Im Zuge der Sicherheitsvorkehrungen schlägt ein Sprengstoffhund der Polizei im Hauptbahnhof an. Das verdächtige Beautycase entpuppt sich jedoch als harmlos.
Der Bundespräsident trat ans Pult, sagte "Meine Damen und Herren, Ladies and Gentlemen...", und damit war um 20.12 Uhr die 41. Münchner Sicherheitskonferenz eröffnet. Zum Eröffnungsessen hatten am Ehrentisch von Horst Köhler neben anderen der EU-Chefaußenpolitiker Javier Solana, Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), CSU-Chefin Angela Merkel, Oberbürgermeister Christian Ude und Konferenzleiter Horst Teltschik Platz genommen. Die Kameras aber folgten der amerikanischen Senatorin Hillary Clinton, die Schlag acht Uhr den großen Saal des Hotels Bayerischer Hof betreten hatte.
Mit Kameras beobachtet die Polizei das Geschehen in der Stadt. (© Foto: ddp)
Anzeige
Clinton gehört zu den aus 50 Ländern angereisten 250 Teilnehmern der Tagung. Abgeschirmt von einem massiven Polizeiaufgebot werden Minister, Politiker und Militärs bis Sonntag über Probleme der Welt vom Nahen Osten bis zu den Vereinten Nationen debattieren. Auch deren Generalsekretär Kofi Annan und US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erreichten noch am späteren Abend das Tagungshotel. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte dagegen seinen Besuch wegen einer schweren Erkältung abgesagt.
Das Abendessen mit dem Bundespräsidenten, gesponsert vom Bund der deutschen Industrie und dem Rüstungskonzern EADS, trat in diesem Jahr an die Stelle des üblichen städtischen Empfangs. OB Ude zeigte sich dennoch erfreut: "So spart die Stadt 40000 Euro und kann Gäste wie Kofi Annan im Rathaus begrüßen, die ihr wirklich herzlich willkommen sind", so Ude, "und den einen oder anderen eben nicht." UN-Generalsekretär Annan trägt sich am Sonntag in das Goldene Buch der Stadt ein. Vor allem gegen Rumsfeld richten sich Proteste der Konferenzgegner.
Harmloser Fund
Rund 1000 meist jugendliche Demonstranten hatten am Freitagabend gegen eine parallel stattfindende "Finanzierungskonferenz Nordafrika Mittelost" demonstriert. Die Protestierenden zogen vom Lenbachplatz zum Dorint-Hotel, wo sich Bank- und Wirtschaftsbosse eingefunden hatten. Auch zum Schutz der hier stattfindenen Tagung setzte die Polizei hunderte Beamte ein. Um den Bayerischen Hof wurde ohnehin ein Sicherheitskorridor gezogen. Insgesamt sind 4000 Polizisten im Einsatz.
Ein Beamter mit Sprengstoffsuchhund hatte am Freitagvormittag noch die Umgebung des Bayerischen Hofs nach Verdächtigem kontrolliert. Während seine Suche ohne Ergebnis verlief, schlug gegen 14 Uhr am Hauptbahnhof ein Polizeihund an, als ein Beauty-Case, das in der Schalterhalle vergessen worden war, genauer angesehen wurde. Die Polizei ließ die Schalterhalle sofort räumen - das verdächtige Case stellte sich jedoch als völlig harmlos heraus. Vermutlich hatten chemische Stoffe in Kosmetika den Hund an der Nase herumgeführt.
Keine Zwischenfälle vermeldete die Polizei an den Konferenz-Hotels. Die Inhaber eines Reisebüros am Promenadeplatz machten wegen der rigorosen Absperrungen aus ihrer Not eine Tugend und änderten kurzerhand ihr Angebot. In zwei Schaufenstern preisen sie speziell Reisen für Polizisten an. Motto: "Sie sorgen heute für unsere Sicherheit, wir kümmern uns morgen um Ihre Erholung."
Das Tagungshotel ist wie in den vergangenen Jahren wieder eine Festung. Falls man trotzdem versucht, einfach vorzufahren wie etwa Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel, wird man von den Polizisten zurückgeschickt. Viele Autofahrer mussten Umwege in Kauf nehmen; Straßen rund um den Hauptbahnhof wurden während des Demonstrationszuges komplett gesperrt.
Zur "Jubel-Kundgebung" der Konferenz-Gegner am Freitagabend am Lenbachplatz waren zunächst nur etwa 300 Teilnehmer erschienen. Als sich die Gruppe in Bewegung setzte, schlossen sich noch mehrere hundert Teilnehmer an, so dass der Zug in der Bayerstraße schließlich gut 1000 Leute umfasste. Laut Polizei wurden vier Personen in Gewahrsam genommen. Zwei Demonstranten fielen an der Ecke Kapuzinerstraße/Maistraße bei einer Kontrolle auf, weil sie sich angeblich vermummt hatten. Zwei junge Männer nahm die Polizei am Lenbachplatz fest. Ihnen wurden Verstöße gegen das Waffengesetz vorgehalten, weil sie lange Nietengürtel trugen.
Einen größeren Demozug soll es am heutigen Samstag geben. Zunächst ist ab 11.30 Uhr am Marienplatz eine Kundgebung des Friedensbündnisses vorgesehen. Im Anschluss, gegen 13 Uhr, führt der Zug durchs Tal, über den Isartorplatz, den Reichenbachplatz, die Müllerstraße, den Sendlinger-Tor-Platz zum Lenbachplatz. Das Ende ist für 17 Uhr vorgesehen. Das Friedensbündnis rechnet mit rund 5000 Teilnehmern. Die Polizei rät, nicht mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren.
(Süddeutsche Zeitung vom 12.2.2005)
Partyzone Flußufer
Die neueste Antwort