Auszeichnung Zeichen setzen

Andreas Meck baut mit viel Gespür für Material und Licht. Jetzt bekommt er den Architekturpreis der Stadt München

Von Alfred Dürr

Der große Auftritt liegt ihm nicht. Wenn man das Büro von Meck Architekten an der Kellerstraße, mitten in Haidhausen, besucht, hat man nicht sofort den Eindruck, dass hier einer der bedeutendsten Architekten mit seinem Team arbeitet. Das Klingelschild am Wohnblock verweist auf das "Gartenhaus". Man könnte den schlichten, dreistöckigen Komplex im schmucklosen Hinterhof auch einfach Rückgebäude nennen. Vor Jahrzehnten war hier der Verlag der Frauenoffensive, dem ersten feministischen Buchprojekt im deutschsprachigen Raum, untergebracht. Die heutigen Räume sind durch herkömmliche Architekturmodelle geprägt und nicht durch spektakuläre High-Tech-Computer. Bescheidenheit - dieser Begriff zieht sich durch viele Charakterisierungen von Andreas Mecks Person. Dafür haben es seine Werke in sich. Sie sind zu Vorzeige-Projekten geworden. Für sein Schaffen ist Meck, 55, am Dienstagabend mit dem Architekturpreis 2015 der Landeshauptstadt München ausgezeichnet worden.

Der gebürtige Münchner hat in seiner Heimatstadt und in London Architektur studiert und betreibt seit 1989 sein eigenes Büro. Seit 1998 ist er Professor für Entwerfen und Baukonstruktion an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Aufgrund der beruflichen Tätigkeit des Vaters, er war Elektroingenieur, ist der junge Andreas Meck viel in der Welt herumgekommen. London war für ihn als Student besonders interessant: "Hier konnte man sich mit der kreativen Seite der Architektur auseinandersetzen." Einen Namen gemacht hat sich Meck in den vergangenen Jahren vor allem durch sakrale Bauten: die Kirchenzentren in Neuried und im Münchner Stadtteil Nordheide an der Panzerwiese, die Aussegnungshalle in Riem zählt dazu; in Poing gestaltet er eine neue Kirche.

Von der barocken und opulenten bayerischen Tradition sind diese Bauten weit entfernt. Meck will eine eigene Formensprache entwickeln und durch den sorgfältigen Einsatz des Materials bis ins Detail, zum Beispiel mit unregelmäßig gebrannten Ziegeln an den Fassaden, einen unverwechselbaren Eindruck schaffen. Die raffinierte Mischung aus Einfachheit und Komplexität erzeuge die besondere skulpturale Kraft der Projekte, sagt der Kulturjournalist Wilhelm Warning in seiner Laudatio zur Preisverleihung. Mecks Gespür für das Material, die räumlichen Wirkungen und die Einbeziehung des Lichts wird von der Jury des alle drei Jahre verliehenen und mit 10 000 Euro dotierten Architekturpreises ausdrücklich erwähnt. Aber es geht in diesem Zusammenhang auch um die Frage, ob die Disziplin der Formen, die Klarheit der Linien und die Reduktion auf das Wesentliche bei den Menschen ankommt.

Andreas Meck hat am Dienstagabend den diesjährigen Architekturpreis der Landeshauptstadt München erhalten.

(Foto: Florian Peljak)

Meck ist überzeugt, dass seine Gebäude "funktionieren". Beispielsweise setzt er Naturstein und Eichenholz so ein, dass die ursprünglichen Materialien "in ihrer Sinnlichkeit, in ihrer Oberfläche wahrnehmbar sind". Zusammen mit dem Licht entstehe zum Beispiel in der Riemer Aussegnungshalle eine spezielle Atmosphäre, und diese werde von den Besuchern gespürt.

Begonnen hat Andreas Meck seine Karriere mit dem Wohnungsbau - ein heikles Thema in München. Zu eintönig, zu wenig experimentierfreudig, so lautet die Kritik an den Neubauvierteln. Meck hat versucht, sich vom Üblichen, vom Langweiligen abzusetzen. Wilhelm Warning erwähnt in seiner Rede "das kompakte, lang gestreckte, viertstöckige Gebäude am Ackermannbogen, sachlich, klar, mit Laubengängen und Loggien, eines der wirklich guten Beispiele in dem neuen Wohnquartier".

Oder das Beispiel Lothringer Straße in Haidhausen. Hier setzen drei neue, transparente und filigrane Wohnhäuser einen besonderen städtebaulichen Akzent. Flexible Grundrisse lautet hier für Andreas Meck das Stichwort: Wohnungen, die sich den jeweiligen Lebenssituationen anpassen. Dazu kommen das gekonnte Wechselspiel von Privatem und Gemeinschaft sowie die besondere Aufmerksamkeit für die Freiräume um die Wohnungen.

Gute Architektur, sagt Wilhelm Warning, setzt ein Zeichen inmitten des Üblichen. Er meint damit das schmale Wohnhaus in Trudering, das einen gewissen Bekanntheitsgrad errungen hat. Inmitten einer Einfamilien-Siedlungswüste sei es auf einem handtuchkleinen Grundstück eine Herausforderung und eine Provokation. Der schlichte, schlanke Holzbau mit der streng durchdachten Raumaufteilung, die jeden Platz ausnutzt, provoziere, sagt Andreas Meck, weil er so einfach sei: nichts Besonderes, sondern der Normalfall.

Hier wohnt ein Architekturjournalisten-Ehepaar mit seinen Kindern. Weil man sich den Ruf erworben habe, auch aus schwierigen Raumsituationen gute Dinge zu entwickeln, kämen viele Kollegen und Menschen aus artverwandten Berufen, um sich von uns ein Haus bauen zu lassen, sagt Meck, und er verhehlt nicht, dass er auf dieses Vertrauen stolz ist.

Wie breit das Spektrum von Andreas Mecks Werk ist, zeigt sich an seinen anderen Bauwerken. Dazu gehört das Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin - "ein typisch Meck'scher Grenzgang zwischen Skulptur und Architektur" (Warning). Gewidmet ist diese Gedenkstätte allen Angehörigen der Bundeswehr, die seit 1955 im Dienst ihr Leben verloren haben.

Ganz etwas anderes stellen die kleinen modernen Ferienhäusern dar, die Meck in Österreich, wo er sich privat gern aufhält, gestaltet hat. Mit den Holzkonstruktionen nimmt der Architekt die alte Bausubstanz und herkömmliche Formen auf und interpretiert sie auf seine Weise neu.

In München lohnen weitere Projekte aus dem Büro Meck Architekten das genauere Hinsehen. Dazu zählt etwa der Erweiterungsbau der Zentralbibliothek der Hochschule München an der Lothstraße. Raffiniert seien hier gewissermaßen die Proportionen auf den Kopf gestellt, lobt Wilhelm Warning: oben der Lesesaal mit seinen hohen Fensterschlitzen, nach unten würden die Fenster kleiner und enger. Eine Bibliothek, die sich nach oben öffnet, die leichter wirke, je höher es hinauf gehe: "Welch ein Einfall! Und welch ein Einfall, in der Fassade die Konstruktionsraster und Schichtungen zu zeigen, die Maßeinheit des Gebäudes ablesbar werden zu lassen!"

Aktuell beschäftigt sich das Büro Meck mit dem Bau der Mensa auf dem Uni-Campus in Garching. Angesichts des guten Rufs, den sich der diesjährige Architekturpreisträger erworben hat, ist es nicht verwunderlich, dass aus seiner Feder auch der Erweiterungstrakt für die Münchner Baugenehmigungsbehörde, die Lokalbaukommission an der Blumenstraße stammt. Auch hier hat Meck die Formensprache der ehemaligen Stadtwerke-Zentrale aufgenommen, den Anbau aber mit seiner besonderen Handschrift neu interpretiert.

Für seine Bauwerke und den Einsatz der einzelnen Materialien hat Meck eigentlich schon alle Preise bekommen, die zu vergeben sind. Die Liste der Auszeichnungen ist beeindruckend lang. Nun hat ihn seine Heimatstadt geehrt, das fehlte noch. "Na ja", schmunzelt Meck, "schon jetzt mit Mitte 50 für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden? Ich fühle mich aktiv genug, um noch viele Projekte zu verwirklichen."