Für ihren Auftritt im Anschluss an eine Veranstaltung von Rechtsextremen hatten die Fassmacher nur eine lapidare Erklärung: Man könne halt nicht jedes Engagement vorher prüfen.
Erst sprachen Rechtsextremisten und Revisionisten, danach tanzten die Schäffler. Den Ordnerdienst im Saal hatten Mitglieder der von dem Neonazi Norman Bordin geführten "Kameradschaft München" übernommen. Um die Umgebung abzusichern, waren 150 Polizeibeamte außerhalb des Saals präsent.
Anzeige
Den Grund für diesen Aufmarsch lieferte ein vom Republikaner-Stadtrat Johann Weinfurtner organisiertes Neujahrstreffen am vergangenen Sonntag im Pasinger Hotel "Zur Post", an dem Vertreter der rechtsextremen NPD, der Deutschen Partei und des Schutzbundes für das Deutsche Volk teilnahmen. Um 17.30 Uhr, kurz nachdem die Veranstaltung im Hotel "Zur Post" beendet war, tanzten vor rund 400 Zuschauern die Schäffler in der angrenzenden Bachbauernstraße - auf Einladung Weinfurtners.
Kein Blick für das Umfeld
Bei der SZ-Redaktion meldeten sich daraufhin empörte Bürger, für die es nicht verständlich ist, dass die Schäffler unmittelbar im Anschluss an eine derartige Veranstaltung auftreten. "Wir tanzen für die Pasinger Bevölkerung", erklärt Christian Härtl von der Schäfflertanzgruppe. Dass vorher eine von Weinfurtner organisierte Versammlung stattgefunden habe, sei ihm nicht bekannt gewesen. "Wenn ein Stadtrat uns anruft und die Schäffler tanzen lassen will, dann machen wir das", sagt Härtl. "Ob der von der CSU oder von den Republikanern kommt, interessiert uns nicht weiter." Ohnehin könne man bei mehr als 400 Auftritten nicht jeden einzelnen prüfen.
"Hauptsache, wir haben den Saal voll"
Keine Bedenken, seinen Saal an den ehemaligen Republikaner Weinfurtner zu vermieten, hat der Juniorchef des Hotels "Zur Post" in Pasing. "Mir ist es egal, wer kommt, Hauptsache, wir haben den Saal voll, und es wird gezahlt", erklärt Andreas Schön, der gemeinsam mit seinem Vater das Hotel seit Ende Dezember betreibt.
Dass Weinfurtner Mitglied einer vom Verfassungsschutz beobachteten, rechtsextremistischen Partei ist, spielt für ihn bei der Vermietung des Saals keine Rolle. Über die Art der Veranstaltung war Schön von der Polizei in einem Vorgespräch informiert worden. Ganz anders sieht das der Senior Fritz Schön. Der Saal sei noch vom Vorpächter vermietet worden, eine Auflösung des Vertrages wäre juristisch schwierig gewesen. "So etwas wird uns aber nicht mehr passieren. Wir machen das in Zukunft sicher nicht mehr", beteuerte er.
Vertreter der Sachsen-NPD anwesend
Unter den rund 300 Teilnehmern des Neujahrstreffens befand sich auch Holger Apfel, der Vorsitzende der rechtsextremen NPD im sächsischen Landtag. Dessen Fraktion hatte am Freitag der Vorwoche für einen Eklat gesorgt, als sie bei einer Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus den Plenarsaal verließ und anschließend rechte Parolen verbreitete. Mit der Teilnahme Apfels, des Historikers Thomas Fischer, Mitglied der CSU und der Deutschlandbewegung, und dem Kommen von Heilwig Holland, dem Bundesvorsitzenden des Schutzbundes für das deutsche Volk, hatte Weinfurtner im Vorfeld für die Veranstaltung geworben.
"Es gab keinerlei Zwischenfälle, keine Straftaten, und es waren keine Gegendemonstranten anwesend," sagt Andreas Ruch, Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums. Ruch bestätigte auch, dass Bordins Truppe den Sicherheitsdienst übernommen hatte. Bordin war 2001 wegen seiner Beteiligung an dem brutalen Überfall auf einen Griechen in der Zenettistraße zu einer 15-monatigen Haftstrafe verurteilt worden. Weinfurtner hatte bestritten, von Bordins Anwesenheit gewusst zu haben.
(SZ vom 25.01.2005)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Die neueste Antwort