Aus für das Filmcasino Filmriss am Odeonsplatz

Wodka-Bull im Filmcasino? Das traditionsreiche Kino am Odeonsplatz schließt Ende Juni endgültig. Bald könnte hier ein Gastronomiebetrieb entstehen, der deutlich mehr Umsatz bringen soll.

Von Christian Mayer und Franz Kotteder

Das Filmcasino am Odeonsplatz ist bald Geschichte, der Betrieb schließt bereits Ende Juni. Damit verschwindet nach dem Tivoli in der Neuhauser Straße ein weiteres Münchner Programmkino an sehr prominenter Stelle - und macht den Weg frei für einen Gastronomiebetrieb, der die bisherige Struktur im Klenzebau ziemlich durcheinander bringen könnte.

Das Filmcasino am Odeonsplatz schließt Ende Juni.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Die Verhandlungen wurden abgebrochen, die Pächter verfolgen andere Pläne", sagt Kinobetreiber Reinhard Straßer, der die Gäste und Filmverleiher bereits auf die kurzfristige Schließung aufmerksam gemacht hat.

Ganz überraschend kommt das Ende des von vielen Münchnern geschätzten Traditionskinos nicht. Als nach zähen Verhandlungen und der Insolvenz des früheren Betreibers im Frühjahr 2010 die O8 Gastronomie GmbH einen zwanzigjährigen Pachtvertrag mit dem Immobilieneigentümer Carl Gross aushandeln konnte, schien das Kino zunächst gerettet zu sein - zumindest gaben sich damals die Pächter Constantin Wahl und Matthias Scheffel optimistisch; sie holten erst im vergangenen Herbst noch Andreas Haidinger und Max Braunmiller, die am Maximiliansplatz die Disco "089 Bar" betreiben, mit ins Boot.

Die vier gleichberechtigten Geschäftspartner, die vielfältige Erfahrung in der Gastronomie haben, nahmen mit Reinhard Straßer einen Untermieter für die ersten neun Monate, der Vertrag lief Ende Mai aus. Straßer selbst sagt, das Filmcasino habe zuletzt gute Zahlen vorweisen können: "2011 kamen im Schnitt mehr als doppelt so viele Besucher wie im Vorjahr, das Kino lief gut." Auffallend war jedenfalls, dass im Filmcasino viele kleinere und auch einige größere Kinopremieren stattfanden, ansonsten wurden die Räumlichkeiten in den beiden Stockwerken auch für diverse Partys und Firmenveranstaltungen genutzt.

Diese Einnahmen reichten aber offenbar nicht aus. So sehen es zumindest die Pächter, die im Juni 2010 das Filmcasino übernahmen - mit der öffentlichen Zusicherung, das Kino retten zu wollen. "Der ernst gemeinte und für uns sehr kostspielige Versuch, das ohnehin schwierige Einraumkino auf unternehmerisch interessante Füße zu stellen, ist trotz erheblicher Bemühungen leider gescheitert", sagt Constantin Wahl.

Ein Problem seien aber auch die hohen Investitionen, die in Kürze anstehen: Das Kino müsste dringend renoviert und auf digitale Abspieltechnik umgestellt werden. Wahl gibt an, bereits mit "zwei sehr renommierten deutschen Kinobetreibern über eine Kooperation aus Arthouse-Kino und hochwertiger Gastronomie plus Tagesbar" verhandelt zu haben - ohne Erfolg. Vor allem in den Sommermonaten werfe das Filmcasino zu wenig Geld ab. "Wir mussten den Kinobetrieb mit mehr als 180.000 Euro bezuschussen." Wahls Fazit fällt nüchtern aus: "Nicht wir haben das Kino zerstört, es war aufgrund des Konzepts und nach den Erfahrungen des letzten Jahres einfach nicht mehr zeitgemäß und tragbar."