Von Bernd Kastner

Schüsse, Kugeln, Blut, Chaos: Wie ein Münchner den Terrorangriff auf das Taj-Mahal-Hotel in Mumbai erlebt hat.

Es war gegen zehn Uhr abends. Christian Wegmann saß in der Lobby des Hotels Taj Mahal, einem sehr vornehmen Haus in Mumbai, und wartete auf einen Fahrer. Der sollte ihn zum Flughafen bringen, aber er hatte Verspätung. Wäre er pünktlich gekommen, Wegmann wären wohl die schrecklichsten Stunden seines Leben erspart geblieben. Der Münchner wurde Augenzeuge des Terrorüberfalls auf das Hotel.

Nach dem Terror-Überfall brennt das Hotel Taj Mahal. Der Münchner Christian Wegmann erlebte den Angriff unmittelbar mit. (© Foto: dpa)

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Christian Wegmann, 36, arbeitet für eine Münchner Touristik-Firma und ist auf Geschäftsreise in Mumbai. Sein Meeting mit dem Chef der Taj-Hotel-Gruppe liegt erst ein paar Stunden zurück, jetzt will er zum Flughafen, hat schon ausgecheckt. Plötzlich sieht er von der Lobby aus, wie draußen Menschen auf den Eingang zurennen. "Da wird eine Berühmtheit kommen", denkt sich Wegmann, deshalb dieser Auflauf.

Sekunden später splittern Scheiben, Scherben fliegen durch die Luft. "Ich habe noch immer nichts Böses gedacht", erzählt der Manager später am Telefon. Eine Schlägerei auf der Straße vielleicht.

Dann Schüsse, es klingt wie aus einem automatischen Gewehr. Im Augenwinkel erkennt er eine schwarzgekleidete Gestalt, sie rennt in seine Richtung. Mündungsfeuer. Links und rechts neben ihm fallen Menschen getroffen zu Boden. Keiner weiß, was los ist. Schüsse. Kugeln. Blut. Chaos.

Christian Wegmann rennt. Mit ihm rennen andere, sie kommen in ein Restaurant des Hotels, zwanzig, dreißig Gäste vielleicht, dazu noch ebenso viele Angestellte. Sie verbarrikadieren sich, schieben ein Klavier vor die Tür. Draußen immer wieder Schüsse, Explosionen.

Sie sind gefangen in einem vornehmen Hotel-Restaurant, aber sie sind in Sicherheit, vorerst. Sie müssen leise sein, wollen die Gestalten mit den Gewehren nicht auf ihr Versteck aufmerksam machen. "Die erste Stunde war ganz, ganz schlimm." Keine Infos, niemand in dem Raum weiß, was draußen los ist.

Christian Wegmann hat seinen Laptop dabei und ein Handy. So gelingt es ihm, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Irgendwann erreicht er einen Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats, so erfährt er zum ersten Mal, dass die Stadt, die früher Bombay hieß, von einem Terrorangriff erschüttert wird. Im Internet liest er dann, was um ihn herum vor sich geht. Und er selbst ist Teil dieses schrecklichen Geschehens.

Lesen Sie weiter: Wie mit manchen Opfern die Nerven durchgehen und wie sie sich retten können.

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