Antisemitismus-Vorwurf OB Reiter kritisiert Auftritt von Roger Waters in der Olympiahalle

Roger Waters bei einem Konzert in Frankreich.

(Foto: AFP)

Der frühere Pink-Floyd-Musiker ist schon häufiger durch antisemitische Parolen aufgefallen. Dass er nun in München auftritt, hätte Reiter gerne verhindert.

Von Jakob Wetzel

Vor dem geplanten Auftritt von Roger Waters an diesem Mittwoch in der Münchner Olympiahalle hat sich Oberbürgermeister Dieter Reiter wegen dessen antisemitischer Äußerungen von dem Konzert distanziert. Waters, der als Mitglied von Pink Floyd bekannt wurde, sprach zuletzt über eine "außergewöhnlich mächtige jüdische Lobby", die anderen Musikern Angst einflöße, und zog Parallelen zwischen der israelischen Politik und dem Massenmord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten. Zudem ist der Musiker ein prominenter Unterstützer der internationalen, gegen Israel gerichteten Kampagne "Boycott, Divestment, Sanctions" (BDS). Er hatte einen Auftritt in Köln vor zwei Tagen für seine Agenda genutzt.

Reiter erklärte am Dienstag, er habe großen Respekt vor dem musikalischen Werk von Roger Waters. Das gelte jedoch nicht für dessen zunehmend unerträgliche Äußerungen. Mit diesen stelle sich der Künstler "außerhalb all dessen, wofür unsere demokratische, liberale und bunte Stadtgesellschaft steht".

Waters reagierte am Mittwochnachmittag auf Reiters Vorwürfe: Auf seiner Facebook-Seite erklärte er, er stehe lediglich für die Menschenrechte ein. Sein Auftritt ist jedoch auch deshalb pikant, weil die Stadt München den Boykottaufruf BDS zuletzt geächtet hat: Einem Stadtratsbeschluss vom Dezember 2017 zufolge darf niemand, der sich mit der Kampagne befassen oder sie unterstützen will, zu diesem Zweck städtische Räume oder Zuschüsse erhalten. Wie das umgesetzt werden soll, ist im Detail offen; eine Liste mit potenziell problematischen Rednern etwa gibt es nicht. Die Olympiahalle aber gehört der Olympiapark GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadt München.

Der Betreiber erklärt auf Anfrage, unabhängig von diesem konkreten Fall distanziere man sich klar von antisemitischen, rassistischen oder sonstwie diskriminierenden Äußerungen. Der Mietvertrag für das Roger-Waters-Konzert sei aber bereits Monate vor jenem Stadtratsbeschluss abgeschlossen worden. Juristisch sei der Auftritt von Waters deshalb nicht mehr zu verhindern, sagte auch Reiter. Umso wichtiger sei es ihm, klarzustellen, dass Waters' Stimmungsmache in München weder willkommen sei noch unwidersprochen bleibe.