Autofahren in München Kampf ums Carsharing

Daimler drängt auf den Carsharing-Markt in München - und wird damit zu einer großen Konkurrenz für BMW. Ob die Münchner dank der neuen Carsharing-Angebote unterm Strich weniger Auto fahren, ist indes noch nicht geklärt.

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Konkurrenz direkt vor der Haustüre: Daimler will nun auch in München mit einer eigenen Flotte Leihwagen starten und kommt damit BMW ins Gehege. Die Münchner wappnen sich für den Angriff und wollen ihren Fuhrpark massiv aufstocken - das beunruhigt kleinere Anbieter.

Von Marco Völklein

Wer auf das eigene Auto verzichten und stattdessen lieber ein Carsharing-Angebot nutzen möchte, der wird voraussichtlich in Kürze einen weiteren Anbieter zur Auswahl haben. Noch in diesem Frühjahr will Daimler offenbar seine Carsharing-Tochter "Car2go" an der Isar ins Rennen schicken. Damit werden die Stuttgarter ihrem Wettbewerber BMW direkt vor dessen Haustüre Konkurrenz machen. Die Münchner indes rüsten sich für den Angriff der Schwaben - und wollen ihr Carsharing-Angebot "Drive-Now" ausbauen.

Am Dienstag wird sich im Rathaus der Kreisverwaltungsausschuss mit dem Thema befassen. Denn damit die neuen Carsharing-Angebote funktionieren, müssen sich die Firmen bei der Stadt mit Parkwapperln eindecken. Nur dann dürfen sie die Leihautos in den 62 Parklizenzgebieten am Straßenrand abstellen. Drive-Now hat bisher für 300 Autos eine solche Lizenz erworben, die Deutsche-Bahn-Tochter "Flinkster" hat sich mit etwa 100 Wapperln eingedeckt. Der dritte Anbieter "Zebra-Mobil", hinter dem zwei Firmengründer und kein großer Konzern stehen, betreibt derzeit etwa 70 Leihautos.

Nun also will Car2go mit 300 Fahrzeugen vom Typ "Smart" in den Markt eintreten. Das geht aus der Stadtratsvorlage von Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle hervor. Ein Daimler-Sprecher bestätigte lediglich, dass der Konzern mit der Stadt Gespräche führt. Details zu einem möglichen Start in München wollte er nicht nennen.

Laut Blume-Beyerle will Daimler seine 300 Smarts - ähnlich wie Drive-Now - überall im Stadtgebiet anbieten. Dazu müssen die Firmen pro Jahr und Auto 1830 Euro an die Stadt zahlen. Im Gegenzug können die Nutzer mit einem Auto, das sie etwa in Schwabing anmieten, nach Sendling fahren - und dort abstellen. Bei Flinkster und Zebra-Mobil ist das dagegen nicht möglich: Wer hier ein Carsharing-Auto nutzt, muss es am Ende in der Parklizenzzone abstellen, in der er es auch entliehen hat. Dafür aber zahlen diese Firmen auch nur 240 Euro pro Jahr und Fahrzeug an die Stadt. Zudem ist die Zahl der Lizenzen bislang auf maximal 300 je Anbieter limitiert.

BMW will mit 200 weiteren Leihautos kontern

Das allerdings will Blume-Beyerle nun ändern: Denn BMW will weitere 200 Leihautos anbieten - und damit offenbar der drohenden Konkurrenz aus Stuttgart kontern. Zudem sei das Interesse an den Carsharing-Angeboten nach wie vor groß, heißt es im Konzern. Die zusätzlichen Autos will BMW deshalb auch außerhalb des Mittleren Rings den Nutzern zur Verfügung stehen, also in der Regel außerhalb der bestehenden Parklizenzgebiete. Damit das Modell aber weiter funktioniert, sollen auch diese Fahrzeuge innerhalb des Mittleren Rings abgestellt werden können.

Blume-Beyerle schlägt nun vor, für die dafür nötigen Lizenzen nur noch 30 Euro pro Jahr und Auto zu kassieren. Es sei davon auszugehen, argumentiert der KVR-Chef, "dass diese Fahrzeuge regelmäßig außerhalb von Lizenzgebieten vorgehalten werden". Zudem sollen in den Parklizenzgebieten weiterhin nur höchstens 300 Autos pro Anbieter parken dürfen.

Zebra-Mobil-Gründer Matthias Hoene sieht darin allerdings eine Gefahr für sein Geschäft. Nur noch 30 statt mehr als 1800 Euro jährlich zu verlangen - damit gewähre die Stadt BMW einen "Mengenrabatt", der das BMW-Modell unterm Strich "deutlich günstiger" mache. "Ich würde auch gerne für 30 Euro in der ganzen Stadt parken", sagt Hoene. Zumal unklar sei, wie das KVR Blume-Beyerles Bedingung, wonach weiterhin nur 300 Drive-Now-Autos gleichzeitig in den Parkwapperlzonen abgestellt werden dürften, überwachen will.

Das KVR hat im April einen Gutachter beauftragt, der die Carsharing-Angebote bis März 2015 wissenschaftlich bewerten soll. Vor allem soll er prüfen, ob die Münchner dank der neuen Carsharing-Angebote unterm Strich weniger Auto fahren. Im Rahmen dieser Evaluation soll auch das 300-Auto-Kriterium überwacht werden, sagt Blume-Beyerle. Doch Hoene sieht das skeptisch: Die Überwachung sei eine "laufende, operative Aufgabe". Ein Gutachter könne das nicht leisten.