Antrag Fehlende Hebammen

Grüne und Bayernpartei beklagen Versorgungsmangel

Die Zahl der Geburten in München hat im Jahr 2016 mit 18 107 einen Rekord erreicht, diese erfreuliche Nachricht sehen aber die Grünen und die Bayernpartei im Stadtrat auch mit Sorge. Es herrsche bereits jetzt ein eklatanter Mangel an Hebammen, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen könnte, kritisieren bei Fraktionen unabhängig voneinander. Die Stadt müsse alles ihr Mögliche unternehmen, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen und mehr Hebammen nach München zu locken. Die Grünen fordern deswegen in einem Antrag ein Hearing im Stadtrat. Daneben solle sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei der Staatsregierung dafür einsetzen, dass "Missstände" bei der Förderung des Hebammen-Nachwuchses beseitigt würden. Die Bayernpartei verlangt ebenfalls in einem Antrag, dass der schon bestehenden runde Tisch der Münchner Krankenhäuser, der sich um den Pflegenotstand kümmert, den Mangel an Hebammen nun schnell angeht.

"Die ungenügende Förderung des Hebammen-Nachwuchses, das Fehlen von Kreißsälen, in denen frei praktizierende Hebammen arbeiten können oder der Wegfall des sogenannten Wartgelds können nicht von der Stadt im Alleingang beseitigt werden", erklärte allerdings Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich. Probleme seien die hohe Haftpflichtversicherung und der geringe Verdienst von Hebammen. Der Mangel an Personal und auch von Kreißsälen habe bereits im Jahr 2014 dazu geführt, dass 800 Frauen von Krankenhäusern in München kurz vor der Geburt abgewiesen worden seien. Dietrich will nun in einer Anfrage von der Stadt wissen, wie viele Frauen in den Jahren 2015 und 2016 von Kliniken nicht aufgenommen werden konnten.

Die Stadt müsse "schnellstmöglich" für mehr Hebammen, genügend Kreißsäle und ausreichend Betten für Mütter und Babys im Anschluss sorgen, fordert auch die Bayernpartei. Dazu solle sie darstellen, wie viel zusätzliches Geld das städtische Klinikum dafür benötigte. Geschäftsführer Axel Fischer erklärte, die Kapazitäten mit den anstehenden Neubauten in Schwabing und Harlaching auch so deutlich anheben zu wollen. 2016 kam mit 6000 Geburten ein Drittel aller Münchner Babys in städtischen Häusern auf die Welt. "Mit unseren Neubauten werden wir unsere Kapazität auf bis zu 7500 Geburten im Jahr steigern." Dass es nicht leicht sein wird, dafür auch das nötige Personal zu finden, räumte Fischer ein. Besonders schwierig gestalte sich die Situation der insgesamt fünf Zentren für Hochrisikoschwangerschaften in München. Dort werden Frühchen mit einem Gewicht von weniger als 1000 Gramm bei der Geburt betreut. Der Schlüssel sieht vor, dass sich jeweils eine Pflegekraft um einen Säugling kümmere. Momentan sei das städtische Klinikum aber insgesamt bei der Zahl der Hebammen im Soll.

Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs verwies darauf, dass die Stadt bereits für eine bessere Vernetzung der Münchner Krankenhäuser durch eine gemeinsame Kreißsaalliste gesorgt habe. Trotzdem könne es vereinzelt vorkommen, dass Frauen abgewiesen würden. Zahlen nannte sie nicht. Erst kürzlich habe der "Runde Tisch für Pflege und Hebammen" sich mit dem Problem grundsätzlich beschäftigt, sagte Jacobs. Sie werde sich zudem "für eine Verbesserung der Hebammenversorgung für den ambulanten Bereich einsetzen und Möglichkeiten ausloten, wo die Stadt noch weiter unterstützen kann".