Ausstellung Schutzpatrone und Nothelfer

Eine Fotoausstellung im Bürgerzentrum des Pasinger Rathauses widmet sich Heiligen-Darstellungen aus Kirchen entlang der Würm. Der Kunsthistoriker Michael Meuer und die Fotografin Sonja Lhota wollen verloren gegangenen Volksglauben wieder nahebringen

Von Jutta Czeguhn

Ein Tod auf dem Feuerrost. Die Geschichte der christlichen Heiligen steckt voller abscheulicher Grausamkeiten. Der heilige Laurentius beispielsweise, der im dritten Jahrhundert lebte, fiel beim römischen Kaiser Valerian in Ungnade und soll über dem Feuer gegrillt worden sein. Der Legende nach war der Diakon ein Mann mit Galgenhumor. "Lasst mich wenden! Auf der einen Seite bin ich jetzt genug gebraten!", habe er die Schergen des Imperators aufgefordert. In der Kirche St. Wolfgang in Pipping, der letzten vollständig erhaltenen gotischen Dorfkirche Münchens, gibt es eine schöne Statue des Märtyrers. Zu Laurentius' Füßen, kaum verdeckt durch den Faltenwurf seines goldenen Gewands, steht ein Gitterrost.

Der heilige Antonius, dargestellt in der Kirche St. Wolfgang in Pipping, hat als Beschützer des Viehs stets ein Schwein bei sich.

(Foto: Sonja Lhota)

An Attributen wie diesen Rost hätten die Gläubigen früherer Zeiten, die zumeist kaum lesen konnten, die Heiligen erkannt, sagt Michael Meuer. Zusammen mit der Fotografin Sonja Lhota zeigt der Kunsthistoriker derzeit im Bürgerzentrum des Pasinger Rathauses die Ausstellung "Unsere Heiligen im Würmtal". Eingeladen hat die beiden der Verein Pasinger Mariensäule.

Seit 40 Jahren ist der Verein so etwas wie der Hüter einer vergoldeten Madonnenfigur mit sehr bewegter Vergangenheit. Die Patrona Pasings war im Jahr 1880 auf dem damaligen Dorfplatz platziert worden. Damit die Zeit in Gestalt der neuen Trambahn, die am Pasinger Marienplatz Halt machte, nicht über die Muttergottes hinwegbrauste, holte man sie 1908 schon wieder vom Sockel und deponierte sie im Feuerwehrhaus. Dort überstand die Skulptur den Ersten Weltkrieg und die Wirren der Räterepublik. 1920 kam sie dann in die Obhut der Englischen Fräuleins in Pasing. Bis 1977 der Verein aktiv wurde und erst Ruhe gab, als die Maria wieder auf den nach ihr benannten Platz zurückgekehrt war. Das geschah im Oktober 1980 mit einer feierlichen Zeremonie. Die Madonnenfigur thronte also wieder hoch droben auf der Säule, nun mehr schwer umtost vom Autoverkehr und der ratternden Tram. Bis der Pasinger Marienplatz 2014 umgestaltet und teils verkehrsberuhigt wurde: Maria kam zwecks Restaurierung in eine Vergolderwerkstatt, dann wurde sie samt ihrer Säule, um einige Meter nach Norden verrückt, erneut wiederaufgestellt.

Jede Figur spricht durch ihre Attribute. Die heilige Anna, Großmutter Jesu, hier in der Frauenkirche in Gauting, tritt mit den Schriften der Propheten und zwei Tauben auf.

(Foto: Sonja Lhota /oh)

Eine Ausstellung, die sich skulpturalen und plastischen Heiligendarstellungen in den Kirchen entlang der Würm widmet, erschienen der Vereinsvorsitzenden Maria Osterhuber-Völkl und ihrem Stellvertreter Thomas Schmatz zum Jubiläum sinnig und ansprechend, zumal sich der Verein in all den Jahren seines Bestehens als Förderer von Kunst und Kultur im Münchner Westen und im Würmtal einen Namen gemacht hat. Genau in jenem "wichtigen bayerischen Kulturraum" also, den Michael Meuer, der selbst in Gauting lebt, zwischen dem Starnberger See und Dachau ausmacht. Von den vielen Heiligen, die er und Sonja Lhota längs des Flusses von Percha bis Allach entdeckt haben, sind im Bürgerzentrum 63 im Bild zu sehen und beschrieben.

Des heiligen Antonius steter Begleiter: das Schwein.

(Foto: Sonja Lhota /oh)

"Wir wollen den Menschen das Volkstümliche der Religion wieder nahebringen", sagt Meuer, der auch als Museumspädagoge arbeitet. Viele der Heiligen seien heute kaum mehr bekannt. Die Auswahl der Kunstwerke folge deshalb ausdrücklich nicht kunsthistorischen oder ästhetischen Kriterien, sondern unter anderem der Eindeutigkeit der Attribute. Die ganze Aufmerksamkeit gilt den Heiligen. "Jede Figur spricht mit uns durch diese Attribute", sagt Sonja Lhota, die den Part der Fotografin und die Repro-Arbeit übernommen hat, während Meuer in Kurztexten Hintergrundinformationen zu den Darstellungen liefert. Zudem gibt es eine auf das Wesentliche beschränkte Begleitbroschüre zu den Heiligen-Darstellungen samt nützlichem Kirchen-Einmaleins. Welche Kirchentypen gibt es? Wo findet sich was und wer in der Kirche? Die "reuigen Sünder" wie Maria Magdalena oder Petrus beispielsweise immer nahe der Beichtstühle.

Weiße Tauben spielen in der christlichen Symbolik eine wichtige Rolle - unter anderem gehören sie zu den Attributen der heiligen Anna.

(Foto: Sonja Lhota/oh)

Das Duo hatte es bei seiner Erkundungstour Anfang März längs der Würm nicht immer leicht. Abgesehen von der Kälte, waren etwa die Lichtverhältnisse in den Kirchen und Kapellen eine Herausforderung. "Wir hatten immer eine Baulampe dabei", erzählt Lhota. Oft ging es auch nicht ohne Leiter, um an die Heiligenskulpturen heranzukommen und in vier Metern Höhe mit der Kamera zu hantieren.

Aus der "Gemeinschaft der Heiligen" sind in der Würm-Region viele anzutreffen. Wer schon immer wissen wollte, warum ihm die Großmutter einen Christophorus-Anhänger mit auf Reisen gab, ist in der Schau gut aufgehoben. Man erfährt auch, dass es unter den Heiligen Nothelfer wie Sankt Blasius gibt, den man bei Halsleiden anrief. Oder den heiligen Georg. Seine Statue in der ihm geweihten kleinen Obermenzinger Dorfkirche sei "ein Fall für den Tierschutz", sagt Michael Meuer, denn der Drachen hat da nichts zu lachen. Tiere und Heilige sind überhaupt eine häufige Erscheinung: Bei Sankt Antonius dem Großen fehlt nie das Schwein als Attribut, Benedikt hat seine Taube und Korbinian den Bären.

Dann gibt es die Märtyrer wie den gerösteten Laurentius in Pipping oder die Abteilung Apostel, die in der Schlosskapelle der Blutenburg anzutreffen sind. Auch sie hat in der Regel ein grausames Schicksal ereilt, wovon ebenfalls die Attribute erzählen: Paulus hat ein Schwert an seiner Seite, als römischer Bürger war es ihm "vergönnt", enthauptet zu werden, anders als Petrus, den sie in Rom mit dem Kopf nach unten ans Kreuz nagelten. Bartholomäus trägt einen komischen Klumpen über dem Arm, ihm hat man der Legende nach die Haut abgezogen. Doch das Personal mit Heiligenstatus, auf das die Menschen früher in speziellen Notlagen als Fürbitter zählten, ist weit umfangreicher: Da sind noch die Ordensgründer, Ordens- und Bistumsheilige, Kirchenväter oder die Pestheiligen wie Rochus, Bauernheilige wie Leonhard, dem in Pasing eine Kirche geweiht ist. Und natürlich die Brauchtumsheiligen mit einem stabilen Bekanntheitsgrad wie St. Nikolaus oder St. Martin.

Die heiligen Männer sind eindeutig in der Überzahl in der Schau und in den Kirchen der Würm-Region. Umso mehr kann man sich auf die Darstellung wie jene in der Magdalenenklause im Nymphenburger Schlosspark konzentrieren: Einer trauernden Maria Magdalena sind dort ein Totenkopf und ein Salbgefäß als Attribute beigegeben. Nicht in der Ausstellung vertreten ist die Pasinger Säulen-Madonna, die den Würm-Heiligen nicht die Schau stehlen wollte.

Zusatzinfo: "Unsere Heiligen im Würmtal", Bürgerzentrum Pasing, Landsberger Straße 486, bis 31. Juli, Öffnungszeiten: Montag, Dienstag und Freitag von 7.30 bis 12 Uhr, Dienstag von 8.30 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr, Donnerstag 8.30 bis 15 Uhr, Samstag und Sonntag geschlossen.