Antisemitismus-Vorwurf Gasteig lehnt Vortrag ab

Es ist der erste Fall, in dem der Beschluss des Münchner Stadtrats gegen die antiisraelische Kampagne BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) Wirkung zeigt: Die israelisch-deutsche Künstlerin Nirit Sommerfeld darf am 19. Februar nicht im Gasteig über ihre vorübergehende Rückkehr nach Israel sprechen. Eine entsprechende Anfrage sei von dem städtischen Kulturzentrum abgelehnt worden, sagt sie. Der Gasteig äußerte sich aus Datenschutzgründen nicht.

Der Stadtrat hat am 13. Dezember beschlossen, die BDS-Kampagne zu ächten, weil sie antisemitisch sei: Für Veranstaltungen, die sich mit der Kampagne befassen, dürfe es keine städtischen Räume geben. Sommerfeld widerspricht: Ihr Vortrag habe mit der Kampagne "überhaupt nichts zu tun". Sie wollte erzählen, wie sie 2007 aus Liebe zu Israel aus Deutschland dorthin ausgewandert sei - und 2009 aus politischen Gründen zurückkehrte. Antisemitismus müsse man dringend bekämpfen, sagt Sommerfeld, die auch Geschäftsführerin des "Bündnisses zur Beendigung der israelischen Besatzung" ist. Der Vorwurf, sie selbst äußere sich antisemitisch oder sei Unterstützerin der BDS-Kampagne, sei jedoch "an den Haaren herbeigezogen". So werde jede Kritik an Israel im Keim erstickt. Der Veranstalter überlege sich juristische Schritte gegen die Absage.