Audi Dome Hängepartie unterm Basketball-Korb

Statt Basketballern rückten am Sonntag Handwerker in der Halle an.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Trotz Wasserschadens will der FC Bayern weiter in der Sedlmayer-Halle spielen. Die Verhandlungen mit Red Bull über eine gemeinsame Arena ziehen sich hin.

Von Ralf Tögel

Für Rudolf Schels ist die ehemalige Rudi-Sedlmayer-Halle "immer noch eine der schönsten in Deutschland". Was daran liegen mag, dass sie mittlerweile Audi Dome heißt und seit September 2011 die Heimstatt der Bundesliga-Basketballer des FC Bayern München ist, denen er als FCB-Vizepräsident vorsteht. Am vergangenen Samstag allerdings hat die Schönheit dem Klub einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Denn ausgerechnet am Finaltag des Turniers um den deutschen Pokal gab es einen Dachschaden. Der eigentlich gar keiner war: Eine Pumpe im Heizungskreislauf war geplatzt, wodurch Wasser ins Belüftungssystem eindrang und von der Decke tropfte - mitten aufs Spielfeld. Im Audi Dome befindet sich die gesamte Technik, also auch Heizungs- und Belüftungssystem, auf dem Dach.

Das Spiel um Platz drei musste abgesagt werden, das Aufsehen war groß, der Vorgang einmalig in der Geschichte der Basketball-Bundesliga.

Pumpe geplatzt, Spiel verloren

Der sportliche Schaden indes blieb überschaubar, die Teams aus Frankfurt und Bamberg reisten früher ab, die Preisgelder werden aufgeteilt. Dem FC Bayern blieb aber nichts als Häme, erst der Schaden am Dach, dann auch noch das mit 65:67 Punkten verlorene Pokalfinale gegen Berlin.

Dass solche Schäden in einem 42 Jahre alten Bauwerk vorkommen, fand wenig Berücksichtigung. Schels spricht von einem "saublöden Zufall, wäre das einen Tag später passiert, hätte es keiner mitbekommen". Dennoch reicht der Zwischenfall aus, um die Debatte um den Bau der neuen Multifunktionsarena im Olympiapark in Erinnerung zu rufen.

Poker vor dem ersten Puck

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Die Bayern selbst hatten eine Halle mit einer Kapazität von mindestens 10 000 Zuschauern gefordert, wofür sich im Stadtrat keine Mehrheit gefunden hätte. Da tauchte der Getränkekonzern Red Bull auf, verleibte sich den Eishockey-Bundesligisten EHC München ein und erklärte sich bereit, diese Halle zu bauen. Der Plan: Eishockey und Basketball unter einem Dach eingebettet in den Olympiapark. Mittlerweile ist die ehemalige Eventarena dem Erdboden gleichgemacht, der Stadtrat hat den Plänen zugestimmt, dass ein Investor die Halle baut und betreibt.

Doch obwohl Red Bull, der FC Bayern und die Stadt viele Gespräche führten und die Beteiligten offiziell stets versicherten, dass grundlegend Konsens bestehe, hat sich der Hallenbau zu einer Hängepartie entwickelt. Dem Vernehmen nach pocht der österreichische Investor auf eine hohe Mietvertragslaufzeit, Terminkollisionen der beiden international agierenden Bundesligisten sind nicht zu vermeiden. Für 2021 ist die Inbetriebnahme anvisiert, der Termin gerät aber zunehmend in Gefahr.

"Das ist eine tolle Halle"

Der Ball wird offenbar hin und her gespielt, dabei besteht gerade bei der in die Jahre gekommenen Olympia-Eishalle Handlungsbedarf. Die Bayern-Basketballer haben dagegen für fünf Millionen Euro die baufällige Sedlmayer-Halle zu einer schmucken Basketballhalle umgebaut, der trotz des Pokal-Malheurs volle Funktionsfähigkeit attestiert werden darf.

Das unterstreicht auch Bayern-Vize Rudolf Schels. Man beabsichtige, die Halle über die bis 2018 mit der Stadt vereinbarte Laufzeit hinaus zu betreiben. Dass der Bau aus energetischer Sicht nicht auf allerneuestem Stand ist, das nehme man in Kauf. Schels: "Das ist eine tolle Halle, das wird sie auch bleiben, wenn sie 50 Jahre alt ist." Zudem habe der FC Bayern bereits prüfen lassen, dass die Zuschauerkapazität von derzeit 6700 auf knapp 8000 zu erhöhen sei, "ohne bauliche Maßnahmen von außen".

Das klingt nicht nach Aktionismus, zumal diese Dimension für die derzeitige Zuschauerentwicklung ausreichen sollte. Interesse an der neuen Arena haben die Bayern nach wie vor: "Wir haben eine Berechnungsbasis von Red Bull erhalten, die wir im Moment prüfen." Danach werde das FCB-Präsidium mit der Stadt sprechen, so Schels, "sehr zeitnah". Gebaut wird auf dem Gelände der ehemaligen Eventarena trotzdem, bis Mai sollen Leichtbauhallen für 500 Flüchtlinge errichtet werden. Und im Audi Dome wird am Sonntag wieder gespielt, Bundesliga, der Gegner: Berlin.