App Weil Besucher sich verlaufen: Bibliothek bekommt eigenes Navigationssystem

Inkunabeln-Sammlung in der Staatsbibliothek in der Ludwigstrasse.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Bayerische Staatsbibliothek verfügt nun über ein eigenes Indoor-Navigationssystem.
  • Viele Besucher, auch fortgeschrittene, haben Orientierungsschwierigkeiten, sagt ein Stabi-Sprecher.
  • Bisher hat man sich mit Wegweisern beholfen. Aber je mehr Schilder man aufhängt, desto weniger werden sie beachtet, so der Eindruck in der Bibliothek.
Von Jakob Wetzel

Die Bayerische Staatsbibliothek hat einige besondere Qualitäten. Viele sind geläufig: Etwa dass sie zu den größten Bibliotheken Europas zählt, oder dass sie eine der Vorreiterinnen der Digitalisierung ist; sie hält mehr elektronische Bücher vor als jede andere deutsche Bibliothek. Eine weitere Qualität aber hat bislang relativ wenig Beachtung gefunden: Denn die "Stabi" ist allem Anschein nach auch noch ein ziemlich tückisches Labyrinth. Doch das soll sich jetzt ändern.

Am Donnerstag hat die Bibliothek eine App präsentiert, die nach eigenen Angaben ein Verlaufen im Haus an der Münchner Ludwigstraße künftig "praktisch unmöglich" machen soll: den "BSB Navigator". Das Programm gibt es kostenlos für iPhones, für den Sommer ist eine Version für Android-Geräte geplant.

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Der Navigator führt "direkt und punktgenau" zu beliebigen Orten in der Bibliothek: zur Cafeteria, zum Zeitschriftenlesesaal, zum nächsten Kopierkartenautomaten oder auch zum einzigen Behinderten-WC des Hauses. Im "Entdeckermodus" macht die App auf interessante Orte aufmerksam, an denen der Nutzer gerade vorbeigeht.

Und es sind zwei Rundgänge programmiert: einer für Neulinge, die wissen wollen, wo sie sich anmelden und wo sie Bücher finden, lesen oder abholen können, und einer zur Baugeschichte und zu den "touristischen Highlights" der Stabi, also etwa zu den Statuen von König Ludwig I. und Herzog Albrecht V. im prächtigen Treppenhaus. Auf Youtube gibt es bereits einen Anleitungsfilm, der zeigt, wie Menschen durch Gänge wandern, während sie auf ihr Handy starren.

Schilder werden umso weniger beachtet, je mehr man von ihnen aufhängt

Ob sich tatsächlich schon einmal einer in dem 152 Meter langen, 78 Meter breiten und 27 Meter hohen Haus verirrt habe? Das könne er nicht genau sagen, sagt ein Stabi-Sprecher. Aber gerade Neulinge hätten in dem etwas verwinkelten Gebäude oft Orientierungsschwierigkeiten.

Und auch fortgeschrittene Nutzer bräuchten zuweilen Hilfe, um zum Beispiel im Allgemeinen Lesesaal die Mikroform-Arbeitsplätze zu finden: Die verstecken sich auf einem bestimmten Stockwerk zwischen den Regalen. Bislang habe sich die Bibliothek mit Wegweisern beholfen, aber man könne nicht alles überall ausschildern - und in der Bibliothek hätten sie den Eindruck gewonnen, dass Schilder umso weniger beachtet würden, je mehr man von ihnen aufhängt.

Um die Nutzer im Gebäude zu lokalisieren, hat die Staatsbibliothek 240 Signalgeber in den Räumen verteilt, die über Bluetooth senden. Entwickelt hat den Navigator die Firma Bokowsky + Laymann mit Studenten der Technischen Universität, deswegen habe er nur einen niedrigen fünfstelligen Betrag gekostet, sagt der Sprecher. Das ist vergleichsweise wenig Geld für eine weitere besondere Qualität der Stabi: Sie ist jetzt die erste deutsche Bibliothek mit einem eigenen Indoor-Navigationssystem.

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