Ausbau des Glasfasernetzes Neue Tarife, mehr Tempo

DSL war gestern: Die Stadtwerke setzen auf Glasfasernetze, um den Zugang zum Internet zu beschleunigen. Bis 2013 sollen alle Gebiete innerhalb des Mittleren Rings mit dem schnellen Internetzugang versorgt sein. Doch einige Fragen bleiben noch offen.

Von Michael Tibudd

DSL war gestern: In München und Umgebung tobt der Wettbewerb um schnelle Internetangebote. Die Stadtwerke München haben mittlerweile in der Hälfte der Innenstadt moderne Glasfaserleitungen verlegt und bieten über ihre Telekommunikationstochter M-Net nun Tarife an, die ein Vielfaches der Geschwindigkeit herkömmlicher DSL-Verbindungen bieten. Im kommenden Jahr wollen auch andere Anbieter wie die Telekom diese Glasfaserkabel nutzen und entsprechende Tarife anbieten.

Die Telekom selbst plant in Freising ein eigenes Glasfasernetz. Konkurrenz für dieses System kommt dabei von Kabel Deutschland: Dort bietet man in der ganzen Region überall dort, wo es Kabelfernsehen gibt, ebenfalls schnelles Internet.

Wer heute einen Film aus dem Internet beziehen oder Urlaubsfotos ins Netz hochladen will, erkennt die Grenzen der derzeit am meisten verbreiteten Technik: Bei herkömmlichem DSL wartet man schon mal eine Stunde und mehr, bis ein Spielfilm auf dem eigenen Rechner ist. Die Übertragungsgeschwindigkeiten von sechs bis acht Megabit pro Sekunde, wie sie herkömmliche Telefonleitungen bieten, reichen für mehr einfach nicht aus. Experten erwarten, dass die Datenmengen für private wie berufliche Anwendungen weiter enorm steigen.

Die Stadtwerke haben in München deswegen 2009 begonnen, neue Glasfaserleitungen zu verlegen, die Geschwindigkeiten bis zu 1000 Megabit ermöglichen. Zunächst wollen sie bis 2013 die Gebiete innerhalb des Mittleren Rings versorgen. "Wir werden danach auch außerhalb des Mittleren Rings weiterbauen", kündigte der Kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke, Florian Bieberbach, nun an. Welche Stadtviertel dann zuerst an der Reihe sind und ob der Anschluss ans Glasfasernetz für Hausbesitzer wie in der Innenstadt kostenlos sein wird, ist dabei noch nicht klar. Bisher gibt es das Glasfasernetz zum Beispiel auf der Schwanthalerhöhe, in der Au und in Obergiesing.

Die Stadtwerke gehen beim Ausbau dabei nach einer klaren Kosten-Nutzen-Rechnung vor: Glasfaser gibt es dort, wo auch viele potentielle Kunden künftige Angebote nutzen. Rund 170 Millionen Euro soll allein der Ausbau innerhalb des Mittleren Rings kosten. Die hohen Kosten sind auch der Grund, warum der Glasfaserausbau im Umland noch kein größeres Thema ist; es rechnet sich für die Investoren schlicht kaum. Deswegen kam auf dem Land auch der Ausbau auf herkömmliches DSL-Niveau wesentlich langsamer voran. Lediglich die Stadt Freising hat Aussichten auf ein eigenes Glasfasernetz: Die Deutsche Telekom prüft dort, ob sich genug Kunden finden. Schließen bis Ende des Jahres mindestens zehn Prozent der Hausbesitzer einen Vorvertrag für einen Glasfasertarif ab, will der Konzern ein Netz verlegen. Eine Chance darauf haben auch andere Kommunen. "Bei Anfragen kalkulieren wir, ob der Bau eines Netzes wirtschaftlich ist", sagt ein Telekom-Sprecher.

Weite Teile der Region und Bayerns bleiben damit freilich erst einmal außen vor. Immerhin: Nach Angaben der Bundesnetzagentur gibt es mittlerweile kaum mehr weiße Flecken, in denen nicht einmal DSL-Geschwindigkeit verfügbar ist. Statt teurer Leitungen haben Netzbetreiber wie Vodafone oder die Telekom dafür auf dem Land modernere Mobilfunkmasten aufgestellt, über die auch größere Datenmengen in die Häuser strahlen können.