Von Susi Wimmer

Einfach anders als die Wiesn: Besucher schätzen die ruhigere, noch echt münchnerische Atmosphäre der Auer Dult.

Die Dult ist einfach anders. Sie riecht anders. Nach gebrannten Mandeln, nach den Spänen in der Pferdereitbahn und nach Schweinswürstln mit Sauerkraut. Man kann über die Auer Herbstdult schlendern, muss keinem Volltrunkenen ausweichen und keinen gefährlichen Hinterlassenschaften am Boden. Die Dult ist einfach anders als die Wiesn.

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Die Dult ist einfach anders als die Wiesn. (© Foto: Alessandra Schellnegger)

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"Ich bin quasi hier geboren", sagt Rosemarie Seidl. Sie sitzt in ihrem Klappstuhl auf der Sonnenseite in der Raritätengasse 47. Über den Budendächern blitzt die Nachmittagssonne genau in ihren Stand hinein. Vorne Gläser, Silber und Schmuck, hinten ihre Heiligenbilder und Porzellanfigürchen. Wie alt die Antiquitätenhändlerin nun wirklich ist, will sie nicht verraten. "Aber wir hatten heuer 50-jähriges Dultjubiläum", erklärt sie.

Ein Leben ohne Auer Dult undenkbar

Rosemarie Seidl ist in der Au geboren, zur Schule gegangen, "hier in der Kirche wurde ich getauft und gefirmt", der Mariahilfplatz ist ihre zweite Heimat. Schon ihre Mutter, sagt sie, führte auf der Auer Dult ein Kinderkarussell. Und so zieht es sie dreimal im Jahr mit ihrem Stand in die Au: "Hier gehen meine alten Schulkameraden vorbei und Kunden, die teilweise schon seit Jahrzehnten hier einkaufen." Nein, ein Leben ohne die Auer Dult wäre für sie undenkbar.

"Oh Natalie, es ist wie damals", schnulzt es aus dem Lautsprecher an der Schiffschaukel, wo die Kinder noch artig anstehen, um in den blauen Himmel zu fliegen. Alexander, "schon acht Jahre alt", findet den "Zaubererstand" toll. Da gibt es Furzkissen und Jodelbären. Seine Mama ist eher an den speziellen Putztüchern interessiert, weil damit auch die Katzenhaare weggehen sollen.

"Und in die Verkaufsgasse, da müssen Sie unbedingt reingehen. Das ist das Beste an der Dult", sagt eine ältere Dame, die sich gerade zum Verschnaufen auf ein Bänklein gesetzt hat. 78 Jahre ist sie alt und mit ihrer 87-jährigen Freundin da. Sie nestelt die Plastiktüte auf und deutet auf einen Gemüsehobel: "Der ist praktisch." Und die Freundin schwört auf das Olivenöl aus Kreta, "für den Salat". Wenn sie auf die Auer Dult geht, dann auch immer in die Kirche: "Mutter Gottes von der Au, auf deine Hilfe ich vertrau", zitiert die 87-Jährige.

Dann stehen sie auf, die beiden wollen weiter über die Dult. "Weil, die ist noch echt münchnerisch. Nicht so wie die Wiesn. Die artet aus."

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(SZ vom 20.10.2008/reb)