Von Birgit Lutz-Temsch

Euro Skate ist viel mehr als nur eine warme Halle - trotzdem steht das erfolgreiche Jugendprojekt vor dem Aus. Der Grund: Haushaltskürzungen.

Die Jungs reden nicht lang um den heißen Brei: "Voll Kacke" finden sie es, dass Euro Skate, Münchens einzige Skater-Halle, Ende Dezember geschlossen wird. Dagegen haben rund 200 Skater am Wochenende mit einer Demo auf dem Odeonsplatz protestiert. Der Grund für das Aus: Dem Träger der Halle, der Arbeitsgemeinschaft Buhlstraße, sind die Mittel gestrichen worden. So sieht es das dritte Haushaltssicherungskonzept der Stadt vor, in dessen Rahmen auch das Sozialreferat kräftig sparen muss.

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Dabei ist Euro Skate mehr als nur ein beheizter Platz, an dem Jugendliche zwischen zehn und zwanzig Jahren über Hindernisse skaten. An die Halle angegliedert ist ein Videoraum, in dem die Kids Skate-Videos anschauen und lernen können, selbst welche zu drehen. Es gibt Skate-Kurse, für Mädchen reservierte Fahrzeiten und eine T-Shirt-Druckerei.

Die Jugendlichen fungieren als Trainer und arbeiten an der Theke, sie planen Veranstaltungen und setzen sie um. Und das wichtigste: Ständig sind Sozialpädagogen in der Halle. Eine Studie, die Münchens Freizeitstätten unter die Lupe nahm, bescheinigte Euro Skate eine "einmalige Infra- und Angebotsstruktur (...) in deren Gestaltung die Jugendlichen durch den ständigen Kontakt mit dem pädagogischen Personal einbezogen werden".

Während der Woche kommen nachmittags etwa 50 Jugendliche auf Inline-Skates und mit Boards, an Wochenenden bis zu 150. Mit den Eintrittsgeldern und dem Getränkeverkauf kommen ungefähr 40000 Euro pro Jahr herein - das reicht aber nicht.

Initiative gestoppt

Und wenn die Halle schließt? "Dann fahren wir wieder in U-Bahnhöfen oder Garagen", sagt der elfjährige Pacel. Wenn Robinson Kuhlmann das hört, ärgert er sich. Als die Halle im Jahr 2000 öffnete, lagen drei Jahre Vorbereitungszeit hinter dem 27-jährigen Skater und den Pädagogen. Als es hieß, die Halle müsse geschlossen werden, bemühten sich Skater und Pädagogen um alternative Finanzierungskonzepte. "Im Skate-Bereich Firmen aufzutreiben, die 180000 Euro für so ein Sponsoring geben, ist aber unmöglich", sagt er, und er kennt sich aus, denn er hat seinen eigenen Sponsor. Also suchten die Sozialpädagogen mit den Jugendlichen nach anderen Möglichkeiten.

Ihre Idee, mit Litfaßsäulen Geld zu verdienen, scheiterte an den Mühlen der Bürokratie. Nachdem die Jugendlichen mit viel Engagement in mehreren Bezirksausschüssen Anträge zum Aufstellen der Säulen gestellt hatten, die auch bewilligt wurden, stoppte das Referat für Arbeit und Wirtschaft die Initiative. Grund: Die Stadt hat bereits einen Vertrag mit der Firma Deutsche Städte Medien abgeschlossen, außerdem befürchtet das Planungsreferat, das engagierte Rettungsprojekt könne zu viele Nachahmer finden.

"Wenn die Zuschüsse wenigstens schrittweise gekappt würden, hätten wir länger Zeit, nach Sponsoren zu suchen", sagt Kuhlmann. Das Sozialreferat allerdings führt an, dass der Stadtrat bereits im April 2003 beschlossen hatte, die Zahlungen einzustellen - genügend Zeit für Alternativkonzepte sei also gewesen. "Uns bleibt keine andere Wahl, sagt Sprecherin Monika Niedermayer. "Man muss abwägen, was man mit den gekürzten Mitteln fördert, und aus sozialpolitischer Sicht haben Mittagstische und Hausaufgabenbetreuung den Vorrang." Den Stadtratsbeschluss zur Schließung könne man nicht mehr zurücknehmen.

Die nicht überdachten Skate-Parks in der Stadt finden wenig Anklang bei den Jugendlichen. Sozialpädagoge Thomas Grüner sagt: "Die Jüngeren trauen sich gar nicht in viele Skate-Parks. Wenn die da auftauchen, gibt's Prügel." Schließt also Euro Skate, reißt dies eine Lücke: Die nächste vergleichbare Einrichtung liegt in Salzburg; die Halle im ehemaligen Kunstpark Ost ist schon seit längerem dicht, weil es dort Drogen- und Gewaltprobleme gab.

Das ist Grüner wichtig: "Mit Drogen haben's hier zwar schon ein paar versucht - aber das läuft nicht. Mittlerweile sagen uns die Kids, wenn einer was verchecken will - die wissen, was auf dem Spiel steht." Über Euro Skate kommen Grüner und seine Kollegen auch an Jugendliche ran, die sie sonst nicht erreichen würden. "Wir haben schon in ganz üblen Fällen helfen können", sagt Leiter Werner Zorn.

Kuhlmann erinnert sich noch an ein Gespräch mit Oberbürgermeister Christian Ude, als es um die Öffnung der Halle ging. Ein tolles Gespräch sei das gewesen. "Vielleicht erinnert er sich ja jetzt daran" sagt er, bevor er sein Board kräftig anschiebt.

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