Belegschaft vorgehen - und künftig stärker kontrollieren, welche Tätigkeiten an externe Dienstleister vergeben werden.

Von Katja Riedel

BMW will offenbar gegen das Mehrklassensystem in der eigenen Belegschaft vorgehen und die so genannten Werkverträge eindämmen. Damit werden bestimmte Tätigkeiten an externe Dienstleister vergeben und von deren Mitarbeitern oder weiteren Subunternehmen erledigt. Aus Kreisen von Arbeitnehmervertretern hat die Süddeutsche Zeitung erfahren, dass auf den Führungsebenen des Konzerns das Modell der Werkverträge zunehmend kritischer diskutiert wird.

Ein BMW-Sprecher bestätigte "Maßnahmen, die sicherstellen sollen, dass Werkverträge künftig nur dann abgeschlossen werden, wenn das zu leistende Werk nach den gesetzlichen Rahmenbedingungen überhaupt dafür infrage kommt". Checklisten gebe es dazu schon länger, nun habe man kürzlich verpflichtend ein internetbasiertes Training eingeführt, das Führungskräften "klar vermittelt", welche Regelungen einzuhalten sind.

Gewerkschaften kritisieren, dass mittlerweile Werkverträge nicht nur für eng umgrenzte Werke, sondern auch für dauerhafte Tätigkeiten in Kernbereichen von Unternehmen vergeben werden. Durch solche Verträge werde eine dritte Ebene eingeführt, die noch unterhalb der Leiharbeit liege. Damit steige die Gefahr von Lohndumping.

Arbeitnehmervertreter sprechen von bis zu 20.000 Menschen, die in München über Werkverträge in unterschiedlichsten Formen für BMW im Einsatz seien, zusätzlich zur Stammbelegschaft von derzeit gut 36.000. BMW weist dies zurück. Mitarbeiterzahlen seien nicht Bestandteil eines Werkvertrages.

Außerdem schickten die Dienstleister immer wieder unterschiedliche Mitarbeiter für die gleiche Aufgabe. Künstlich hochrechnen ließe sich eine solche Zahl auch, indem man die Mitarbeiter von Dienstleistern zusammenzähle, die sich zwar für das Forschungs- und Innovationszentrum von BMW (FIZ) arbeiten, aber für Konkurrenten.

Kritik an BMW

BMW war zuletzt mehrfach in die Kritik geraten: Anfang Januar lagerte das Unternehmen Mitarbeiter der BMW-Welt an die neu bestellte Dienstleistungs-Firma PR-Hofer aus - ein Vorgang, der Belegschaft, Betriebsrat und IG-Metall auf die Barrikaden brachte. Es ging um geringere Löhne, gestrichene Zulagen und weniger Urlaub.

In Regensburg gab es zuvor Ärger, weil Teile der Qualitätskontrolle und Nachbearbeitung an externe Firmen ausgelagert wurden. In der vergangenen Woche lieferte nun eine groß angelegte Studie des DGB Bayern neuen Zündstoff. Diese analysierte branchenübergreifend, welche Konjunktur Werkverträge aktuell erleben. Als Grund machen Gewerkschaften aus, dass für die Leiharbeit seit Jahresbeginn strengere Regeln gelten, die Leiharbeitnehmer rechtlich und finanziell besser stellen und Betriebsräten Einfluss verschaffen.

In Bezug auf BMW bezieht sich die Autorin des Reports, Sandra Siebenhüter von der Politikberatung Nautilus, vor allem auf Hochqualifizierte. Es geht um so genannte Entwicklungsdienstleister (EDL): Sie schicken mitunter ganze Teams von Ingenieuren in das FIZ. Für BMW sind vor allem Ingenieure der Firmen IAV und Edag im Einsatz, zudem gebe es noch weitere Entwicklungspartner und -dienstleister, die für BMW arbeiten, sagt der Unternehmenssprecher.

Ein reines "Projekthaus"

Freiberufler wie etwa Designer arbeiten nur in Einzelfällen für BMW. Sie dürften zudem nicht über ein bestimmtes jährliches Maß hinaus beschäftigt werden. Für die EDL gilt dies dem Report zufolge offenbar nicht. Autorin Siebenhüter hat mit derzeitigen und ehemaligen Mitarbeitern des FIZ gesprochen. Sie werden anonym zitiert. Sie berichten davon, wie gute Leute aus Drittfirmen über Jahre hinweg Kernaufgaben der Entwicklung übernommen hätten.

Einer der Ehemaligen behauptet, dass Werkverträge mit dem EDL um bestimmte Personen herum gestrickt seien, um diese für ein BMW-Projekt zu bekommen. Siebenhüter hat nach ihren Recherchen selbst den Eindruck bekommen, dass das FIZ ein reines "Projekthaus" sei, in dem die Fäden zusammengehalten würden.

Die Fremdvergabe sei in der Automobilindustrie attraktiv, weil sich die Personalkosten der Hersteller stark von denen der meist mittelständischen, nicht tarifgebundenen EDL unterschieden, folgert Siebenhüter. Verschiedene Untersuchungen gehen davon aus, dass Automobilfirmen zwischen 40 und 60 Prozent der Arbeiten fremdvergeben.