Von Anja Burkel

Die schnelle Kost bei Steh-Italienern ist oft edel genug für ein kleines Geschäftsessen - aber zu lässig für einen dramatischen Heiratsantrag.

Näher kommt man der Phantasie, einmal in eine begehbare Antipasti-Vitrine zu laufen, nimmermehr: Im Steh-Ristorante "Mamma Maria" an der Münchner Freiheit essen die Gäste inmitten eines Feinkostladens. Von den hohen Tischen fällt der Blick auf Vorspeisen, Mandelgebäck und Apfelkörbe, auf Schränke voller Nudeln und Regale voller Wein.

Il Piccolo Principe (© Foto: Heddergott)

Anzeige

Im hinteren Zimmer, drei Parkettstufen entfernt, steht Maria de Sena am Herd. Die 45-jährige Neapolitanerin trägt zu Goldohrringen eine sahneweiße Schürze und schnippelt Trevisano, ein Gemüse "ähnlich Radicchio, nur weniger bitter".

Bitter soll es nicht sein für die Gäste - das "Mamma Maria" ist von der Sorte Steh-Italiener in München, die schnelle Kost edel und das Leben süß machen. Das Essen ist frisch, selbst gemacht und zum Mitnehmen geeignet. Die Atmosphäre in diesen nostalgischen Läden ist fein genug für ein kleines Geschäftsessen, aber zu lässig für einen dramatischen Heiratsantrag.

Vielleicht ist die Stimmung auch deshalb so gelöst, weil die Gäste auf ihren Barhockern auf Augenhöhe mit dem Wirt sind. Überhaupt verstecken sich die Küchenregenten der kleinen Italiener nicht hinter ihren Töpfen. Stattdessen bewegt sich Mamma Maria durch das Restaurant wie durch ein Wohnzimmer, spricht Gäste zuweilen mit "Dottore" an und beantwortet Fragen nach der jüngsten Olivenernte in Kalabrien.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Gerichte, wie Mamma sie mittags kocht
  2. Gerichte, wie Mamma sie mittags kocht
  3. Gerichte, wie Mamma sie mittags kocht
Leser empfehlen