Von Christian Rost

Gleich "mehrere hundert Millionen Euro" will der Freistaat bis 2012 in die Hand nehmen, um das Kinderbetreuungsangebot deutlich auszubauen.

Angesichts der hohen Kosten von bis zu 38.000 Euro für einen neuen Krippenplatz kann die Landeshauptstadt jede Unterstützung des Freistaats beim weiteren Ausbau des Betreuungsangebots gut gebrauchen. Bis 2011 sollen allein in München 3600 Krippenplätze neu entstehen. Mittlerweile sind aber nicht mehr der fehlende politische Wille und knappe Kassen die Hauptprobleme, vielmehr bereitet der Mangel an Personal den Kommunen Sorge: Erzieherinnen werden händeringend gesucht - für Krippen, Kindergärten und Horte.

Kinderkrippe

Bis 2011 sollen allein in München 3600 Krippenplätze neu entstehen. (© Foto: Stephan Rumpf)

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Zum einen liegt es am raschen Ausbau des Betreuungsangebots, dass der Arbeitsmarkt praktisch leergefegt ist. Zum anderen hat der Freistaat mit einem Passus im Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz die Mindestanforderungen erhöht. Das Gesetz schreibt den Betreuungseinrichtungen seit September vor: Eine Erzieherin darf im Schnitt höchstens noch 11,5 statt wie bisher 12,5 Kinder betreuen. "Wir haben größte Mühe, diesen Wert zu erreichen", klagte Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner im Stadtrat.

Daneben kämpft man mit dem Problem, dass im frauendominierten Erzieherberuf Mitarbeiterinnen im Falle einer Schwangerschaft sofort von der Arbeit freigestellt werden müssen. Dies sieht die EU-Biostoffverordnung vor, die nicht nur für den Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen gilt, sondern auch bei Tätigkeiten mit Menschen.

Es fehlen bis zu 100 Bewerberinnen

Ersatz für fehlende Erzieherinnen oder neues Personal findet sich auch deshalb nicht, weil die Bezahlung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst ziemlich bescheiden ist. So manche Fachkraft, die nach der Kinderpause wieder in den Beruf einsteigen könnte, überlegt es sich genau, ob sich das noch lohnt. Nach fünf Jahren Ausbildung liegt der Verdienst bei etwa 1300 Euro netto. Die Stadt legt immerhin noch eine München-Zulage von 105 Euro drauf, weitere Anreize werden erwogen. Das ist auch nötig: Bislang wurden pro Jahr schon 250 neue Erzieherinnen gebraucht, künftig sollen es 420 sein. Aktuell fehlen der Stadt 80 bis 100 Bewerberinnen.

Um mehr Nachwuchs zu bekommen, ist an der städtischen Fachakademie für Erzieher bereits die Zahl der Eingangsklassen von sieben auf acht erhöht worden. Interessenten locken soll zudem eine Werbeaktion, die demnächst startet: 8000 Plakate machen im Umkreis von 350 Kilometern den Erzieherinnenmangel in der Landeshauptstadt publik. Zudem wollen 40 andere Kommunen Jobsuchende auf München verweisen.

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(SZ vom 18.10.2008/reb)