Asylbewerber Ehrenamt? Schön, aber nicht für Flüchtlinge

Aami Sultan ist anerkannter Flüchtling und arbeitet ehrenamtlich vor der Berufsschule für Berufsintegration.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Weltoffenes, buntes München heißt es immer. Beim ehrenamtlichen Engagement scheint das nicht zu gelten.

Kommentar von Melanie Staudinger

Sultan Aami hat etwas geschafft, was nur wenigen gelingt: Als Flüchtling ist er in München Schulweghelfer geworden. Obwohl freiwillige Helfer in vielen Bereichen händeringend gesucht werden, bleibt diese Tätigkeit ein Privileg für Menschen, die das Asylrecht nicht betrifft.

Wie kompliziert die Vorschriften sind, zeigt die Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage, in der die Grünen wissen wollten, wie es denn um das ehrenamtliche Engagement von Flüchtlingen bestellt ist. Ganze 15 Seiten umfasst die Abhandlung, nahezu alle Rathausabteilungen und städtischen Betriebe waren beteiligt.

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Wichtig sei das Engagement von Geflüchteten, ja geradezu begrüßenswert, lässt Oberbürgermeister Dieter Reiter ausrichten - gleich so wichtig, dass jeder Fall einzeln geprüft werden muss. Wer als Flüchtling zum Beispiel Schulweghelfer werden will, braucht eine Beschäftigungserlaubnis. Geld bekommt er zwar nicht, eine Erwerbstätigkeit ist es trotzdem.

Und so aufwendig zu prüfen, dass die Arbeitsgruppe Schulwegsicherheit im Kreisverwaltungsreferat das alleine nicht schafft. Die Freiwilligen Feuerwehren würden sich auch über Nachwuchs freuen, wären da nicht die hohen Anforderungen an den Feuerwehrmann. Ähnlich sieht es das Gesundheitsreferat: Ohne Fachkenntnisse kein Ehrenamt.

Im Zuständigkeitsbereich des Kulturreferats eignen sich im Prinzip alle Ehrenamtsangebote für Geflüchtete, also zumindest für die, die eine sichere Bleibeperspektive haben, und das sind wenige. Das Wirtschaftsreferat hat gleich 100 mögliche Stellen ausfindig gemacht, aber nicht in Sportvereinen oder sicherheitsrelevanten Bereichen. Dafür bräuchten Bewerber ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, das bei Menschen, die nur kurz hier leben, wenig aussagekräftig ist.

Das Bildungsreferat hingegen schlägt Sportvereine explizit als Betätigungsfeld vor. Da soll sich jemand auskennen. Und auch die meisten städtischen Firmen winken ab: Flüchtlinge hätte man schon gerne als Helfer, aber nicht unter den geltenden Vorschriften.

Weltoffenes, buntes München heißt es immer. Beim ehrenamtlichen Engagement scheint das nicht zu gelten. Wer allerdings so wählerisch ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn er am Ende ganz ohne Ehrenamtliche dasteht.

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