Von Sven Loerzer

Zu wenig Geld für Essen und Kleidung: In München leben mehr als 18000 Kinder unter schwierigsten finanziellen Bedingungen - manchen haben noch nie im Leben Obst wie Äpfel, Birnen oder Bananen gesehen.

Das soll Armut sein? Der goldglänzende Halsschmuck über dem sauberen Rollkragenpulli, die gepflegten, langen Haare - Veronika H., 41, hat den fragenden Blick nicht übersehen.

AP Münchner Tafel

Bedürftige Menschen stehen bei der Münchner Tafel Schlange und warten auf kostenlose Lebensmittel. (© Foto: Diether Endlicher/AP)

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"Es ist mehr Schein als Sein", sagt die allein erziehende Mutter von drei Söhnen, "ich laufe nicht in Lumpen herum, sondern versuche, mich adrett anzuziehen". Die Kleidung hat sie auf dem Flohmarkt gekauft, der Schmuck stammt aus besseren Zeiten, als sie noch nicht arbeitslos war.

Eigentlich ist sie ausgebildete Bekleidungsfacharbeiterin, aber die Textilbranche ist inzwischen weitgehend in Billiglohn-Länder abgewandert. Vor der Geburt ihres jüngsten, dreijährigen Sohnes arbeitete Veronika H. für eine Reinigungsfirma. Seit dem Ende des Erziehungsurlaubs sucht sie wieder eine Stelle.

Sparen an der Gesundheit

Ihr Handicap dabei ist der schwerstbehinderte, gehörlose und schwer sehbehinderte 17-jährige Sohn: Er besucht zwar ein Internat, ist aber am Wochenende und in den Schulferien zu Hause. "Da braucht er Aufsicht - manchmal ist er wie ein Siebenjähriger und dann wieder wie ein Zweijähriger. Ich habe niemand, der auf ihn aufpassen könnte."

Weder bei der Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung (Arge) noch bei der Stelle, wo sie sich für einen Ein-Euro-Job beworben hatte, erntete sie mit ihrem Problem Verständnis: "Geben Sie ihren Sohn in den Ferien einfach woanders hin", hieß es.

Doch abgesehen davon, dass sie nicht weiß, wohin, brächte sie das nicht übers Herz: Denn der Junge leidet noch immer unter dem Tod seines ältesten Bruders, der bei einem Unfall ums Leben kam.

Nach Abzug von Miete und Strom muss Veronika H. zusammen mit ihren Kindern mit 310 Euro im Monat auskommen. Im Moment ist es sogar nur die Hälfte, denn die Arge hat sie mit einer Kürzung bestraft, weil sie einen Vorstellungstermin für einen Ein-Euro-Job versäumt hat. Da, sagt sie, war sie gerade auf dem ersten Arbeitsmarkt zu einer Bewerbung.

"Uns bleibt nicht viel zum Leben", sagt Veronika H., "mein Konto ist ständig überzogen, ich habe Schulden hinten und vorne". Sie spart an der eigenen Gesundheit: Zum Arzt geht sie nicht wegen der Praxisgebühr von zehn Euro, auch bei schweren Erkältungen muss ein selbst gemachter Zwiebelsaft reichen.

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