Die Regierung von Oberbayern lässt die Flüchtlingsunterkünfte an der Rosenheimer Straße schließen. Doch es beim Umzug lief nicht alles reibungslos.
Umgezogen - aber trotzdem nicht alle Probleme los: Am Montagvormittag ist die Asylbewerber-Containerunterkunft an der Rosenheimer Straße geräumt worden; die Bewohner bekamen ihre neuen Zimmer in der Carlo-Schmidt-Straße zugeteilt. Doch was als Ende jahrelang andauernder, menschenunwürdiger Verhältnisse gedacht war, warf schon nach kurzer Zeit neue Schwierigkeiten auf.
Die Asylbewerber konnten die Unterkunft an der Rosenheimer Straße verlassen. Die Caritas kritisiert fehlendes Fingerspitzengefühl der Behörden. (© Foto: oh)
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Um zehn Uhr morgens sollten ein Bus und ein Lastwagen Bewohner und ihre Utensilien nach "Am Moosfeld" bringen. Erlaubte Mitnahmemenge pro Person: ein Fernseher und zwei Umzugskartons. Die meisten füllten ihre Kartons naturgemäß mit Kleidung und Bettzeug; zurückbleiben mussten Geschirr, Küchengeräte, private Möbel, andere persönliche Habe. Dann mussten die Bewohner ihre alten Zimmerschlüssel abgeben, teilte die Regierung von Oberbayern mit, welche die Unterkunft betreibt. Den Rest ihrer Habseligkeiten, so wurde ihnen gesagt, könnten sie im Januar abholen.
Das findet Sabine Hodek von der Caritas, die die Flüchtlinge betreut, unmöglich: "Vielleicht ist einer erst von der Nachtschicht nach Hause gekommen, packt in großer Eile etwas zusammen - und merkt erst dann, dass er etwas Wichtiges vergessen hat?" Der Transport wäre kein Problem gewesen - genügend ehrenamtliche Helfer der Caritas standen bereit, um die Leute zu fahren.
Eine Sprecherin der Regierung sagte, nach ihren Informationen sei der Umzug "gut gelaufen". Ein Umzug des kompletten Mobiliars sei wegen der Kürze der Organisationszeit nicht möglich gewesen. Sie wies darauf hin, dass die Zimmer mit neuen Möbeln ausgestattet seien, außerdem verfüge das Haus über eine Satellitenanlage für die Fernseher.
Wegen der Unterkünfte in der Rosenheimer und der Waldmeisterstraße stand die Regierung von Oberbayern seit langem in der Kritik. Als Videos auftauchten, auf denen Ratten zu sehen waren, die in den Küchen spielten, nahmen sich der Münchner Stadtrat und der Landtag der Sache an - Letzterer ordnete Anfang Dezember die Schließung der Container zum Jahresende an. Die Regierung musste also schnell handeln.
Auch in der neuen Unterkunft in Moosfeld lief am ersten Tag nicht alles reibungslos. Die Bewohner beklagten vor allem, dass nun vier bis fünf Personen in einem 18-Quadratmeter-Zimmer untergebracht sind, ein bis zwei mehr als zuvor. Zudem habe die Regierung bei der Zusammenstellung der Zimmergemeinschaften keine Sensibilität bewiesen: "Ein Ostafrikaner versteht sich nicht unbedingt mit einem Westafrikaner", sagt Caritas-Mitarbeiterin Hester Butterfield. "Und auch nicht alle Araber sind die besten Freunde."
Außerdem mache es die höhere Belegung den Bewohnern schwer, den Alltag zu organisieren, sagt Butterfield: "Wer kommt wann heim, wer will wann schlafen, wer kochen, wer fernsehen?" Auch für die Jugendlichen, die sich auf den Schulabschluss vorbereiten, werde es schwieriger, Ruhe zum Lernen zu finden. Nur ein Bewohner habe etwas Galgenhumor gezeigt: "Hoffentlich habt ihr den Ratten nicht die neue Adresse gesagt", habe er gemeint.
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(SZ vom 30.12.2008/sonn)
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Die neueste Antwort
Wurde ja auch Zeit dass die Menschen menschenwürdig untergebracht werden.
Und alle die es schlimm finden, weil sie Asylbewerber nicht mögen (um es vorsichtig zu formulieren) wünsche ich ein Jahr in einem Rattencontainer in einem fremden Land.
wenn die Einrichtung wieder total versifft ist und die Ratten wieder rumrennen, ziehen wir dann einfach weiter. Man will es ja gemütlich, sauber und rattenfrei haben.
Nur, was dafür tun (z.B. mal die Küche nach Gebrauch reinigen) das will natürlich niemand.
Ist aber egal, die Caritas und andere Gutmenschen sorgen schon für eine neue Bleibe.
Um nicht mißverstanden zu werden: natürlich bin ich schon dafür, verfolgten Menschen eine Bleibe zu bieten. Aber man muß die Leute dann halt auch in die Pflicht nehmen. Und wenn einer eh schon nicht arbeiten darf, könnte er ja einmal die Woche "durchkehren" . Oder ist das zu Viel verlangt ?
Es wäre einfach gut, wenn die Verantwortlichen mehr Menschlichkeit an den Tag legen würden und auch den gesunden Menschenverstand nicht übergingen. Jeder der schon einmal umgezogen ist, weiß wie schwer es ist, an alles zu denken. Und ob jetzt gleich ein zweiter LKW fährt oder erst im nächsten Jahr spielt ja wohl keine Rolle. Daß es zu Problemen führen muß, wenn man leute in ein Zimmer pfercht, die zu unterschiedlich sind, liegt ja auf der Hand. Die Wünsche der Caritas sind nachvollziehbar und wirklich kein Luxus. Eine Unterbringung in einem Nobelhotel hat ja wohl niemand gefordert.
Andreas Nagel
Menschenunwürdige Zustände?
Was erwartet die Caritas? Soll jeder Asylbewerber in einem Hotelzimmer in der Münchner Innenstadt einquartiert werden, vielleicht im "Vier Jahreszeiten"?
Die Leute die hier herkommen suchen ja angeblich Schutz vor Verfolgung und Repression in ihrer Heimat.
Also müßte doch eigentlich die Unterkünft in der Rosenheimer Str. immer noch besser sein als die Zustände in den Ländern, aus denen die Asylanten kommen...